Trockenheit in den Wäldern: “Die Bäume leben noch von den Wintervorräten”

Politik / 18.05.2026 • 15:14 Uhr
Jungwälder bieten beste Möglichkeiten zur Klimaanpassung, da sie noch viel CO2 aus der Luft für ihr Wachstum entnehmen. Amann
Jungwälder bieten beste Möglichkeiten zur Klimaanpassung.Amann

Trotz Rekordtrockenheit sehen Experten keine akute Waldkrise. Ein Wandel ist aber in vollem Gange.

Schwarzach Österreich erlebte den trockensten März und April seit Beginn der Messgeschichte. Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (ÖVP) warnte vor zunehmender Trockenheit und mehr Schädlingen in den Wäldern. In Kärnten und der Steiermark kam es bereits zu Waldbränden. Der Regen der vergangenen Tage brachte zuletzt etwas Entspannung. Doch reicht das aus?

“Die Bäume leben noch von den Wintervorräten. Wenn es länger nicht regnet, wird es rasch einmal kritisch”, sagt Landesforstdirektor Andreas Amann. Noch sei die Situation aber nicht prekär. Der Wald habe im Winter nur einen geringen Wasserbedarf, entscheidend seien vielmehr die Monate April bis Juni. “In der Phase des Blattaustriebs brauchen die Bäume mehr Wasser als sonst, sie bilden neue Blätter und Triebe. Das ist im Moment im vollen Gange.”

Aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellungen wird an dieser Stelle kein Inhalt von APA Livecenter angezeigt.

Wie viel Wasser ein Wald benötigt, lässt sich relativ genau beziffern. “Man sagt, dass ein Wald ungefähr drei Millimeter Niederschlag pro Tag braucht”, erklärt Amann. Im vergangenen Monat seien im Walgau bis zu 60 Millimeter Regen gefallen, im Bregenzerwald über 100 Millimeter, im Klostertal und Montafon rund 80 Millimeter. Der Wald profitiere derzeit noch von Reserven. “Im Moment zehrt der Wald noch vom gespeicherten Wasser im Boden und das muss er sich dann von immer tiefer holen. In einer Situation wie jetzt regt es die Bäume sogar an, die Wurzeln in die Tiefe auszuweiten.”

Regelmäßiger Regen bleibe dennoch entscheidend. “30 Millimeter pro Woche wäre gut. Dann kommen wir gut über den Sommer”, sagt Amann.

Andreas Amann
Andreas Amann ist Landesforstdirektor. Amann

Kritisch ab drei Generationen

Auch die Hauptschwärmphase der Buchdrucker – einer Borkenkäferart – hat in tiefen und mittleren Lagen bereits begonnen. Laut Daten der Universität für Bodenkultur wurden etwa in Au, Hittisau, Frastanz und Ebnit bereits mehrere Tausend Käfer in Fallen gezählt. Noch sei der Borkenkäfer in Vorarlberg aktuell kein großes Problem. Die vergleichsweise kühlen Temperaturen und die pünktlichen Eisheiligen hätten die Entwicklung heuer gebremst. Kritisch werde es vor allem dann, wenn sich statt zwei gleich drei Käfergenerationen pro Jahr entwickeln.

Der Klimawandel verändert den Wald langfristig. Die Fichte ist zwar weiterhin die häufigste Baumart in Vorarlberg, doch Laubbäume wie die Buche breiten sich zunehmend in höheren Lagen aus. “Überall, wo wir in den letzten Jahrzehnten Probleme mit Borkenkäfern oder Windwurf hatten, sind diese Waldflächen von der Natur wieder bewaldet worden – tendenziell mit größeren Laubholzanteilen”, sagt Amann.

Waldumbau in Zeiten des Klimawandels

Wie sich die Wälder bereits verändern, zeigt sich auch bei privaten Waldbesitzern. Die Familie Waldburg-Zeil zählt mit rund 240 Hektar zu den größten privaten Waldbesitzern des Landes. Die Waldflächen reichen von 450 bis 1600 Meter Höhe – entsprechend unterschiedlich sind die Bedingungen. “Dass wir alle miteinander den Klimawandel spüren, ist tagtäglich”, sagt Franz Clemens Waldburg-Zeil. Bereits vor Jahren habe man begonnen, von reinen Fichtenbeständen auf Mischwald umzusteigen. “Vom Fichten-Monokultur-Thema sind wir schon lange weg.”

Trotz aller Veränderungen warnt Landesforstdirektor Amann vor übertriebener Panik. “Diese Katastrophenstimmung ist aus meiner Sicht nicht gerechtfertigt. Es findet durch den Klimawandel ein Baumwechsel hin zu wärmeliebenderen Arten statt.” Der Wald der Zukunft werde anders aussehen als jener vergangener Jahrzehnte – verschwinden werde er aber nicht. “Wir werden, auch wenn es noch deutlich wärmer wird, einen Wald haben. Aber halt nicht mehr den aus unserer Kindheit.”