Unter Zeitdruck: Engpass bei Essen in Kinderbetreuung droht

Politik / 21.05.2026 • 17:13 Uhr
BG Bludenz, Kantine, Schule, Bundesgymnasium, Aqua Mühle
Einige Schulkantinen mussten von Aqua Mühle bereits geschlossen werden, weil sie nicht mehr rentabel waren. Nun müssen auch Volksschulen und Kindergärten eine Nachfolge suchen. VN

Nachdem ein Lieferant für Essen in der Mittagsbetreuung wegfällt, suchen Gemeinden und Land nach einer Idee, wie es weitergehen kann. Es eilt.

Dornbirn, Frastanz Jede dritte Schülerin und jeder dritte Schüler in Vorarlbergs Mittelschulen und Unterstufen besucht bereits die Mittagsbetreuung. Das sind mehr als 4800 Schüler, die ein Mittagessen erhalten. In den Volksschulen ist jedes vierte Kind mittags in der Schule, das sind noch einmal 5200 Kinder. Dazu kommen 4200 Kindergartenkinder. Ergibt zusammen jede Menge Essen, das in Vorarlberg täglich zubereitet werden muss. Einer der wichtigsten Köche in diesem Markt ist Aqua Mühle. Doch der Mietvertrag für die Küche im Messeareal Dornbirn läuft aus. Nun suchen Gemeinden und Land dringend einen Ersatz. Die Zeit drängt.

Pro Schuljahr kostet die Mittagsbetreuung in Vorarlberg rund 15 Millionen Euro. Die Gemeinden beziehen ihr Mittagessen auf unterschiedliche Weise. In Dornbirn bereitet das private Unternehmen „Mama bringt’s“ die Speisen zu. In Götzis wird in den gemeindeeigenen Häusern der Generationen gekocht. In Hohenems wiederum werden Kindergärten und Schulen von Aqua Mühle beliefert. Bis Sommer 2028 ist damit Schluss. Dann nämlich läuft der Mietvertrag aus.

Der Hohenemser Bürgermeister Dieter Egger lobt das Unternehmen: „Aqua Mühle versorgt unsere Kindergärten und Schulen in sehr guter Qualität. Aber jetzt brauchen wir rasch eine neue Lösung. Sonst haben wir echt ein Problem. Der Zeitdruck ist groß.“

Unter Zeitdruck: Engpass bei Essen in Kinderbetreuung droht
Dieter Egger: Der Zeitdruck ist groß.VN

Land und Gemeindeverband erstellen deshalb derzeit eine Wirtschaftlichkeitsanalyse. Der Businessplan soll zeigen, wie eine solche Küche wirtschaftlich betrieben werden kann. Danach werde ein Betreiber für die praktische Umsetzung gesucht, erläutert der zuständige Landesrat Christian Gantner. Das Ziel: eine Rüstküche mit angeschlossener Verarbeitungsküche. „Dazu gibt es derzeit eine Arbeitsgruppe. Bis Sommer soll der Businessplan vorliegen“, sagt Gantner.

Auch Götzis beteiligt sich. Dort wird das Essen zwar nicht von Aqua Mühle zubereitet, Bürgermeister Manfred Böhmwalder sieht dennoch dringenden Handlungsbedarf. „In den vergangenen Jahren hat sich die Menge sicher verdreifacht. Unsere Küchen sind nicht für diese Größenordnung ausgelegt. Wir sind an der Kapazitätsgrenze angelangt. Dieses Problem muss in absehbarer Zeit gelöst werden.“ Das gehe den meisten Gemeinden so. Deshalb ist auch der Gemeindeverband an der Suche nach einer Lösung beteiligt.

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Auch Manfred Böhmwalder sucht nach einer Lösung.Gemeinde

Böhmwalder hofft auf einen öffentlichkeitsnahen Anbieter – wie die Aqua Mühle. “Bei privaten Anbietern ist man immer davon abhängig. Wenn sie eines Tages sagen, sie machen nicht weiter, dann ist eben fertig. Ich bin dafür, dass man das Thema in der eigenen Hand behält.” Allerdings hält Landesrat Gantner im VN-Gespräch fest: “So wie das Land keinen Schlachthof betreiben wird, wird es auch keine Rüstküche betreiben. Aber natürlich sehen wir uns bei diesem Thema in der Verantwortung.”

Unter Zeitdruck: Engpass bei Essen in Kinderbetreuung droht
Christian Gantner hofft auf die Arbeitsgruppe.VN/Hartinger

Die Vorarlberger Grünen sehen die Pläne kritisch. Sie warnen wörtlich vor einem „Zentralisierungswahn“ hin zu einer „Industrieküche“ und „zentralen Massenversorgung“. Stattdessen brauche es drei bis vier „regionale Frischeküchen“, die eng mit den Landwirten zusammenarbeiten. Die ÖVP kann diese harten Worte nicht verstehen. Schließlich hätten die Grünen 2024 selbst im Landtag dafür gestimmt, dass eine regionale Rüstküche gebaut werden soll.

Wann das allerdings so weit sein wird, steht noch nicht fest. Derzeit fehlt auch ein möglicher Standort. Pläne, die Küchen in Hohenems zu errichten, wurden wieder verworfen. Bis Sommer 2028 wird die Zeit also knapp. Dieter Egger vermutet: „Vielleicht wird es eine Zwischenlösung geben.”