Werbung auf Bussen: Warum man in Liechtenstein verwundert nach Vorarlberg blickt

Während in Vorarlberg die Liechtensteiner Busse als Vorbild dienen, möchte man sich im Fürstentum eine Scheibe von Vorarlberg abschneiden.
Schwarzach, Vaduz Vorarlbergs Verkehrsverbund (VVV) ist auf der Suche nach neuen Einnahmequellen fündig geworden. Um die Ticketpreise möglichst stabil zu halten, sollen zusätzliche Geldquellen erschlossen werden. Wie die VN berichteten, plant der VVV deshalb den Einstieg in den Emissionshandel. Zudem sollen die Außenflächen der Busse als Werbeflächen genutzt werden. Als Vorbild dient unter anderem Liechtenstein. Ausgerechnet dort wird nun jedoch überlegt, die Werbung wieder zurückzufahren.
Der VVV prüft bereits die Möglichkeiten. Ob Heck, Front oder die gesamte Seitenfläche: Der Bus soll zur fahrenden Litfaßsäule werden. Landesstatthalter Christof Bitschi rechnet mit mehreren Hunderttausend Euro jährlich, die in die Kassen fließen und damit Land und Gemeinden entlasten sollen. “Auch in Liechtenstein sind die Busse mit Werbung ausgestattet. Diese Busse fahren auch durch Vorarlberg”, argumentiert der Landesstatthalter.
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LieMobil wirbt ebenfalls mit dieser Möglichkeit. In mehr als 40 Fahrzeugen sind täglich Tausende Menschen unterwegs, die durch drei Länder fahren. Die Vermarktung der Werbeflächen übernimmt das Vaduzer Medienhaus. Eine Vollbeklebung für drei Monate kostet bei einem Standardbus 17.500 Franken, Werbung am Heck für denselben Zeitraum 3300 Franken. Für Fahrten nach Feldkirch wird ein Zuschlag von zehn Prozent verrechnet. Laut Sigvard Wohlwend, Leiter der Marketingabteilung des Liechtensteiner Verkehrsverbunds LieMobil, macht diese Werbung lediglich zwei bis drei Prozent des Gesamtumsatzes aus. Künftig dürfte dieser Anteil jedoch sinken.
Denn im Fürstentum gilt Vorarlberg mittlerweile als Vorbild, berichtet Wohlwend. “Wir möchten die Werbung auf den Fahrzeugen wieder reduzieren und sehen Vorarlberg dabei als Beispiel.” Immer wieder wird in Liechtenstein über die Werbung diskutiert, auch im Landtag. Das ist einer von drei Gründen, weshalb künftig wieder mehr Busse ohne Reklame unterwegs sein sollen. Im Landtag wurde wiederholt kritisiert, dass die Fahrzeuge in unterschiedlichsten Farben und Designs unterwegs sind. Besonders die verstärkte Werbung der Casinobranche sorgte für Diskussionen und rückte auch Fragen des Jugendschutzes in den Fokus.
Auch bei den Fahrgästen stießen die unterschiedlichen Gestaltungen auf Kritik, schildert Wohlwend. “Manchmal kamen sie in Gelb, manchmal in Rot, manchmal in unserer Hauptfarbe Lime. Fahrgäste wussten nicht, ob jetzt unser Bus kommt oder ein Reisebus.” Damit sei auch der dritte Punkt berührt, sagt Wohlwend. “Ohne Werbung sind unsere Busse wieder einheitlich unterwegs, wodurch auch unser Corporate Design stärker zur Geltung kommt.”
In Vorarlberg sind diese drei Punkte mit dem einheitlichen Gelb der Landbusse sowie den jeweiligen Farben der Stadt- und Ortsbusse derzeit erfüllt. Das dürfte sich allerdings schon bald ändern.