Handy aus, Kopf frei: Vorarlberger Jugendliche testen Handy-Verzicht

Jugendliche am BG Blumenstraße machten beim Handyfasten mit. Sie berichten, was drei Wochen Handyfasten bei ihnen verändert haben.
Bregenz “Die Abende waren entspannter, mein Schlaf war besser”, berichtet Johanna B. aus der fünften Klasse am Bundesgymnasium Blumenstraße. Während in Wien über ein Social-Media-Verbot für unter 14-Jährige diskutiert wird, haben Schülerinnen und Schüler in Bregenz bereits ausprobiert, wie sich ein Leben mit deutlich weniger Smartphone anfühlt. Mehr als 100 Jugendliche beteiligten sich im März am “Handyfasten”. Die VN wollten von ihnen wissen, was davon bleibt.
Yara Neubacher und Amanda Raimund aus der sechsten Klasse erlaubten sich täglich nur 15 Minuten Handyzeit. “Im Nachhinein war die Light-Version schwieriger als erwartet”, sagt Yara. Weil das Handy nicht komplett verbannt war, sei die Versuchung groß geblieben, doch wieder länger zu scrollen. Amanda stellte fest, dass nicht jedes Problem am Smartphone liegt: “Ich habe bemerkt, dass ich auch ohne Handy meine To-dos aufschiebe.” Aber, so ergänzt sie: “Trotzdem hat es mich doch etwas aufmerksamer auf meinen Handykonsum gemacht.” Sarah E. aus der fünften Klasse berichtet: “Ich habe zwar nicht die ganze Zeit durchgehalten, fand die Tage ohne Handy aber gar nicht so schlimm, wie zuerst gedacht. Ich kann jetzt wieder im Dunkeln schlafen.”

Besserer Schlaf, mehr Freizeit
Lehrerin Gabriele Seeger berichtet von einer positiven Stimmung. Besonders während der Skiwoche sei deutlich geworden, wie schnell sich Jugendliche an weniger Smartphone-Nutzung gewöhnen können. “Da vergaßen sogar diejenigen, die nicht mitmachten, am Morgen ihr Handy zu holen.”

Auffällig war zudem, dass jüngere Schülerinnen und Schüler besser durchhielten als ältere. “Die Großen organisieren einfach schon sehr viel über das Handy. Da geht es nicht nur um Social Media oder Gaming, sondern auch um den Alltag”, sagt Seeger. Jüngere würden dagegen schneller wieder zu analogen Beschäftigungen zurückfinden.
Und: “Das Handyfasten hat diesbezüglich einen kleinen Retro-Trend ausgelöst”, erzählt die Lehrerin. Alte Digitalkameras wurden wieder häufiger verwendet.
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Besserer Schlaf
Die Erfahrungen aus Bregenz decken sich mit den Ergebnissen des länderübergreifenden Handyexperiments. Mehr als 45.000 Schülerinnen und Schüler aus Österreich, Deutschland, der Schweiz und Südtirol nahmen teil. Zwei Drittel hielten die gesamten 21 Tage durch – auch hier waren die Jüngeren erfolgreicher als die Älteren.
Die wissenschaftliche Auswertung zeigt deutliche Verbesserungen: Schlafstörungen gingen um mehr als 20 Prozent zurück, depressive Symptome nahmen ab. Besonders stark waren die positiven Effekte bei Jugendlichen, die komplett auf ihr Smartphone verzichteten.
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Negative Auswirkungen auf das Körperbild
Gleichzeitig warnen Experten vor übermäßigem Social-Media-Konsum. Eine Befragung der Initiative “Gesund aus der Krise” zeigt, dass 74 Prozent der Fachkräfte problematischen Social-Media-Konsum bei Kindern und Jugendlichen beobachten. 82 Prozent berichten, dass Betroffene Schwierigkeiten haben, die Nutzung zu beenden. Vor allem bei Mädchen sehen Psychologen negative Auswirkungen auf das Körperbild. Likes und Follower würden zunehmend entscheiden, wie Jugendliche sich selbst wahrnehmen.
Runder Tisch mit Jugendlichen in Wien
Auch deshalb arbeitet die Bundesregierung an einem Social-Media-Verbot für Unter-14-Jährige. Zu einem Runden Tisch lud Vizekanzler Andreas Babler (SPÖ) diese Woche rund 30 Kinder und Jugendliche ein. Das Gesetz könnte frühestens 2027 in Kraft treten.

Das Handyfasten zeigt, dass viele Jugendliche ihre Nutzung kritisch reflektieren. Auch bei Erwachsenen hat das Experiment Spuren hinterlassen. Gabriele Seeger löschte Instagram von ihrem Handy. “Seither habe ich die App nicht wieder installiert. Vermissen tue ich sie nicht wirklich, aber ich habe deutlich mehr Zeit.”