Zahl der Kandidaten mit Migrationshintergrund bei Landtagswahl stark gestiegen

Politik / 16.06.2026 • 15:46 Uhr
Zahl der Kandidaten mit Migrationshintergrund bei Landtagswahl stark gestiegen
Dogan ist begeisterter Musiker, Anwalt, Bludenzer – und einziger Landtagsabgeordneter mit Migrationshintergrund. VN/Steurer

Vor allem mehr Menschen mit türkischem Hintergrund haben bei der jüngsten Landtagswahl kandidiert.

Bregenz Cenk Dogans Herkunft beeinflusst sein politisches Wirken, schildert er im VN-Gespräch. “Ich bin durch und durch Bludenzer.” Als Bludenzer hat er es auf die ÖVP-Liste geschafft, als Bludenzer ist er in den Landtag eingezogen. Der 33-Jährige kann in der Familiengeschichte aber noch auf eine andere Herkunftsgeschichte blicken. Dogan ist der einzige Mandatar im Landtag mit Migrationshintergrund. Damit ist der Anteil von Migrantinnen und Migranten nach der Landtagswahl 2024 zwar unverändert geblieben – unter den Kandidatinnen und Kandidaten fanden sich allerdings weitaus mehr als noch 2019, zeigt eine Studie von okay.zusammenleben.

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Dogan engagiert sich seit 2015 politisch, 2024 wurde er erstmals in den Landtag gewählt. Er war auf der ÖVP-Liste einer von fünf Personen mit Migrationshintergrund – das sind 7,2 Prozent. “Die ÖVP hat, wie die anderen Parteien, gezielt Menschen mit Migrationshintergrund geworben. Das zeigt einen Normalisierungsprozess”, erklärt Eva Grabherr, Leiterin der Projektstelle okay.zusammenleben. Sie hat mit ihrem Team im Rahmen des Langzeitforschungsprojekts “und sie bewegt sich doch” untersucht, wie sich die Beteiligung von Migrantinnen und Migranten bei den Landtagswahlen verändert hat.

Zahl der Kandidaten mit Migrationshintergrund bei Landtagswahl stark gestiegen
Eva Grabherr und Caroline Manahl untersuchen die Beteiligung von Migrantinnen und Migranten in Vorarlberg. VN/Serra

Insgesamt stellten die Expertinnen bei elf Prozent aller Kandidierenden einen Migrationshintergrund fest. Bei der SPÖ ist der Anteil von neun auf 17 Prozent gestiegen, bei der FPÖ von vier auf sechs Prozent. Bei den Grünen ist er mit 10,5 Prozent gleich geblieben. Und bei den Neos ist er von fünf auf vier Prozent gesunken. Es ist normal geworden, Migrantinnen und Migranten auf der Liste zu haben, betont Grabherr: “Um die Nullerjahre gab es etwa in der ÖVP noch große Diskussionen über das Thema. Die Parteien haben einen Lernprozess durchgemacht. Sie haben sich geöffnet.”

Zahl der Kandidaten mit Migrationshintergrund bei Landtagswahl stark gestiegen
Eva Grabherr: “Die Parteien haben einen Lernprozess durchgemacht. Sie haben sich geöffnet.” VN/Serra

Während der Migrationsanteil unter den Kandidatinnen und Kandidaten also gestiegen ist, bleibt er im Landtag unverändert. Cenk Dogan folgte auf Vahide Aydin, die einst für die Grünen als erste Migrantin in den Landtag einzog. Sind die Listenplätze also nur Kosmetik, weiter oben bleiben die Plätze für Migrantinnen und Migranten aber unerreichbar? Nein, widerspricht Grabherr. Schließlich würden viele Interessengruppen um wenige wählbare Plätze kämpfen. Das sieht auch Cenk Dogan so. “Es ist grundsätzlich für alle schwierig, einen wählbaren Platz zu ergattern. Das ist kein spezifisches Problem von Menschen mit Migrationshintergrund. Alle haben verschiedene Hintergründe und stammen aus verschiedenen Regionen.”

Zahl der Kandidaten mit Migrationshintergrund bei Landtagswahl stark gestiegen
Caroline Manahl: “Vor allem der Anteil der türkischstämmigen Kandidatinnen und Kandidaten hat sich erhöht.” VN/Serra

Im Jahr 2019 stellte die Projektstelle noch bei sechs Prozent aller Kandidierenden einen Migrationshintergrund fest. “Vor allem der Anteil der türkischstämmigen Kandidatinnen und Kandidaten hat sich erhöht”, berichtet Studienautorin Caroline Manahl. “2024 waren es viermal so viele wie 2019.” Das hänge auch mit der Liste Xi-HaK-Gilt zusammen, wo sieben Personen mit Bezug zur Türkei kandidierten. Aber die Steigerung habe eben auch mit den anderen Parteien zu tun. Wie der ÖVP – wie bei Cenk Dogan.

Zahl der Kandidaten mit Migrationshintergrund bei Landtagswahl stark gestiegen
Dogan (rechts) widmet seinen politischen Fokus unter anderem auf Vereine und das Ehrenamt.

Allerdings: Sein türkischer Migrationshintergrund spielt für ihn in der politischen Arbeit gar keine Rolle. “Ich versuche, Politik für alle Menschen in Vorarlberg zu machen.” Während früher Migrantinnen und Migranten vor allem bei Integrationsthemen Schwerpunkte setzten, liegen Dogans Schwerpunkte in den Bereichen Kultur, Jugend und Ehrenamt. “Meine Herkunft und mein Name haben weder einen negativen noch einen positiven Einfluss auf meine politische Karriere gehabt”, betont er. Wie auch auf ihn selbst.

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Die Studienautorinnen im Gespräch mit den VN. VN/Serra

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