Werbung auf Bussen: “Als wir das gelesen haben, hat es uns gerissen”

Die Entwickler des aktuellen Vorarlberger Land- und Stadtbussystems warnen eindringlich vor Außenwerbung auf den Bussen.
Dornbirn Vorarlbergs Busse sind einfach auseinanderzuhalten. Dornbirns Stadtbusse sind rot, Landbusse sind gelb (Feldkirch auch), Bregenz fährt in Blau … jedem Bus seine Farbe. Dieses Erscheinungsbild könnte sich allerdings bald ändern. Der Vorarlberger Verkehrsverbund (VVV) prüft derzeit, ob die Bus-Außenfläche als Werbefläche vermietet wird. Jene, die Vorarlbergs Bussystem entwickelt haben, warnen: Werbung auf Bussen sei finanziell nutzlos, kompliziert, schlecht für das Image und die Umwelt.
Franz Schwerzler war Feldkircher Stadtrat und Verkehrsplaner im Land. Er erzählt: Damals habe man stark darauf geachtet, wie die Busse aussehen. “Das Aussehen steht für Qualität. Und das fördert die Akzeptanz”, ist er überzeugt. Bevor die Busse einheitlich aussahen, fuhren Reisebusse, Postbusse, ÖBB-Busse und Co. durch Vorarlberg. Allesamt keine schönen Fahrzeuge, ist Grafikdesigner Reinhold Luger überzeugt. “Wir wollten die Busse vereinheitlichen und haben dabei auf alles geachtet. Nur um die perfekten Sitzbezüge zu finden, sind wir Teppichfabriken abgefahren.” Nicht zuletzt deshalb erhielt er für die Busse einen Design-Award.

Man habe viel Herzblut und Energie in die Busse gesteckt, berichtet Markus Aberer, ehemaliger Dornbirner Stadtplaner. Er erzählt von zähen Verhandlungsrunden in Wien mit den Betreibern von Bundesbussen, die nicht einsehen wollten, weshalb das Design so werden sollte. Ein Streitthema sei auch das Aussehen der Bushaltestellen gewesen – aus der Kelle wurde die Stele. Am Ende habe man sich durchgesetzt. “Als wir dann gelesen haben, dass Werbung auf die Busse soll, hat es uns gerissen.”
Verkehrsplaner Karl-Heinz Winkler warnt: “Darunter leidet das Image.” Das Quartett fragt sich: “Ist es der Gedanke der Angst und des Mangels, der uns glauben lässt, wir müssten die Seele unserer Infrastruktur verkaufen, um das System zu finanzieren?” Viel Geld lasse sich damit sowieso nicht einnehmen. Im Gegenteil: Folien entwerfen, drucken, bekleben und entsorgen, das kostet Geld. “Am Ende zahlt die Allgemeinheit drauf”, ist Schwerzler überzeugt. Und das in einer Zeit, in der die Werbeausgaben der Unternehmen sowieso zurückgehen, ergänzt Luger. “Die Rechnung geht nicht auf.” Zudem stehe der öffentliche Nahverkehr für Nachhaltigkeit. Schwerzler ärgert sich: “Dieser Gedanke passt mit dem kurzfristigen Produzieren von Wegwerfmaterialien vorne und hinten nicht zusammen.”
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In Zeiten ständig steigender Kosten sei es natürlich legitim, zu sparen, sagt Winkler. “Aber das funktioniert besser, indem zum Beispiel schlecht frequentierte Buslinien gestrichen werden.” Franz Schwerzler nickt. “Leere Busse sind schlecht für das Image des öffentlichen Verkehrs und zudem ökologisch auch nicht sehr sinnvoll.” Landesstatthalter Bitschi kündigte bekanntlich an, das Verkehrsnetz nach Auslastung zu analysieren.
Markus Aberer fasst zusammen: “Die Werbung ist schlecht für die Qualität, für das Image und damit für die Akzeptanz. Sie verkompliziert das Bussystem und ist alles andere als nachhaltig. Außerdem bringt die Außenwerbung finanziell nichts. Und das Erscheinungsbild ist mittlerweile Teil der öffentlichen Identität des Landes geworden.” Sein Appell: Die Verantwortungsträger sollen ihre Entscheidung noch einmal überdenken.
So wie in Liechtenstein, das als Vorbild für die Buswerbung gilt. Wie die VN berichteten, möchte man dort die Werbung auf Bussen reduzieren. Die Einnahmen sind gering, das Image schlecht, die Diskussion darüber emotional, und außerdem sieht jeder Bus anders aus. Als Vorbild gilt: Vorarlberg.