Facharztzentren als Prüfstein der Reform

Politik / 03.07.2026 • 15:05 Uhr
Derzeit gibt es in Österreich 39 Primärversorgungseinrichtungen.  APA
Derzeit gibt es in Vorarlberg drei Primärversorgungseinrichtungen. Laut Reformplänen soll es 2040 in ganz Österreich 600 geben. APA/Fohringer

Hunderte Arztzentren sollen bis 2040 entstehen. Vorarlbergs Ärzteschaft sieht darin keine Garantie für kürzere Wartezeiten.

Schwarzach 600 Primärversorgungseinheiten und 75 neue Facharztzentren sollen das österreichische Gesundheitssystem grundlegend verändern. Für Vorarlbergs Ärztekammerpräsidenten Burkhard Walla greift dieser Ansatz zu kurz. “Solange es nicht mehr Ärztinnen und Ärzte im niedergelassenen Bereich gibt, werden überlastete Spitalsambulanzen und lange Wartezeiten zum Alltag gehören”, sagt er. Neue Zentren allein schafften keine zusätzlichen Behandlungskapazitäten.

Mit der Gesundheitsreform will die Bundesregierung die Versorgung stärker in den niedergelassenen Bereich verlagern, Wartezeiten verkürzen und die Spitalsambulanzen entlasten. In Vorarlberg gibt es derzeit drei Primärversorgungseinheiten (PVE). Neu ist der Plan, österreichweit 75 Facharztzentren zu schaffen, die erstmals über einen gemeinsamen Finanzierungstopf von Bund, Ländern und Sozialversicherung finanziert werden sollen.

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Gemeinsamer Topf

Gerade diesen gemeinsamen Finanzierungstopf bewertet Walla positiv. Er könne dazu beitragen, das gegenseitige Zuschieben von Zuständigkeiten zwischen Krankenhäusern und niedergelassenem Bereich zu beenden. Auch Landeshauptmann Markus Wallner bewertet die gemeinsame Finanzierung der Facharztzentren gegenüber den VN als einen Strukturbruch: “Damit hätten wir auch ein Musterbeispiel dafür, wie Planung und Finanzierung aus einem Topf gelingen kann.”

Burkhard Walla
Burkhard Walla ist Präsident der Ärztekammer Vorarlberg. Ärztekammer Vorarlberg

Skeptisch ist Burkhard Walla gegenüber der Annahme, größere Versorgungsstrukturen würden automatisch mehr medizinische Leistungen ermöglichen. “Die Wirksamkeit der Ärzte in den PVEs ist ziemlich äquivalent zu jener in den Einzelordinationen. Die Behandlungsmenge nimmt durch die Zentralisierung nicht zu.” Entscheidend seien nicht die Modelle, sondern zusätzliche Kassenstellen und mehr Ärztinnen und Ärzte im System. Im Rahmen der Reform soll der Einstieg junger Ärztinnen und Ärzte ins Kassensystem erleichtert werden, hieß es am Freitag von der Bundesregierung. Das soll über Anreiz- und Bonussysteme gelingen.

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Entlastung der Spitäler als Ziel

Ein zentrales Ziel der Reform bleibt die Entlastung der Spitalsambulanzen. Diese werden häufig auch bei Beschwerden aufgesucht, die im niedergelassenen Bereich behandelt werden könnten. Deshalb sollen neben den neuen Zentren auch die Gesundheitshotline 1450 und telemedizinische Angebote ausgebaut werden. In Vorarlberg werden jährlich rund 54.000 Anrufe bei 1450 registriert, gleichzeitig gibt es rund 459.000 Ambulanzkontakte.

Offen bleibt, welche Auswirkungen die Reform auf kleinere Krankenhausstandorte haben könnte. Eine Versorgungsanalyse empfiehlt, Häuser mit eingeschränktem Leistungsangebot oder weniger als 180 Betten künftig in Facharztzentren oder Primärversorgungseinheiten weiterzuentwickeln. Welche Folgen das etwa für Hohenems oder Bludenz hätte, bleibt unklar. Walla hält Facharztzentren in Vorarlberg vor allem in Ballungsräumen für sinnvoll. Gleichzeitig brauche es weiterhin Einzelordinationen in Tälern und ländlichen Regionen. “Wir brauchen beides: zentralisierte Medizin für städtische Räume und die dezentrale Versorgung im ländlichen Raum.”

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Der Druck im System bleibt hoch. Österreich zählt zu den teuersten Gesundheitssystemen Europas, dennoch bestehen oft lange Wartezeiten auf Facharzttermine. 2027 steigen die öffentlichen Gesundheitsausgaben auf 3,36 Milliarden Euro und 2028 auf 3,43 Milliarden Euro. Die größten Blöcke bleiben der Finanzausgleich Gesundheit sowie der Krankenanstalten-Zweckzuschuss mit jeweils rund einer Milliarde Euro, dazu der Gesundheitsreformfonds mit über 500 Millionen Euro jährlich. Ab 2031 sollen die Gesamtausgaben wieder sinken, sobald dieser Fonds ausläuft.

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