Die Suchtbehandlung wird ambulant

Maria Ebene setzt auf neues Medizin- und Therapiekonzept.
Frastanz Im Dezember 2025 übernahm Simone Bratl das bis dahin schwer gebeutelte Suchtkrankenhaus Maria Ebene. „Es war ein intensiver Einstieg“, gesteht die Primaria im VN-Gespräch. Mittlerweile habe sie sich aber eingelebt: „Ich bekomme auch sehr viel Unterstützung und Zuspruch von den Mitarbeitenden.“ Im Personalbereich sieht sie die Einrichtung gut aufgestellt. Lediglich die Stelle eines Facharztes für Psychiatrie ist noch offen. Was sie besonders freut: „Das Team hält untereinander zusammen.“ Außerdem hat es die Allgemeinmedizinerin und Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin innert kürzester Zeit geschafft, mit den Leitungsteams ein neues Medizin- und Therapiekonzept auszuarbeiten. Herzstücke sind unter anderem eine Tagesklinik sowie eine insgesamt verstärkte Nachsorge. Das Konzept zu etablieren, bezeichnet sie als eine der großen Herausforderungen der nächsten Monate.
“Veränderung braucht Mut”
Nicht verstummen wollen die kritischen Zurufe von außen. „Sie beschäftigen unser Personal, und ich nehme an, auch einige unserer Patienten“, sagt Simone Bratl. Selbst bleibt sie bei diesem Thema gelassen: „Alles, was auf sachlicher Ebene geführt wird, ist für mich in Ordnung.“ Man könne aus allem lernen, und, merkt sie lächelnd an: „Die Lautstärke allein macht es nicht.“ Bratl ist ebenso geneigt, „größer zu denken“. Sie kann dem Vorschlag des langjährigen Primars, Reinhard Haller, aus der Maria Ebene ein Suchtzentrum für Westösterreich zu machen (die VN berichteten) durchaus etwas abgewinnen. „Wir haben wenig spezialisierte Suchteinrichtungen in Österreich, deshalb kann ich mir vorstellen, in diese Richtung zu denken.“ Der Sparkurs im Gesundheitswesen sollte ihrer Ansicht nach nicht davon abhalten: „Medizin braucht Veränderung und Veränderung braucht Mut.“

Notwendige Neuausrichtung
Ein neues Medizin- und Therapiekonzept unterstreicht ihre Worte. Mehrfachabhängigkeiten und der gleichzeitige Konsum unterschiedlicher Substanzen haben die Neuausrichtung notwendig gemacht. Künftig wird vermehrt auf eine ambulante Versorgung gesetzt. Stationäre kostenintensivere Therapieaufenthalte sollen kürzer, Betreuungen in der Nachsorge engmaschiger und länger werden. „Betroffene können so leichter in den Alltag zurückfinden, die Chancen auf eine Re-Integration steigen“, beschreibt Bratl einen zentralen Aspekt des Konzepts, das auf klar definierte Arbeitsabläufen und Behandlungspfaden fußt. Für die Umsetzung braucht es allerdings den Ausbau ambulanter und tagesklinischer Strukturen. Ambulanzstandorte wird es in Bregenz und Bludenz geben. „Für die Tagesklinik wird noch ein Platz gesucht“, sagte Kuratoriumspräsident Manfred Brunner. Die Vorstandsvorsitzende des Kuratoriums, Greti Schmid, kündigte eine Gesamtlösung für Maria Ebene bis Jahresende an. Die Entwicklung erfolge in Abstimmung mit dem Land. Auch das Medizin- und Therapiekonzept ist in die Psychiatrie- und Suchtstrategie 2025-2030 des Landes eingebettet.
Wartezeiten abgebaut
Erfreuliches hat sich dank der Neuausrichtung bei den Wartezeiten getan. Betrugen sie für eine Langzeittherapie 2025 noch über ein Jahr, liegen sie jetzt bei zwei Monaten. Die Auslastung beträgt rund 90 Prozent. „Das entspricht einer Vollauslastung“, ergänzte Brunner. 2025 wurden 469 suchterkrankte Personen aufgenommen. Die ambulanten Beratungsstellen des Clean betreuten 1630 Klienten, im Bereich der SUPRO nahmen 9641 Personen ein Beratungsangebot bzw. eine Maßnahme in Anspruch.