“Mit der Geschwindigkeit bin ich nicht zufrieden!” Tirols LH fordert eine raschere Sanierung der Silvretta-Hochalpenstraße

Politik / 23.07.2026 • 11:05 Uhr
"Mit der Geschwindigkeit bin ich nicht zufrieden!" Tirols LH fordert eine raschere Sanierung der Silvretta-Hochalpenstraße
Mattle sieht die illwerke vkw gefordert.VN/Rhomberg

Anton Mattle sprach mit den VN über die Straße, den Transit und die Studentenstadt Innsbruck.

Interview: Isabel Russ & Michael Prock

Schwarzach Seit bald vier Jahren ist Anton Mattle Landeshauptmann Tirols und damit Teil der sogenannten Westachse in der österreichischen Politik. Besonders zu Vorarlberg habe Tirol eine besondere Beziehung, sagt er bei seinem VN-Besuch anlässlich der Festspieleröffnung. „Wir sind ein sehr ähnlicher Menschenschlag, der durch Innovation, Mut und Fleiß geprägt ist“, schwärmt er. Er findet aber auch kritische Worte, was die lange Schließung der Silvretta-Hochalpenstraße betrifft.

"Mit der Geschwindigkeit bin ich nicht zufrieden!" Tirols LH fordert eine raschere Sanierung der Silvretta-Hochalpenstraße
Mattle: “Markus Wallner und ich intervenieren in diesem Zusammenhang, weil es für das Montafon und das Paznauntal wesentlich ist, dass es schneller geht.” VN/Beate Rhomberg

Diese ist nach Murenabgängen wohl bis 2030 gesperrt. Das hat große Auswirkungen auf das Tiroler Paznauntal, berichtet Mattle. „Die Silvretta ist nach dem Großglockner das zweitbeliebteste Ausflugsziel in den Alpen. Das bringt dem Paznauntal viele Gäste, von denen die Restaurants und Hotels gelebt haben. Die leiden jetzt stark.“ Er sei zwar froh, dass es ein Bekenntnis des Straßeneigentümers illwerke vkw gebe, die Straße zu sanieren. „Aber mit der Geschwindigkeit bin ich nicht zufrieden. Markus Wallner und ich intervenieren in diesem Zusammenhang, weil es für das Montafon und das Paznauntal wesentlich ist, dass es schneller geht.“ Im Herbst soll es noch einmal eine Bewertung des Zeitplans geben. „Wir werden weiterhin Druck machen.“

"Mit der Geschwindigkeit bin ich nicht zufrieden!" Tirols LH fordert eine raschere Sanierung der Silvretta-Hochalpenstraße
Mattle plant mit einem Nulldefizit.VN/Rhomberg

Finanziell steht das Land besser da als seine Nachbarn. Im Gegensatz zu Vorarlberg budgetiert Tirol heuer und im kommenden Jahr mit einem Nulldefizit. „Das ist von langer Hand vorbereitet“, sagt Mattle. Ein selbst auferlegter Finanzrahmen habe sehr geholfen. Sorgen bereitet dem Tiroler Landeshauptmann hingegen der Transit. Der Generalanwalt des Europäischen Gerichtshofs hat kürzlich das strenge Nachtfahrverbot für Lkw, das sektorale Fahrverbot und das winterliche Samstagfahrverbot auf der Brennerroute kritisiert. Es könnte also vom EuGH aufgehoben werden. Eine schlechte Nachricht für die transitgeplagten Tirolerinnen und Tiroler. „Der alpenquerende Transit durch die Schweiz hat in zehn Jahren um 150.000 Lkw abgenommen, jener durch Tirol um 700.000 zugenommen. Mehr als die Hälfte des alpenquerenden Transits fährt mittlerweile über den Brenner.“ Rund 29 Prozent der Bevölkerung lebten an der Autobahn. „Nun lautet die Frage: Hat der Transit einen höheren Wert oder die Gesundheit und der Naturschutz?“ Das Problem sei, dass die Kosten für eine Fahrt durch Tirol wesentlich geringer seien als durch die Schweiz, vor allem wegen der Mautpreise in Deutschland und Italien. „Da ist absolut keine Waffengleichheit gegeben. Der Brenner ist und bleibt der billige Jakob. Wollen wir das ändern, müssen die Nachbarn im Süden und Norden nachziehen.“

"Mit der Geschwindigkeit bin ich nicht zufrieden!" Tirols LH fordert eine raschere Sanierung der Silvretta-Hochalpenstraße
Mattle: “Nun lautet die Frage: Hat der Transit einen höheren Wert oder die Gesundheit und der Naturschutz?”VN/Rhomberg

Was Tirol und Vorarlberg eint, ist der begrenzte Wohnraum und damit die hohen Wohnkosten. In Tirol kommt die Sondersituation in Innsbruck hinzu: 35.000 Studentinnen und Studenten bei 130.000 Einwohnern. Tirol greift deshalb stärker ein als Vorarlberg, etwa indem alle Möglichkeiten der Leerstandsabgabe ausgeschöpft werden, mit einer Regel zu sogenannten Vorbehaltsgemeinden und bald mit schärferen Regeln zur Baulandmobilisierung. Airbnb wurde in Innsbruck ebenfalls an die Leine genommen.

"Mit der Geschwindigkeit bin ich nicht zufrieden!" Tirols LH fordert eine raschere Sanierung der Silvretta-Hochalpenstraße
Mattle: “Es sind auch viele Menschen aus Südtirol da. Diese West-Community hat Charme.”VN/Rhomberg

Dass so viele Vorarlbergerinnen und Vorarlberger in Innsbruck studieren, mache die Stadt sympathisch, freut sich der Tiroler Landeshauptmann. „Es sind auch viele Menschen aus Südtirol da. Diese West-Community hat Charme.“ Es gebe aber immer mehr Studenten aus dem Ausland. „Wir fordern deshalb, die Quotenregelungen auszuweiten. Wir brauchen eine medizinische Grundversorgung. Uns fehlen Zahnärzte. Wenn ich mir die aktuellen Zahlen anschaue, brauchen wir wohl auch Quoten im Architekturstudium.“ Tirol gingen die Architekten aus.

"Mit der Geschwindigkeit bin ich nicht zufrieden!" Tirols LH fordert eine raschere Sanierung der Silvretta-Hochalpenstraße
Mattle: “Wir fordern deshalb, die Quotenregelungen auszuweiten. Wir brauchen eine medizinische Grundversorgung. Uns fehlen Zahnärzte.”VN/Rhomberg