Rede-Ranking: Wer im Wiener Parlament am lautesten mitmischt

Politik / 27.07.2026 • 15:22 Uhr
Rede-Ranking: Wer im Wiener Parlament am lautesten mitmischt
Wer tritt wie oft und wie lange an das Rednerpult im Nationalrat? Daraus lässt sich einiges ablesen. APA/Steinmaurer

Eine Feldkircherin führt das Ranking der Vorarlberger Nationalratsabgeordneten klar an.

Wien 35 Reden und danach klafft erst einmal eine Lücke. Welche Vorarlberger Abgeordneten prägten das Parlamentsjahr besonders? Eine Auswertung der Plenarsitzungen vom 1. September 2025 bis 10. Juli diesen Jahres zeigt deutliche Unterschiede bei der Präsenz am Rednerpult.

Mit 35 Reden und 148,04 Minuten Redezeit ist die Grünen-Abgeordnete Nina Tomaselli die mit Abstand aktivste Parlamentarierin mit Vorarlberg-Bezug. Österreichweit bedeutet das Rang acht. Sie ist Obmann-Stellvertreterin im Budgetausschuss, Schriftführerin im Ausschuss für Bauten und Wohnen, Mitglied im Finanz- und Rechnungshofausschuss sowie Fraktionsführerin der Grünen im Pilnacek-Untersuchungsausschuss.

Hinter Tomaselli folgt Johannes Gasser (Neos) mit 22 Redebeiträgen und 79,96 Minuten Redezeit. Seine Arbeitsschwerpunkte liegen auf Arbeit und Soziales. Die ÖVP-Abgeordnete Heike Eder, sie ist Sprecherin für Inklusion, hält bei 13 Reden und 40,72 Minuten. Antonio Della Rossa (SPÖ) liegt bei 12 Wortmeldungen und 42,98 Minuten. Er ist Mitglied im Ausschuss für Wissenschaft, Forschung und Digitalisierung, im Kulturausschuss und Umweltausschuss. Norbert Sieber, ÖVP-Bereichssprecher für Wohnen und Bauen, kommt ebenfalls auf 12 Reden, sprach mit 46,97 Minuten allerdings etwas länger.

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Von den beiden Freiheitlichen liegt Thomas Spalt mit zehn Redebeiträgen und 50,96 Minuten vor Manuel Litzke, der bislang sechs Reden mit einer Gesamtdauer von 20,96 Minuten hielt.

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Die gebürtige Vorarlbergerin Barbara Neßler sitzt für Tirol im Nationalrat und absolvierte bislang 21 Redebeiträge mit einer gesamten Redezeit von 81,8 Minuten.

Fleiß und Sichtbarkeit

Doch wer oft spricht, arbeitet nicht automatisch mehr. “Das Plenum hat mehr eine Tribünen- als eine Arbeitsfunktion. Die eigentliche Arbeit passiert in den Ausschüssen”, sagt Kathrin Stainer-Hämmerle, Politikwissenschaftlerin und designierte Rektorin der Fachhochschule Kärnten. Wer die Fleißigsten im Parlament ermitteln wolle, müsse daher auch Ausschussarbeit, Gesetzesinitiativen oder Verhandlungen hinter den Kulissen berücksichtigen.

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Wer im Plenum ans Mikrofon tritt, ist zudem kein Zufall. Rhetorisch starke Persönlichkeiten oder Fachpolitiker für bestimmte Themen genießen oft den Vortritt. Innerhalb der Fraktionen gebe es außerdem unterschiedliche Rollen. Manche Abgeordnete eröffnen Debatten, andere fassen sie am Ende pointiert zusammen. “Der sogenannte Ausputzer soll noch einmal Stimmung machen und einen Satz liefern, der es vielleicht ins Fernsehen schafft”, erklärt Stainer-Hämmerle.

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Redezeit und Macht

Dass die Klubführung erheblichen Einfluss auf die Sichtbarkeit ihrer Abgeordneten hat, zeigt auch der Fall des ehemaligen Neos-Abgeordneten Veit Dengler, der öffentlich beklagte, kaum Redezeit erhalten zu haben. Umgekehrt sei Tomasellis Spitzenplatz auch Ausdruck ihres politischen Gewichts bei den Grünen, sagt Stainer-Hämmerle.

Eine weitere Aufgabe geht in dem Ranking mit der Stoppuhr unter: Präsenz im eigenen Wahlkreis. “Der Politiker zum Anfassen spielt nach wie vor eine wichtige Rolle für das Vertrauen”, sagt Stainer-Hämmerle. Dadurch schaffen auch einige Abgeordnete die Wiederwahl, die nicht durch lange und prägnante Reden im Parlament auffallen.

Insgesamt wurde der Ton im Parlament auch in diesem Parlamentsjahr wieder rauer. “Man merkt die Polarisierung”, sagt Stainer-Hämmerle. “Das Niveau ist in dem Sinne gesunken, wie stark man noch über das vorgegebene Thema redet oder nur darauf fokussiert ist, den politischen Mitbewerber zu desavouieren.”