Elf statt neun Monate Zivildienst: Chance oder Mehraufwand?

Politik / 30.07.2026 • 13:03 Uhr
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Paul Asam und Jonas Küng (von links nach rechts) sind aktuell Zivildiener beim Roten Kreuz und wollen sich wohl auch in Zukunft freiwillig engagieren. Rotes Kreuz

Mit der Wehrdienstreform soll auch der Zivildienst länger dauern. Das Rote Kreuz Vorarlberg hofft auf eine praktikable Umsetzung.

Schwarzach “Ich habe mich für den Zivildienst beim Roten Kreuz entschieden, weil ich die Tätigkeit dort als sinnvoller ansah als jene beim Bundesheer”, sagt Paul Asam aus Raggal. Der 21-Jährige leistet derzeit seinen Dienst beim Roten Kreuz Vorarlberg. Nach den Plänen der Bundesregierung soll sich künftig aber auch wieder genügend Nachwuchs für den Wehrdienst entscheiden. Deshalb will sie mit der Verlängerung der Wehrpflicht auch den Zivildienst ausweiten. Zunächst kann dieser freiwillig von neun auf elf Monate verlängert werden.

Die zuständige Ministerin Claudia Bauer (ÖVP) geht davon aus, dass diese Verlängerung schon in einem Jahr verpflichtend wird. Vorerst ist sie jedoch an eine Quote gebunden: Fällt die jährliche Zahl der Grundwehrdiener unter 13.875, wird der Zivildienst ab dem Folgejahr dauerhaft auf elf Monate verlängert.

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Daniel Peter, zuständig für den Zivildienst beim Roten Kreuz Vorarlberg, betont: “Als Partner des Österreichischen Bundesheers ist es nicht unser Ziel, Wehr- und Zivildienst gegeneinander auszuspielen. Entscheidend für uns ist, dass ausreichend junge Menschen bereit sind, einen Dienst für die Gesellschaft zu leisten – sei es beim Bundesheer oder im Zivildienst.” Das Rote Kreuz kämpfe aber seit etlichen Jahren mit geburtenschwachen Jahrgängen und steigenden Transportzahlen. Auch Ministerin Bauer verwies diese Woche auf den demografischen Wandel: Ohne Verlängerung würden ab 2040 wegen sinkender Geburtenraten jährlich 4000 Zivildiener fehlen.

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Daniel Peter ist beim Roten Kreuz Vorarlberg tätig. “Wir kämpfen seit etlichen Jahren mit geburtenschwachen Jahrgängen.” Rotes Kreuz Vorarlberg

Noch viele Fragezeichen

Ob die geplante Wehrdienstreform das Rote Kreuz Vorarlberg tatsächlich entlastet, hängt von der endgültigen Gesetzesfassung ab. “Derzeit ist noch vieles offen”, sagt Daniel Peter. Eine Verlängerung auf elf Monate würde längere Einsätze ermöglichen und den Ausbildungsaufwand senken. “Werden die zusätzlichen zwei Monate jedoch flexibel über mehrere Monate oder Jahre verteilt geleistet, steigt der Verwaltungsaufwand deutlich.”

Derzeit sind beim Roten Kreuz Vorarlberg 230 der 250 möglichen Zivildienstplätze besetzt. “Nicht zuletzt, weil wir eine attraktive Organisation für Zivildiener sind.” Das bestätigt auch Jonas Küng. Der 19-Jährige aus Raggal entschied sich auch deshalb für den Zivildienst, weil er wusste, dass er dabei viel fürs Leben lernen kann. “Ich habe bis heute viel gesehen und erlebt, was mich bewegt hat, und vieles gelernt, was ich mitnehmen kann.”

Vorarlberg holt auf

Offenbar sehen das viele junge Männer ähnlich. Vorarlberg hat bei der Versorgung mit Zivildienern im ersten Halbjahr deutlich aufgeholt. Mit einer Bedarfsdeckung von 86,8 Prozent liegt das Land zwar knapp unter dem Bundesschnitt von 87,4 Prozent, verzeichnet gegenüber dem Vorjahr aber den stärksten Anstieg aller Bundesländer: plus 7,6 Prozentpunkte. Mit Stichtag 1. Juli leisten 509 Zivildiener ihren Dienst in Vorarlberg, im ersten Halbjahr wurden 335 Männer zugewiesen. Die meisten Zivildiener sind im Rettungswesen und in der Sozial- und Behindertenhilfe im Einsatz.

Zivildiener: Aktuelle Zahlen in Österreich
Österreichweit waren mit 1. Juli 7935 junge Männer im Zivildienst. Im ersten Halbjahr wurden 5244 Zivildiener Einrichtungen zugewiesen und damit nahezu gleich viele wie im Vorjahreszeitraum. Der Bedarf blieb mit elf zusätzlichen gemeldeten Plätzen ebenfalls nahezu unverändert. Die aktuelle Bedarfsdeckung liegt bundesweit bei 87,4 Prozent. Für das Gesamtjahr wird mit rund 89,7 Prozent gerechnet und damit ungefähr mit dem Niveau des Vorjahres. Gleichzeitig steigt die Zahl der Zivildiensterklärungen weiter: Mit 8918 Erklärungen wurden um 663 beziehungsweise acht Prozent mehr registriert als im Vergleichszeitraum des Vorjahres.

“Wir gehen nicht davon aus, dass wir bei einer möglichen Erhöhung auf elf Monate in Personalnöte kommen”, sagt Peter. Er erinnert daran, dass der Zivildienst früher zwölf Monate dauerte. “Auch damals waren wir gut versorgt.”

Für Verstärkung scheint zudem gesorgt zu sein: Jonas Küng kehrt zwar als Tischler in seinen Beruf zurück, will sich aber freiwillig beim Roten Kreuz engagieren. Auch Paul Asam zieht eine positive Bilanz und will sich neben seinem Beruf als Schlosser weiter einsetzen: “Ich nehme vor allem die dankbaren Momente mit, die ich durch ein wenig Hilfe und Umsichtigkeit erfahren habe.”

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