Neue E-Parkplatzpflicht, neue Millionenlast für Betriebe

Die EU will den Ausbau der Ladeinfrastruktur beschleunigen. Für Unternehmen werden erhebliche Investitionen notwendig.
Dornbirn 260 Ladepunkte für den Messepark? Die neuen EU-Vorgaben zur Ladeinfrastruktur könnten bei großen Gebäuden künftig eine beachtliche Dimension erreichen. Das größte Einkaufszentrum Vorarlbergs verfügt über rund 1300 Stellplätze. Würde bei einer größeren, unter die neuen Regelungen fallenden Sanierung die Vorgabe von einem Ladepunkt je fünf Parkplätze greifen, wären rechnerisch 260 Ladepunkte notwendig. Zusätzlich müssten mindestens die Hälfte der Stellplätze vorverkabelt und weitere technische Voraussetzungen für eine spätere Erweiterung geschaffen werden.
Grundlage dafür ist Artikel 14 der neuen EU-Gebäudeenergieeffizienzrichtlinie. Dieser sieht vor, dass bei größeren Renovierungen von Nichtwohngebäuden Ladepunkte für Elektrofahrzeuge geschaffen werden müssen, sofern die Arbeiten auch den Parkplatz oder die elektrische Infrastruktur betreffen. Beim Messepark fällt diese Diskussion in eine ohnehin geplante Großbaustelle: Das Einkaufszentrum wird bis 2029 erweitert, das Projekt umfasst Investitionen von rund 200 Millionen Euro.
Wissensbox: Artikel 14 der EU-Gebäudeenergieeffizienzrichtlinie
– Gilt bei größeren Renovierungen von Nichtwohngebäuden, wenn auch Parkplatz oder elektrische Infrastruktur betroffen sind.
– Vorgeschrieben ist mindestens ein Ladepunkt je fünf Stellplätze.
– Für mindestens 50 Prozent der Stellplätze muss eine Vorverkabelung vorgesehen werden.
– Für die übrigen Stellplätze ist die technische Infrastruktur (z. B. Leerrohre) für eine – spätere Nachrüstung bereitzustellen.
– Die Richtlinie wird von den EU-Mitgliedstaaten in nationales Recht umgesetzt. Dabei bestehen teilweise Spielräume bei der Ausgestaltung.
Nachfrage steigt laut Experten

Für Geschäftsführer Anton Gustav Birnbaum von der JDL GmbH ist die Ladeinfrastruktur daher vor allem eine Frage der langfristigen Planung: “Neben den gesetzlichen Vorgaben orientieren wir uns vor allem am größtmöglichen Kundennutzen.” Derzeit stehen den Kundinnen und Kunden am Messepark vier Ladepunkte zur Verfügung, davon zwei Schnelllader. Die Anlagen würden sehr gut genutzt. Birnbaum verweist darauf, dass gerade die Aufenthaltsdauer in einem Einkaufszentrum einen Vorteil bietet: “Die durchschnittliche Verweildauer in einem Einkaufszentrum beträgt zwischen einer und drei Stunden.” Diese Zeit könne genutzt werden, um das Fahrzeug während des Einkaufs zu laden.
Nach Einschätzung vieler Experten könnten mittelfristig rund zehn Prozent der Stellplätze mit Ladepunkten ausgestattet sein. Bis 2030 könnte dieser Anteil – abhängig von der Entwicklung der Elektromobilität – auf etwa 20 bis 25 Prozent steigen. “Deshalb planen wir unsere Infrastruktur so, dass sie flexibel mit den Anforderungen der Zukunft mitwachsen kann”, sagt Birnbaum. Dabei unterstützen spezialisierte Fachplaner. Der konkrete Ausbau bleibe aber letztlich eine unternehmerische Entscheidung.
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300 Millionen Euro Investition notwendig
Bei der Wirtschaftskammer Vorarlberg (WKV) sieht man die Vorgaben kritischer. Für die heimischen Betriebe könnten sie erhebliche Mehrkosten verursachen, ohne dass ein entsprechender Bedarf tatsächlich gegeben sei, argumentiert WKV-Präsident Karlheinz Kopf. Er verweist etwa auf den Lebensmittelhandel: Nach Schätzungen der Branche müssten 15.000 bis 20.000 neue Ladestationen errichtet werden. Kosten: mehr als 300 Millionen Euro.
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Was in einem Einkaufszentrum wie dem Messepark ein zusätzlicher Kundenmagnet ist, könnte in anderen Unternehmen ungenutzt bleiben. Zwar sind in Österreich mittlerweile rund 297.000 Elektrofahrzeuge zugelassen, der überwiegende Teil der Ladevorgänge erfolgt jedoch weiterhin im privaten Bereich, betont Kopf.
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Appell an die Landesregierung
Der WKV-Präsident fordert deshalb eine möglichst flexible Umsetzung der Vorgaben. “Der Markt kann den tatsächlichen Bedarf deutlich besser abbilden als pauschale Quoten”, sagt er. Die Landesregierung müsse bestehende Spielräume nutzen. Millionenbeträge für “kaum genutzte Ladepunkte” würden die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe schwächen.
Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) hat sich in den VN wiederholt für eine “praktikable” Umsetzung der Energieeffizienzrichtlinie insgesamt ausgesprochen.