Was ist Arbeit – und was nicht?

Bundeskanzler Christian Stocker wie sein Vorgänger: Ein Fettnäpfchen, das hängen bleibt.
Fettnäpfchen Die politische Sommertour gehört zum Ferienprogramm wie Freibad, Feuerwehrfest und Frühschoppen. Dumm nur: Wer auf Volksnähe macht, kommt dem Volk gelegentlich tatsächlich nahe.
Das bekam Bundeskanzler Christian Stocker (66) bei einem Bürgergespräch in Salzburg zu spüren. Eine Besucherin fragte, warum die vielen Stunden unbezahlter Kinderbetreuung – meist von Müttern geleistet – finanziell nicht stärker anerkannt würden.
Stockers Antwort: „Kinderbetreuung ist für mich keine unbezahlte Arbeit. Kinderbetreuung würde ich nicht als Arbeit sehen. Ich habe meine Kinder nicht als Rechenbeispiele erzogen.“
Im Saal regte sich Widerspruch. Moderatorin Arabella Kiesbauer (57) hielt dagegen: Ohne die Leistungen vieler Mütter würde das gesellschaftliche System nicht funktionieren. Dafür gab es Applaus. Am nächsten Tag folgte die politische Brandsalbe. Stocker bezeichnete seinen Satz als „falsch“, entschuldigte sich und stellte klar: Kinderbetreuung sei selbstverständlich Arbeit. Familie sei allerdings kein Unternehmen, der „Lohn“ bestehe aus Zusammenhalt, Vertrauen und gemeinsamen Momenten.
Die Sommertour geht weiter. Und Stocker weiß jetzt: Sonnencreme schützt vor Sonnenbrand. Vor offenen Mikrofonen nicht. Was auch schon sein Vorgänger Karl Nehammer (53) zu spüren bekam. Stichwort: Burgergate.