Kritik an Mattles Pensionsplan: “Manche sind mit 60 kaputt”

Politik / 16.08.2026 • 07:00 Uhr
Kritik an Mattles Pensionsplan: "Manche sind mit 60 kaputt"
Die Debatte rund um das Pensionsantrittsalter ist neu entfacht. AFP

Nur 18 Prozent der Frauen und 46 Prozent der Männer im Pensionsjahrgang 2025 hätten die geforderten 45 Jahre erreicht.

Schwarzach Für zwei Drittel des Pensionsjahrgangs 2025 wäre die Pension nach dem Modell von Tirols Landeshauptmann Anton Mattle (ÖVP) nicht möglich gewesen. Sie hätten die von ihm geforderten 45 Versicherungsjahre nicht erreicht. Das zeigt eine neue Analyse des gewerkschaftsnahen Momentum Instituts. Wer die 45 Jahre nicht zusammenbekommt, soll nach Mattles Vorschlag über das 65. Lebensjahr hinaus arbeiten. Der Pensionsjahrgang 2025 kam im Schnitt auf knapp 40 Versicherungsjahre.

44.037 Personen wären betroffen gewesen – 19.620 Männer und 24.417 Frauen. Während nicht einmal die Hälfte der Männer, genau 46 Prozent, auf 45 Versicherungsjahre kam, waren es bei den Frauen nur 18 Prozent. Fast ein Drittel (31 Prozent) müsste mindestens elf Jahre oder länger weiterarbeiten. Zwölf Prozent der Frauen würden sogar mehr als 20 zusätzliche Versicherungsjahre benötigen. Im Durchschnitt fehlen Personen im Pensionsjahrgang 2025 5,3 Jahre, um auf die 45 Jahre zu kommen; Männer hätten durchschnittlich noch 3,6 Jahre, Frauen 7,5 Jahre zusätzlich benötigt.

Kritik an Mattles Pensionsplan: "Manche sind mit 60 kaputt"
Werner Huber ist Landesobmann des Seniorenbunds Vorarlberg. Philipp Steurer

Schwierige Situation für ältere Arbeitnehmer

Werner Huber, Landesobmann des Seniorenbunds Vorarlberg, ist Diskussionen grundsätzlich nicht abgeneigt: “Man muss natürlich alles tun, damit Menschen möglichst lang im Arbeitsprozess bleiben.” Skeptisch ist er allerdings, ob Mattles Vorschlag in der Praxis funktionieren würde. “Man müsste eine Reihe von Ausnahmen reinpacken, das wäre ein kompliziertes Modell.” Menschen mit akademischer Ausbildung könnten ansonsten vor große Probleme gestellt werden. Entscheidend sei zudem, welche Tätigkeit jemand ausgeübt habe: “Manche sind mit 60 kaputt.”

Aus Hubers Sicht braucht es außerdem eine bessere Anerkennung von Kinderbetreuungs- und Pflegezeiten. Gleichzeitig verweist er auf die schwierige Situation älterer Arbeitnehmer am Arbeitsmarkt. “Wenn Stellen abgebaut werden, wird oben abgezwickt”, sagt er. Wer sich mit über 50 Jahren um einen Job bewerbe, müsse “zittern, ob die Bewerbung überhaupt gelesen wird”. Wer längere Arbeitszeiten für ältere Menschen fordert, müsse deshalb zunächst beantworten, woher die entsprechenden Arbeitsplätze kommen sollen.

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“Undurchdachter Vorschlag”

Auch das Momentum Institut warnt davor, dass ein späterer Pensionsantritt nicht automatisch zu längerer Beschäftigung führt. Ältere Menschen hätten schon heute Schwierigkeiten, bis zur Pension im Job zu bleiben. “Besonders bedenklich dabei ist, dass Menschen kurz vor der Pension die höchste Arbeitslosenquote aller Altersgruppen haben”, sagt Nicolas Prinz, Ökonom am Momentum Institut.

Die Arbeiterkammer verweist insbesondere auf die Entwicklung bei älteren Frauen. Obwohl das gesetzliche Frauenpensionsalter seit 2024 schrittweise steigt, liege die Arbeitslosenquote der 60- bis 64-jährigen Frauen mittlerweile bei 7,2 Prozent. AK und ÖGB fordern deshalb bessere Arbeitsbedingungen und ein Bonus-Malus-System für Unternehmen, die ältere Beschäftigte halten oder frühzeitig aus dem Betrieb drängen.

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Die Leiterin der Alterssicherungskommission, Christine Mayrhuber, bezeichnet Mattles Vorschlag als “undurchdacht”. Eine durchgängige Erwerbsbiografie sei angesichts von Jobwechseln, Arbeitslosigkeit und Weiterbildungen längst nicht mehr selbstverständlich. Zudem gebe es in keinem anderen EU-Land eine Mindestversicherungsdauer von 45 Jahren.

Letzte Pensionsreform ein halbes Jahr alt

Mattles Idee kommt gerade einmal ein halbes Jahr nach der letzten Pensionsreform. Sie ist seit 1. Jänner in Kraft und betrifft hauptsächlich Personen, die 1964 geboren sind. Deren frühestmögliches Pensionsantrittsalter wird schrittweise mit der sogenannten “Korridorpension” von 62 auf 63 Jahre angehoben.

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