Rekordjahr für die Sommerschule – und Kritik: “Sommerschule ist gleich Zauberschule”

Politik / 26.08.2026 • 15:31 Uhr
Rekordjahr für die Sommerschule – und Kritik: "Sommerschule ist gleich Zauberschule"
Die Gewerkschaft hält nichts von der Verpflichtung zur Sommerschule. VN/Paulitsch, Gewerkschaft

Lehrergewerkschaft kritisiert Verpflichtung. Erstmals 3000 Kinder und Jugendliche in der Sommerschule in Vorarlberg.

Bregenz Im Osten Österreichs hat sie bereits am Montag begonnen. Kommende Woche startet die Sommerschule auch in Vorarlberg. Mit Rekordbeteiligung: Erstmals sind über 3000 Kinder und Jugendliche zur Aufwärmrunde vor dem Schuljahr angemeldet. Zwei Drittel davon freiwillig.

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Das Rekordjahr in Zahlen: Österreichweit besuchen rund 58.500 Schülerinnen und Schüler die Sommerschule. In Vorarlberg nehmen laut Landesregierung heuer 3023 Schülerinnen und Schüler teil. Erstmals ist die Sommerschule für Schulkinder mit ungenügenden Deutschkenntnissen verpflichtend. Das betrifft in Vorarlberg 830 Kinder. 2191 Schülerinnen und Schüler sind von den Eltern freiwillig angemeldet worden. Im Vorjahr besuchten insgesamt 1850 Kinder und Jugendliche die Sommerschule.

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Alexandra Loser: “Das, was die Sommerschule in zehn Vormittagen leisten soll, schafft man in einem ganzen Schuljahr nicht.” Gewerkschaft

Obwohl die Zahl der Schüler so stark gestiegen ist, erhöht sich die der Standorte nur von 66 auf 72. Die Gruppengröße wurde angehoben. “Dadurch haben wir zwar auch mehr Lehrpersonen benötigt, aber nicht doppelt so viele”, rechnet Monika Steurer, pädagogische Leiterin der Bildungsdirektion, vor. 197 Lehrerinnen und Lehrer sowie 54 Lehramtsstudierende sind im Einsatz. Im Schnitt besteht eine Gruppe aus 14 Kindern.

Rekordjahr für die Sommerschule – und Kritik: "Sommerschule ist gleich Zauberschule"
Landesrätin Barbara Schöbi-Fink: “Dass die Teilnahme für außerordentliche Schülerinnen und Schüler in Deutschförderklassen nun verpflichtend ist, stellt sicher, dass gerade jene Kinder und Jugendlichen erreicht werden, die beim Erwerb der deutschen Sprache zusätzliche Unterstützung benötigen.”VN/Paulitsch

Besonders Schülerinnen und Schülern mit starkem Sprachförderbedarf soll die Sommerschule helfen. “Gerade für diese Kinder ist es wichtig, weil sie die Sommerferien oft nicht in Österreich verbringen oder zumindest in den Ferien nicht viel Deutsch sprechen”, fährt Steurer fort. Auch die anderen Kinder können sich besser aufs Schuljahr vorbereiten. “Es ist ein tolles Angebot. Die Kinder lernen nicht nur 40 Stunden, sondern führen tolle Projekte durch und sehen ihre Freunde. Mit dem netten Nebeneffekt, dass die Betreuungszeit in den Ferienwochen verkürzt wird.”

Schullandesrätin Barbara Schöbi-Fink ist ebenfalls voll des Lobes. Gerade für Schülerinnen und Schüler mit schlechten Deutschkenntnissen seien die zwei Wochen eine wertvolle Lernzeit.

Rekordjahr für die Sommerschule – und Kritik: "Sommerschule ist gleich Zauberschule"
Die Zahl der Sommerschüler steigt von 1800 auf 3000 – und wird kommendes Jahr noch höher.VN/Paulitsch

Wesentlich kritischer ist Pflichtschullehrervertreterin Alexandra Loser: “Sommerschule ist gleich Zauberschule. Das, was die Sommerschule in zehn Vormittagen leisten soll, schafft man in einem ganzen Schuljahr nicht. Ich kann in 40 Stunden keine Sprache lernen. Schon gar nicht, wenn die Betreuungsgruppen größer werden.” Die Lehrer in der Sommerschule würden die Kinder teilweise nicht kennen. “Sie müssen zunächst sehen, wo die Kinder stehen, was sie können. Das dauert schon zwei bis drei Tage. Dann habe ich noch welche, die für Nachprüfungen lernen sollen”, erläutert Loser. “Für viele Familien ist es eine gute Möglichkeit zur Betreuung in den letzten Ferienwochen. Kinder kommen auch langsam wieder in den Rhythmus. Aber dass danach alle super Deutsch können, ist eine Illusion. Das klingt auf dem Papier gut, funktioniert in der Realität aber nicht.”

Rekordjahr für die Sommerschule – und Kritik: "Sommerschule ist gleich Zauberschule"
Monika Steurer von der Bildungsdirektion lobt die Sommerschule. “Gerade für diese Kinder ist es wichtig, weil sie die Sommerferien oft nicht in Österreich verbringen oder zumindest in den Ferien nicht viel Deutsch sprechen.”VN/Paulitsch

Kommendes Jahr wird die Sommerschule auch für Schüler mit mangelhaften Deutschkenntnissen verpflichtend. Das seien noch einmal einige Hundert, erklärt Monika Steurer. Wer in die Sommerschule muss, aber mehrere Tage unentschuldigt fehlt, wird wegen Schulpflichtverletzung angezeigt. Heuer gab es noch eine Ausnahme für jene, die Urlaub gebucht haben, bevor die Verpflichtung bekannt gegeben wurde. “Das haben wir als Entschuldigung gelten lassen. Nächstes Jahr geht das nicht mehr”, hält Steurer fest.

Loser fordert, dass die Verpflichtung wieder zurückgenommen wird. “Es gibt tolle Modelle im Sommer. Aber wie kommt die Schule dazu, das auszugleichen, was die Politik über Jahre versemmelt hat? Wir sollen immer alles auffangen, das geht auf Dauer nicht.” Schließlich bräuchten Lehrer die Pause. Und die Schüler auch.