Von Sparen keine Spur: Wie Land und seine Unternehmen Presseapparat aufblähen

Politik / 03.09.2026 • 12:09 Uhr
Von Sparen keine Spur: Wie Land und seine Unternehmen Presseapparat aufblähen

VN-Recherchen zum Personalstand in der Öffentlichkeitsarbeit zeichnen ein bemerkenswertes Bild: Statt schlanker Verwaltung gibt es teils opulent ausgestattete Presse- und Marketingabteilungen.

Bregenz Das Land hat sich viel vorgenommen. Nach den “fetten Jahren” sollte die Verwaltung wieder deutlich zurückgefahren werden. Landeshauptmann Markus Wallner kündigte im Vorjahr jedenfalls an, in den nächsten drei bis fünf Jahren 100 Stellen einzusparen. 6,95 Vollzeitäquivalente waren es schließlich 2025. Ein zögerlicher Start. Vom großen Sparen weit entfernt scheint das Land unterdessen im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit, wie eine umfangreiche VN-Recherche jetzt zeigt. Sowohl in der Landesverwaltung selbst als auch in Unternehmen mehrheitlich im Eigentum des Landes ist der Personalstand in den letzten fünf Jahren teils kräftig angestiegen. Im Landhaus und den Presse- und Marketingabteilungen von gut einem Dutzend Firmen gibt es mittlerweile 72 Vollzeitstellen, um ein Viertel mehr als noch 2020. Das ergaben Anfragen der Vorarlberger Nachrichten nach dem Informationsfreiheitsgesetz (IFG).

Aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellungen wird an dieser Stelle kein Inhalt von Iframely angezeigt.

Eigentlich wollte das Land den Gürtel enger schnallen. Gilt ganz offensichtlich nicht für die eigene Öffentlichkeitsarbeit. Hier sind gleich drei Mitarbeiter mehr beschäftigt als noch vor fünf Jahren. Konkret meldet das Land 13,65 Vollzeitäquivalente. Im Marketing ist es unterdessen mit 2,8 eine Stelle weniger. In Summe liegt der Zuwachs in beiden Themenfeldern jedenfalls im zweistelligen Bereich. Eine Erklärung dafür bleibt das Land unterdessen schuldig. Bereits am Montag hatten die VN bei der Landespressestelle um Antworten gebeten und ihr dafür eine Frist von 48 Stunden eingeräumt. Zu wenig. Eine Rückmeldung wurde für einen späteren Zeitpunkt angekündigt.

Von Sparen keine Spur: Wie Land und seine Unternehmen Presseapparat aufblähen
Zusätzliche Aufgaben: illwerke vkw haben den Bereich Öffentlichkeitsarbeit innerhalb von fünf Jahren kräftig ausgebaut. VN

Presse- und Öffentlichkeitsabteilungen sind nicht nur in der Landesverwaltung selbst kräftig gewachsen, sondern auch in einzelnen Unternehmen, die mehrheitlich dem Land gehören. So etwa beim Energieversorger illwerke vkw, wo es zu einem Anstieg von 9,31 auf 14,07 Stellen gekommen ist. Ein leichtes Plus gab es zudem im Marketing (5 auf 5,73 Vollzeitäquivalente). Sparvorgaben der Landesregierung scheint es für ihre Unternehmen nicht zu geben. Man stehe zwar im Eigentum des Landes, sei jedoch nicht Teil der Landesverwaltung, heißt es in einer Stellungnahme des Energieversorgers. “Vorgaben des Landes zur Personalpolitik der illwerke vkw gibt es deshalb nicht.” Den gesteigerten Personalbedarf erklärt das Landesunternehmen mit zusätzlichen Dienstleistungen, Geschäftsfeldern und Projekten sowie veränderten Anforderungen an die Öffentlichkeitsarbeit und das Marketing im Allgemeinen.

Aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellungen wird an dieser Stelle kein Inhalt von Iframely angezeigt.

Mehr als ein Dutzend IFG-Anfragen an Landesunternehmen zeichnen ein bemerkenswertes, wenn auch teils unterschiedliches Bild: Statt schlanker Verwaltung gibt es in einzelnen Gesellschaften opulent ausgestattete Marketing- und Kommunikationsabteilungen und teils starke Personalzuwächse. Ein Beispiel dafür ist etwa die Fachhochschule Vorarlberg mit 14,5 Stellen (plus 4,5) oder auch auf deutlich niedrigerem Niveau die Krankenhausbetriebsgesellschaft (KHBG), wo die Presseabteilung von 1 auf 2,5 und das Marketing von 0,75 auf 1,5 Stellen angewachsen ist. Dort wird in einer Stellungnahme neben der klassischen Öffentlichkeitsarbeit unter anderem auf die gewachsenen Anforderungen im Personalmarketing verwiesen.

In anderen Gesellschaften wie Vorarlberg Tourismus (8,9 Stellen) oder den Vorarlberger Kulturhäusern (5,88 Stellen) sind die Zahlen konstant oder leicht rückgängig. Wieder andere kommen praktisch ohne eigene Mitarbeiter (VOGEWOSI, Olympiazentrum, Bodenfonds, Zentrallabor) bzw. mit nur einem oder zwei Mitarbeitern aus (BIFO, Bildungsdirektion, Verkehrsverbund Vorarlberg, Stella Vorarlberg).

Von Sparen keine Spur: Wie Land und seine Unternehmen Presseapparat aufblähen
Das Land hat die eigene Kommunikationsabteilung weiter ausgebaut. VN/Paulitsch

Welche Vorgaben es für schlanke Verwaltungen seitens des Landes für seine eigenen Unternehmen gibt? Unklar. Eine Antwort auch auf diese Frage an die Landeskommunikation steht bisher aus.

Von Sparen keine Spur: Wie Land und seine Unternehmen Presseapparat aufblähen
Gibt keine Auskunft über Anzahl der Mitarbeitenden in Marketing und Öffentlichkeitsarbeit: Hypo Vorarlberg Bank. Hypo Vorarlberg

In eigenen Kommunikationsangelegenheiten wenig kommunikativ ist im Übrigen auch die Hypo Vorarlberg. Eine Beantwortung der Anfrage nach dem Informationsfreiheitsgesetz, wie viele Mitarbeiter in Öffentlichkeitsarbeit und Marketing beschäftigt werden, lehnte das Bankinstitut unter anderem mit dem Verweis auf Wettbewerbsgründe ab.