Wo Österreichs größte Bildungsbaustellen liegen

Die Schülerinnen und Schüler verlieren laut PISA-Studie weiter bei Grundkompetenzen wie Lesen und Mathematik.
Wien Österreichs Schülerinnen und Schüler liegen bei der neuen PISA-Studie zwar erstmals in allen getesteten Bereichen über dem OECD-Schnitt. Für Agenda-Austria-Ökonom Hanno Lorenz ist das aber kein Grund zur Entwarnung. “Das ist nur ein schwacher Trost, zu sagen, dass die anderen noch schlechter geworden sind. Das Ergebnis ist nicht sonderlich erfreulich.”
Vor allem beim Lesen und in Mathematik sind die Leistungen erneut gesunken. Österreich erreicht beim Lesen 467 Punkte, 13 weniger als 2022. In Mathematik sind es 477 Punkte, ein Minus von zehn Punkten. Damit fällt Österreich ähnlich stark zurück wie die OECD insgesamt. Dass die Ergebnisse trotzdem über dem OECD-Schnitt liegen, liegt beim Lesen und in Mathematik vor allem daran, dass andere Länder noch stärker verloren haben. In den Naturwissenschaften legte Österreich hingegen um sechs Punkte auf 497 zu und liegt damit deutlich über dem OECD-Schnitt von 482.
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Sprachdefizite in der zweiten Generation
Besonders kritisch ist laut Lorenz die Entwicklung bei Kindern mit Migrationshintergrund. Eine Analyse der Agenda Austria zeigt deutliche Unterschiede bei erster und zweiter Generation. In Mathematik schneiden Kinder der zweiten Generation sogar noch um sieben Punkte schlechter ab als jene, die selbst zugewandert sind. Das entspricht laut Lorenz etwa einem Drittel Schuljahr. Beim Lesen holen sie dagegen deutlich auf: Mit einem Plus von 26 Punkten gegenüber der ersten Generation gewinnen sie etwa ein Schuljahr. Dennoch liegen sie weiterhin zwei bis drei Schuljahre hinter Jugendlichen ohne Migrationshintergrund.
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“In keinem anderen Land ist der Unterschied bei den Mathematikergebnissen zwischen der zweiten Generation und der Bevölkerung ohne Migrationshintergrund so groß wie in Österreich”, sagt Lorenz. Gerade hier sieht er großen Handlungsbedarf. Die Schüler könnten aufgrund ihrer Sprachdefizite teilweise kaum noch etwas lernen.” Lorenz betont, dass es in der Integration gelingen müsse, dass hier ausreichend Sprachkenntnisse vermittelt werden, damit die Kinder dem Unterricht folgen können.

Teures System, durchschnittliche Ergebnisse
Auch bei den Bildungsausgaben sieht Lorenz ein Effizienzproblem. Österreich habe “ein sehr teures System, aber einen relativ durchschnittlichen Output”. Das Geld komme “offensichtlich nicht ideal an”. Besonders problematisch sei das bei der Integration, weil sich mangelnde Bildung später auch am Arbeitsmarkt auswirke. Das koste nicht nur die Betroffenen Chancen, sondern auch Österreich Potenzial bei Arbeitskräften, Innovation und Unternehmensgründungen.
Als einen möglichen Grund nennt Lorenz den Föderalismus: “Es ist nichts Neues, dass der Föderalismus nicht unbedingt zur Effizienz tendiert.” Reformen wie mehr Schulautonomie oder der Chancenbonus, der Schulen mit größeren Herausforderungen stärker unterstützen soll, hält er grundsätzlich für sinnvoll. Allerdings fehle es an Kontrolle: “Das Problem ist, dass alles mit relativ wenig Dokumentation begleitet wird.” Es werde also mehr Geld bereitgestellt, aber kaum untersucht, ob die Maßnahmen tatsächlich wirken.
Digitalisierung vorantreiben
Auch die Digitalisierung sieht Lorenz kritisch. Die kostenlose Ausstattung mit Laptops allein sei ein “Marketinggag”. Digitalisierung bedeute nicht, “eine Tafel statt in ein Heft mit einem Laptop abzuschreiben”. Entscheidend seien sinnvolle pädagogische Inhalte und eine entsprechende Unterstützung der Lehrkräfte.
Bildungsminister Christoph Wiederkehr (Neos) sieht in den PISA-Ergebnissen “Licht und Schatten”. Er verwies auf Sommerschule, neue Deutschförderung und Chancenbonus. Eine Trendwende werde allerdings nicht über Nacht gelingen.