Vorarlberg hat die teuersten Kindergartenplätze

Politik / 09.09.2026 • 13:45 Uhr
Vorarlberg hat die teuersten Kindergartenplätze
Ein Balanceakt: Ob Berufstätigkeit und Familie gut unter einen Hut gebracht werden können, entscheidet sich auch an einer guten Kinderbetreuung. Alexandra Serra

Vorarlberg baut aus, auch die Kosten stiegen im Vergleich besonders stark. Das hat gute Gründe.

Schwarzach Das Betreuungsangebot wächst, gleichzeitig steigen die laufenden Kosten stark. Das zeigt eine aktuelle Erhebung des Instituts für Familienforschung (ÖIF). Zwischen 2016 und 2023 stieg die Zahl der in Krippen, Kindergärten und Horten betreuten Kinder in Österreich um rund acht Prozent. Für Vorarlberg fällt insbesondere auf, dass die Ausgaben je betreutem Kind besonders hoch sind und seit 2017 deutlich stärker gestiegen sind als im Österreichschnitt.

Die öffentliche Hand gab 2023 rund 2,6 Mrd. Euro für den laufenden Betrieb der öffentlichen Betreuungsangebote in Österreich aus, das sind um rund 1 Mrd. Euro bzw. 60 Prozent mehr als 2017. Die Steigerungen betrafen alle Bundesländer, am stärksten Vorarlberg, wo sich die Ausgaben mehr als verdoppelten.

Vorarlberg bei Kosten je Kind an der Spitze

Die laufenden Ausgaben je Kind in öffentlichen Kindergärten stiegen im Land zwischen 2017 und 2023 deutlich stärker als im Österreichschnitt: um 82,6 Prozent bei halbtägiger und 78,5 Prozent bei ganztägiger Betreuung, österreichweit waren es 38,5 bzw. 40,7 Prozent. 2023 kostete ein betreutes Kind im Schnitt 7543 Euro halbtägig und 12.880 Euro ganztägig – jeweils österreichweit am meisten. Im Bundesländerschnitt waren es 6420 bzw. 10.999 Euro.

Die durchschnittliche Öffnungszeit öffentlicher Kindergärten stieg in Vorarlberg hingegen nur von 7,9 auf 8,3 Stunden täglich. Gleichzeitig hatten die Einrichtungen 2022/23 durchschnittlich 27,8 Schließtage pro Jahr. Österreichweit waren es 25,8 Tage.

“Qualität hat ihren Preis”

Studienautor Markus Kaindl vom ÖIF erklärt den VN diese Zahlen: “Vorarlberg hat im Bundesländervergleich eher kleine Kindergartengruppen und den besten Betreuungsschlüssel – also Kinder je Fach- und Hilfskraft.” So kamen laut Kaindl 2022/23 in den Kindergärten des Landes 3,7 Kinder in öffentlichen sowie privaten Kindergärten auf eine Betreuungsperson. Im Österreichschnitt waren es hingegen 4,9 in öffentlichen bzw. 5,9 in privaten Kindergärten. Und Kaindl weiter: Bei der vergangenen Untersuchung für 2016/17 habe der Schlüssel in Vorarlberg noch bei 6,1 bzw. 6,2 Kindern gelegen. “Diese gestiegene und im Bundesländervergleich höhere Qualität wirkt sich massiv auf die Kosten je Kind aus – Qualität hat ihren Preis”, sagt der Studienautor.

Das bestätigte auch Landesrätin Barbara Schöbi-Fink. Zudem seien in den Jahren 2017 bis 2023 mehrere Verbesserungen der Gehälter des Betreuungspersonals umgesetzt worden. Seit dem Betreuungsjahr 2024/25 sinke die Zahl der Kinder bei steigendem Personaleinsatz. Laut Bevölkerungsprognose der Statistik Austria geht die Entwicklung so weiter. Ziel sei es nun, die Auslastung der Gruppen auf mindestens 85 Prozent zu erhöhen und bei geringer Auslastung am Nachmittag Gruppen zusammenzulegen. Bei überproportionalem Personaleinsatz werde geprüft, ob dieser gerechtfertigt ist. Andernfalls können die förderbaren Personalkosten neu festgesetzt werden.

Noch keine vollständige Wahlfreiheit

Österreichweit verortet die Studie hingegen eher einen Anstieg an Quantität als an Qualität. Die Zahl der Einrichtungen nahm um fünf Prozent, jene der Gruppen um elf Prozent und das Personal um neun Prozent zu. Die durchschnittlichen Öffnungszeiten veränderten sich dagegen nur wenig.

Vorarlberg hat die teuersten Kindergartenplätze
Die grüne Familiensprecherin Barbara Neßler kritisiert, dass Familien noch immer nicht vollständige Wahlfreiheit haben. APA/Tobias Steinmaurer

Für Barbara Neßler, Familiensprecherin der Grünen, zeigt das vor allem, woran es österreichweit hakt: “Aktuell läuft der Ausbau so ab, dass weder die Öffnungszeiten besser werden noch die Gruppengröße sinkt und sich damit das Betreuungsverhältnis verbessert.” Dass Familienministerin Claudia Bauer (ÖVP) dennoch mehr Wahlfreiheit verspreche, sei schon fast unterhaltsam, sagt die Vorarlbergerin, die für Tirol im Nationalrat ist. “In Österreich gilt weiterhin: ‚Die Mama wird’s schon richten‘.”

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