Die Lehren aus der Sommerhitze: “Das war schon eine Hausnummer im Juni”

Schulen und Spitäler sollen hitzefester werden, plant die Landesregierung. Das sei auch höchst an der Zeit, heißt es aus den Einrichtungen.
Schwarzach Die Hitze brachte diesen Sommer nicht nur die Achselhöhlen der Bevölkerung zum Schwitzen. Der Rekordsommer brachte das Land an seine Grenzen: ob auf den Feldern und Alpen, in den Wäldern oder in Krankenhäusern, Pflegeheimen und Schulen. Die Forschung belegt: Hitzesommer wie heuer wird es künftig häufiger geben. Die Landesregierung möchte das Land besser dafür rüsten. Höchste Zeit, heißt es aus den Einrichtungen.

Erst vor wenigen Tagen veröffentlichte der Complexity Science Hub (CSH) eine Untersuchung über die Auswirkungen von Hitzewellen in Österreichs Krankenhäusern. Demnach werden zwar weniger Menschen stationär aufgenommen, die Zahl der Todesfälle in Krankenhäusern steigt jedoch. In Szenarien ohne nennenswerten Klimaschutz könnte die Zahl der zusätzlichen Todesfälle im Krankenhaus während Hitzewellen im Schnitt um 50 Prozent steigen. Bei zwei Wochen mit täglichen Höchsttemperaturen von mehr als 30 Grad Celsius zeigen die Berechnungen österreichweit 22,3 Prozent mehr Todesfälle im Krankenhaus. Besonders betroffen seien ältere Menschen.

Auch in Vorarlberg herrscht Handlungsbedarf. Das bestätigt Thomas Steurer, Betriebsrat der Krankenhausbetriebsgesellschaft. “Im Landeskrankenhaus Feldkirch war es eine besondere Herausforderung, als die Umluftkühlung abgeschaltet wurde. Es war heuer aber überall extrem schwierig.” Nicht zum ersten Mal werde über Kühlungen und Klimaanlagen diskutiert. “Diese Diskussionen führen wir jedes Jahr. Aber man muss etwas tun”, fordert Steurer. “Es wird kein Weg an einer Kühlung vorbeiführen.”

Auch Landeshauptmann Markus Wallner ist überzeugt: “Gerade in den Spitälern war die Situation in diesem Sommer eine große Herausforderung.” Die Landesregierung möchte sich zwar noch nicht auf konkrete Maßnahmen festlegen, hat aber ein Vorhaben: In diesem Herbst soll eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe eine Checkliste erstellen, unter anderem mit Sofortmaßnahmen ab Hitzestufe 4. Zudem soll bei künftigen Bauprojekten stärker auf Hitzeschutz geachtet werden. Das hofft auch Steurer: “Es stellt sich immer die Frage, ob es sinnvoll und technisch möglich ist, bestehende Bauten umfassend nachzurüsten. Aber bei künftigen Bauprojekten muss Hitzeschutz berücksichtigt werden.”

Das gilt auch für Pflegeheime, hält Gewerkschafterin Iris Seewald fest. “Gerade in den privaten Sozial- und Gesundheitseinrichtungen läuft die Arbeit auch bei extremer Hitze weiter.” Die Einrichtungen können schließlich nicht einfach zusperren. “Es braucht mehr als einen Ventilator und eine Flasche Wasser”, betont sie. Da sei das Land in der Pflicht. “Es kann einiges bewegen: klare Standards, eine Erhebung des tatsächlichen Handlungsbedarfs und eine Finanzierung, die deren Umsetzung auch ermöglicht”, ist Seewald überzeugt.



Auch in den Schulen wurde es heuer heiß. Erhalter der Pflichtschulen sind Städte und Gemeinden, für die Gebäude der Gymnasien ist der Bund zuständig. Und mittendrin die Landesregierung, weshalb man sich bei den Vorhaben noch sehr vage hält. Gemeinsam möchte man regional abgestufte Maßnahmen vorbereiten. Zudem sollen die Ferienregelungen weiter diskutiert werden.
Lehrergewerkschafterin Alexandra Loser ortet dringenden Handlungsbedarf. “Die Situation war schon sehr belastend.” Auch mit Ventilatoren, Be- und Entlüftungsmöglichkeiten sowie Klimageräten werde es bei anhaltender Sonneneinstrahlung und 25 Schülern in der Klasse irgendwann zu heiß. “Bei 27 oder 28 Grad kann man sich nicht mehr konzentrieren. Das war schon eine Hausnummer im Juni.” Es brauche ausreichend Beschattung, Klimageräte und gute Belüftungen. Trotz des Budgetdrucks.