Social-Media-Verbot: “Dann könnten sie sich in der KI-Blase wiederfinden”

Mehr als 200 Stellungnahmen zum Social-Media-Verbot zeigen: Beim Kinderschutz im Netz gehen die Meinungen auseinander.
Schwarzach Das eigene Smartphone kommt in Österreich immer früher – und mit ihm soziale Medien. Laut einer aktuellen Umfrage des Vergleichsportals “durchblicker” unter 1322 Eltern mit Kindern unter 18 Jahren besitzen 59 Prozent der unter 14-Jährigen bereits ein eigenes Smartphone. Von diesen Kindern nutzt knapp mehr als die Hälfte mindestens ein Social-Media-Angebot. Am häufigsten werden YouTube (30 Prozent) und Roblox (24 Prozent) genannt, gefolgt von Instagram, TikTok und Snapchat mit jeweils 16 Prozent. Die Regierung will die Nutzung nun stärker reglementieren. Die Begutachtungsfrist für das sogenannte “Social-Media-Verbot” endete am Montag.
Mehr als 200 Stellungnahmen wurden zum Gesetzesentwurf abgegeben. Unterstützt wird insbesondere der Ansatz, Plattformbetreiber stärker für den Schutz von Kindern und für suchtverstärkende Funktionen verantwortlich zu machen. Gleichzeitig gibt es Kritik an der Altersverifikation, am Datenschutz und daran, dass Messenger-Dienste nicht einbezogen werden. Ab 1. Jänner 2027 soll die Regelung gelten.

“Kinderschutz umfassender denken”
Der Kern der Kritik sei gleich geblieben, sagt der Vorarlberger Kinder- und Jugendanwalt Christian Netzer den VN: “Wir unterstützen weiterhin, dass junge Menschen vor schädlichen Einflüssen geschützt werden. Aber aus unserer Sicht sollte Kinderschutz weiter gedacht werden.” Medienbildung sollte daher früher beginnen, sagt er: “Wir sollten nicht mit dem Verbot reagieren und erst im Anschluss, mit 14 oder 15, an den höheren Schulen mit der Medienbildung umfassender starten.”
Ausdrücklich zu begrüßen sei, dass der Staat die Betreiber in die Verantwortung nehmen will. Für Skepsis sorgt bei Netzer hingegen die selektive Auswahl von Plattformen. “Wir wissen aus der Praxis, dass es auf Videospielplattformen ähnliche Probleme mit sexualisierten Inhalten gibt.” Zudem gibt es das wachsende Phänomen der KI-Chatbots. Netzer befürchtet, dass es zu einer Verlagerung kommen könnte: “Wenn man den jungen Menschen das eine verbietet, könnten sie sich dann in der KI-Blase wiederfinden.”
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Gehirn entwickelt sich bis 25
Der Verfassungsdienst des Bundeskanzleramts weist wiederum auf mögliche Eingriffe in Kinderrechte und Kommunikationsfreiheit hin. Besondere Bedeutung habe daher eine verhältnismäßige Ausgestaltung der Alterskontrolle. Der Österreichische Berufsverband der Psychologinnen und Psychologen sowie Pro mente begrüßen den stärkeren gesetzlichen Schutz. Die Fachstelle VIVID und die ARGE Suchtvorbeugung halten die Grenze von 14 Jahren für nicht ausreichend und fordern einen abgestuften Schutz auch für ältere Jugendliche. Das Gehirn entwickle sich noch bis zum 25. Lebensjahr.
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Eltern befürworten Verbot
Trotz dieser Erkenntnisse werden die Handynutzer immer jünger. Die durchblicker-Umfrage zeichnet die Entwicklung beim Alter der ersten Handynutzung nach: Während nur jedes fünfte heute 14- bis 17-jährige Kind bereits vor dem zehnten Geburtstag ein eigenes Smartphone hatte, ist es bei den heute 10- bis 13-Jährigen bereits jedes dritte.
Gleichzeitig ist die Zustimmung zu einer gesetzlichen Altersgrenze unter Eltern aber groß. Laut durchblicker befürworten 86 Prozent der Befragten das geplante Social-Media-Verbot für unter 14-Jährige zumindest grundsätzlich.
Teil einer EU-weiten Debatte
Parallel dazu hat die EU-Kommission vergangene Woche den KIDS Act vorgeschlagen. Danach soll es soziale Medien für Kinder unter 13 Jahren nicht geben. Zwischen 13 und 15 Jahren wären nur von Eltern eingerichtete und beaufsichtigte “Mini-Konten” mit eingeschränkten Funktionen und einer zeitlichen Begrenzung vorgesehen. Der Vorschlag muss nun das weitere EU-Gesetzgebungsverfahren durchlaufen.