“Wenn ein Marschflugkörper in der Nähe einschlägt, dann macht das etwas mit einem”

Georg Dialer war drei Jahre lang in der Ukraine. Jetzt ist er neuer Vorarlberger Militärkommandant – und bringt reichlich Auslandserfahrung mit.
Schwarzach Die Koalition hat sich auf ein neues Modell für den Präsenzdienst verständigt: Auf die sechsmonatige Grundausbildung soll unmittelbar ein Monat mit Übungen folgen. Zwei weitere Monate Milizübungen werden später absolviert. Beim Zivildienst sind noch Details offen. Er soll zunächst neun Monate dauern, freiwillig verlängerbar sein und bei zu wenigen Präsenzdienern auf elf Monate ausgedehnt werden. Für die nötige Zwei-Drittel-Mehrheit wirbt die Koalition nun um FPÖ und Grüne. Finanziell sieht Finanzminister Markus Marterbauer das Vorhaben abgesichert.
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Die Wehrpflichtreform nimmt also Form an – zur Freude des neuen Vorarlberger Militärkommandanten Georg Dialer. Im VN-Interview für Vorarlberg Live betont er: Wichtig sei, dass sich mit der Reform die Einsatzbereitschaft erhöhe, indem wieder in Verbänden geübt werden kann. “Das ist das, was uns beim kurzen Wehrdienst fehlt. Das macht die Leistungsfähigkeit des Militärs aber aus.” Er sei zufrieden mit dem politischen Ergebnis, schließlich werde die Präsenzdauer erhöht und die Miliz wiederbelebt.

Dass der Zivildienst nicht auch verlängert wird, möchte er nicht kommentieren. Um junge Menschen zu werben, sei es wichtig, aufzuklären. “Es geht darum, ihnen zu erklären, worum es im Militär geht. Der Dienst an der Waffe, in der Gemeinschaft, gemeinsam Aufgaben erledigen, das prägt die Leute und gefällt ihnen. Sie erleben etwas, was sie anderweitig nicht erleben könnten.” Attraktivierung sei gut. Aber: “Wenn du das Militär so attraktiv machst, dass alle gestreichelt werden und es keine Zwänge mehr gibt, dann ist es kein Militär mehr.” Oft werde man erst rückblickend sehen, dass es eine tolle Erfahrung war.

Die Frage nach einer Frauenwehrpflicht müsse politisch beantwortet werden. “Aber ich bin natürlich ein Fan der allgemeinen Wehrpflicht, auch für Frauen.” Damit könnte man zunächst nur jene einziehen, die es wirklich wollen. “Man würde nicht alle auf einmal brauchen.”
Kampfschwimmer und Dschungelkampfkurs
Georg Dialer hat schon vieles erlebt. Er absolvierte einen Dschungelkampfkurs bei der Fremdenlegion. Er war im Jagdkommando, ist Kampfschwimmer, Fallschirmspringer, diente auf dem Balkan, in Afghanistan und Afrika. Zuletzt arbeitete er für das österreichische Bundesheer in der Ukraine.

Über seine dreijährige Zeit in Kiew könne er stundenlang reden, erzählt er. Die meiste Zeit sei es ruhig, die Menschen gehen essen, gehen in Cafés. “Je länger man dort ist, desto weniger reagiert man auf den Luftalarm.” Die Sirene erklinge mehrmals pro Tag, doch niemand gehe mehr in den Luftschutzbunker. “Man stumpft ab. Aber wenn natürlich ein Marschflugkörper oder eine Drohne in der Nähe einschlägt, dann macht das etwas mit einem.” Darum hat er einen Schlussstrich gezogen. Der 57-Jährige wechselte seinen Arbeitsort – jetzt sitzt er in Bregenz und findet ein gut ausgerüstetes Militärkommando vor.

Das war auch schon anders. Es ist erst sieben Jahre her, da berichtete Dialers Vorvorgänger Ernst Konzett über alte Pinzgauer im Dienst und fehlende Schutzausrüstung. 40 Schutzwesten und wenig Nachtsichtgeräte für das ganze Bataillon – das waren eindeutig zu wenig. Mittlerweile hat sich die Ausrüstungslage massiv entspannt, betont Dialer. Seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine sei mehr Geld dem Militär zugeflossen, “das ihm aus verschiedensten Gründen über Jahrzehnte vorenthalten wurde”, fährt Dialer fort. “Dadurch konnte die Ausrüstungslücke geschlossen werden.”
Im Video-Interview für Vorarlberg Live spricht Dialer ausführlich über die Zeit in der Ukraine, über seine Einschätzung zum Krieg und über den Schutz kritischer Infrastruktur im Land.