3,4 Millionen Euro für Sprachförderung – was kommt bei den Kindern an?

Die Zahlen zur Wirksamkeit der frühen Sprachförderung fallen überraschend aus.
Schwarzach Vorarlberg hat die frühe Sprachförderung in den Kindergärten ausgebaut. Fast 50 Vollzeitstellen stehen inzwischen dafür zur Verfügung, mehr als 1900 zusätzliche Personalstunden fallen pro Woche an. Trotzdem bleibt die gemessene Wirkung deutlich hinter dem Bundesziel zurück. Das geht aus der Antwort von Bildungslandesrätin Barbara Schöbi-Fink (ÖVP) auf eine Anfrage der Neos-Abgeordneten Claudia Gamon, Katharina Fuchs und Fabienne Lackner hervor.
Die Zahl der eingesetzten Vollbeschäftigungsäquivalente stieg von 39,03 im Kindergartenjahr 2022/23 auf 49,91 im Folgejahr und lag 2024/25 bei 49,13. Das entspricht laut Land mehr als 1900 zusätzlichen Personalstunden pro Woche. Gleichzeitig erhöhte sich die Zahl der Kinder mit festgestelltem Sprachförderbedarf von 2808 auf 3161, zuletzt waren es 3087. Für die Sprachförderung wurden 2024/25 rund 3,42 Millionen Euro aus Bundes- und Landesmitteln eingesetzt. Die Bundesmittel von rund 2,0 Millionen Euro wurden vollständig ausgeschöpft.
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Grenzen der Kennzahlen
Bei der Wirkungskennzahl zeigt sich jedoch ein anderes Bild. Sie lag 2022/23 bei 15,8 Prozent, 2023/24 bei 10,2 Prozent und 2024/25 bei 12,5 Prozent. Laut Neos gibt der Bund als Ziel vor, dass sich der Sprachförderbedarf innerhalb eines Kindergartenjahres um mehr als 40 Prozent verringert. Laut dem Bundesländervergleich in der Neos-Anfrage lag Vorarlberg damit zuletzt zweimal in Folge am Ende.
Das Land verweist allerdings auf Grenzen der Kennzahl. Sie erfasst nur, bei wie vielen vier- und fünfjährigen Kindern der Sprachförderbedarf bis zum Ende des Kindergartenjahres vollständig entfällt. Verbesserungen in einzelnen Sprachbereichen werden ebenso wenig berücksichtigt wie etwa die Förderintensität, das Ausgangsniveau, die Anwesenheitsdauer oder Zu- und Wegzüge. Genauere Auswertungen sollen nun für mehr Klarheit sorgen. Gemeinsam mit der Landesstatistik arbeitet das Land an Berichten auf Einrichtungsebene. Sie sollen zeigen, in welchen Sprachbereichen Kinder Fortschritte machen und wie sich ihr Förderbedarf entwickelt. Die Berichte sollen bis Jahresende vorliegen.
Nicht jedes Haus erhält Bundesgeld
Auch bei der Verteilung der Fördermittel zeigt sich ein Unterschied: Zuletzt erhielten 36 Prozent der Einrichtungen mit Kindergarten- oder Kleinkindgruppen zusätzliche 15a-Zweckzuschüsse. Voraussetzung waren mindestens vier Kinder mit Sprachförderbedarf und zusätzliches Personal. Gruppen mit weniger als vier Kindern wurden ausschließlich aus Landesmitteln unterstützt. Dennoch besuchten laut Land mehr als 90 Prozent der vier- und fünfjährigen Kinder mit Förderbedarf einen Kindergarten mit zusätzlichem Sprachförderpersonal.
Bei der Qualifikation der Fachkräfte hat sich wenig verändert: Der Anteil mit einschlägigem Lehrgang lag zuletzt zwischen 27 und 30 Prozent. Das Land verweist auf das begrenzte Ausbildungsangebot an der PH Vorarlberg: Rund 20 Personen können den Hochschullehrgang „Frühe sprachliche Förderung“ pro Jahr absolvieren. Das in der 15a-Vereinbarung festgelegte Ziel von 15 Prozent sei bereits erreicht.
Auch beim Schuleintritt Fragen
Eine weitere Kennzahl sorgt für Aufmerksamkeit: Der Anteil der außerordentlichen Schülerinnen und Schüler in der ersten Schulstufe stieg von 16,6 Prozent auf 19,6 Prozent und lag zuletzt bei 19 Prozent. Einen direkten Zusammenhang mit der Kindergarten-Sprachförderung stellt das Land nicht her. Die Einstufung und die schulische Deutschförderung liegen beim Bund; zudem wirken Faktoren wie Zuzüge, Aufenthaltsdauer und unterschiedliche sprachliche Ausgangslagen.
Die geltende 15a-Vereinbarung läuft mit dem Kindergartenjahr 2026/27 aus. Wie die Förderung danach ausgestaltet wird, ist noch offen.