Umfrage: Vorarlberg sorgt sich um Medikamentenversorgung

Politik / 08.10.2026 • 14:05 Uhr
Eine Vielzahl an Medikamenten kann zu Komplikationen führen. Die e-Medikation soll künftig für mehr Sicherheit sorgen.  apa
Ist die Versorgung mit Medikamenten gesichert? Die Vorarlbergerinnen und Vorarlberger bewerten das skeptischer als der Durchschnitt Österreichs.  APA

Der Austrian Health Report 2026 zeigt zudem: Frauen fühlen sich im Gesundheitssystem deutlich häufiger nicht ernst genommen.

Wien Die Vorarlbergerinnen und Vorarlberger blicken skeptischer auf die künftige Medikamentenversorgung als der Rest Österreichs. Das zeigt der Austrian Health Report 2026. Besonders auffällig ist für Studienleiterin Eva Zeglovits, Geschäftsführerin des Instituts für empirische Sozialforschung (IFES), die Sorge vor Versorgungsengpässen.

Österreichweit schätzen 37 Prozent die Medikamentenversorgung in den kommenden Jahren als sicher ein, in Vorarlberg nur 20 Prozent. Gleichzeitig erwarten 25 Prozent der Befragten österreichweit Versorgungsengpässe, in Vorarlberg 35 Prozent. “Ein Drittel ist schon relativ viel”, sagt Zeglovits.

Umfrage: Vorarlberg sorgt sich um Medikamentenversorgung
Eva Zeglovits ist Studienleiterin und IFES-Geschäftsführerin. APA

Abseits davon liegen die Einschätzungen in Vorarlberg meist nahe am österreichischen Durchschnitt. Eine weitere Abweichung gibt es jedoch bei der allgemeinen Bewertung des Gesundheitssystems: In Vorarlberg fällt sie mittiger aus – weniger Menschen bewerten es als großartig oder als furchtbar.

Frauen fühlen sich schlechter aufgehoben

Deutliche Unterschiede zeigt die Studie zwischen Frauen und Männern. Für Vorarlberg gibt es dazu wegen der zu kleinen Stichprobe keine aussagekräftigen Details. Österreichweit geben 44 Prozent der Frauen an, ihre Symptome würden gelegentlich oder häufig nicht ernst genommen – bei Männern sind es 23 Prozent. Mit dem Gesundheitssystem zufrieden oder sehr zufrieden sind 41 Prozent der Frauen, aber 56 Prozent der Männer. Über ein Drittel der Frauen berichtet zudem, Schmerzen oder Symptome seien als psychisch oder psychosomatisch abgetan worden; bei Männern sind es 15 Prozent.

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Auch beim “Mental Load” zeigt sich ein deutliches Gefälle: 67 Prozent der Frauen mit Partner sehen sich bei Gesundheitsfragen zu Hause selbst zuständig, 58 Prozent auch bei der Pflege Erkrankter. Bei Männern sind es 44 beziehungsweise 21 Prozent. “Mental Load ist mehr als nur eine endlose To-do-Liste”, sagt Barbara Haid, Präsidentin des Österreichischen Bundesverbands für Psychotherapie. Es bedeute, “24/7 dafür verantwortlich” zu sein, dass alles funktioniert, und könne zum psychischen Belastungsfaktor werden.

Bei Wechseljahren und Endometriose sieht Haid Aufklärungsbedarf. Nur ein Drittel fühlt sich über Wechseljahre gut oder eher gut informiert, bei Endometriose sind es 30 Prozent. Thomas Czypionka vom IHS sieht auch die Sozialpartner in der Pflicht. Das Gesundheitssystem und die Arbeitgeber müssten sich anpassen. Nicht ausreichend behandelte frauenspezifische Erkrankungen verursachten nicht nur menschliches Leid, sondern auch Kosten für das Gesundheitswesen.

Junge stärker psychisch belastet

Besonders auffällig ist die psychische Belastung junger Menschen: Während 39 Prozent der über 60-Jährigen ihren Zustand als sehr gut beschreiben, sind es bei den bis 29-Jährigen nur 20 Prozent. Haid will das nicht allein mit stärkerer Selbstdiagnose erklären. Zwar sei es gut, dass das Stigma abgenommen habe, zugleich habe sich die Belastung verändert: “Wir leben in einer unsicherer gewordenen Welt. Aber das wirkt sich auf junge Menschen stärker aus.” Auch Social Media könnte laut Czypionka eine Rolle spielen.

Ein anderer Gender-Aspekt zeigt sich bei Suiziden: Drei Viertel der vollzogenen Suizide betreffen Männer. Czypionka zufolge gestehen Männer Depressionen seltener ein und gehen seltener zur Vorsorge.

Zufriedenheit leicht rückläufig

Insgesamt bewerten 70 Prozent der Befragten ihre allgemeine Gesundheit als gut oder sehr gut – etwas mehr als im Vorjahr. Die Zufriedenheit mit dem Gesundheitssystem ist dagegen leicht rückläufig: 17 Prozent sind aktuell nicht zufrieden. Gleichzeitig sinkt das Vertrauen in die Medikamentenversorgung. Seit 2022 wird der Austrian Health Report vom Pharmakonzern Sandoz beim IFES in Auftrag gegeben.