Wartelisten werden kleiner – warum sich die Situation in den Heimen etwas entspannt

Politik / 15.10.2026 • 16:50 Uhr
Wartelisten werden kleiner – warum sich die Situation in den Heimen etwas entspannt
In Vorarlberg rüstet man sich nun mit neuen Wohnformen für die Zukunft. Senecura/Fasching

Auch die Zahl der Betten, die wegen Personalmangels leer stehen, sinkt beständig. Finanzen bleiben große Herausforderung.

Schwarzach Wer für sich oder seine Angehörigen ein Pflegebett benötigt, muss warten. Zuletzt standen 154 Vorarlbergerinnen und Vorarlberger auf der Warteliste für einen Dauerpflegeplatz in einem Heim. 96 Betten im Land stehen hingegen leer – 26 davon wegen Personalmangels. Die Lage entspannt sich langsam – und verändert die Strategie des Landes.

Die Zahlen stammen aus einer VN-Anfrage nach dem Informationsfreiheitsgesetz (IFG), zeigen den Stand im Sommer, der offenbart: Die Betten füllen sich. Die Zahl freier Betten war seit fünf Jahren nie so niedrig. Erstmals seit 2001 sind es weniger als 100 – bei insgesamt 2378 Betten in Vorarlberg. Auch die Warteliste ist so klein wie seit 2020 nicht.

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In der Care-Region Hofsteig/Rheindelta war die Warteliste im Sommer besonders lang: 44 Personen warteten auf einen Platz in der Dauerpflege. Das dürfte sich entspannen: In Hard stehen nach dem Umbau des Pflegeheims “In der Wirke” wieder alle Betten zur Verfügung, ein zusätzliches Heim wird geplant. Auch in Wolfurt steht ein Sozialzentrum auf der Neubauliste. “Tatsache ist: Wir brauchen mehr Betten”, hält Matthias Mathis, Geschäftsführer der Sozialdienste Wolfurt, fest. Die Situation habe sich in den vergangenen Jahren aber entspannt – vor allem aufgrund der Personalsituation.

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So sieht es auch Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher. “Die Ausbildungsoffensive wirkt.” Herbert Lins, Geschäftsführer der Seniorenbetreuung Feldkirch, ergänzt aber: “Im gehobenen Dienst ist es in der Langzeitpflege immer noch eine Herausforderung.” Das Durchschnittsalter der Bediensteten in der Langzeitpflege betrage 46 Jahre. Es gibt Sabbatregeln, Langzeitkrankenstände und weitere Herausforderungen, fährt Lins fort.

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Landesrätin Rüscher nimmt auch die Heime in die Pflicht. “Wir haben die Pflegefachassistenz eingeführt, die Aufgaben des gehobenen Dienstes übernehmen kann. Aber der gehobene Dienst muss auch bereit sein, diese Aufgaben abzugeben.” Die Ausbildung werde gut angenommen: Jedes Jahr kämen 120 Personen dazu.

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Auch die neuen Heimtarife würden zur Entlastung beitragen, ist Rüscher überzeugt. “Wir haben 18 Millionen Euro zusätzlich in die Heime investiert. Das trägt zur Entspannung bei. Und die Tarife sind jetzt wieder an die Auslastung gebunden. Ein leer stehendes Bett ist ein Nachteil für die Heimträger.” Matthias Mathis bestätigt: “Die Heimbetreiber bemühen sich, die Betten Ende des Monats voll zu haben, weil es sich auswirkt.” Allerdings könne man noch nicht beurteilen, wie die neuen Tarife finanziell zu Buche schlagen.

Derzeit würden die Auswirkungen untersucht, berichtet Herbert Lins, der auch Sprecher der Unternehmensleitungen im Landesverband der Heim- und Pflegeleitungen Vorarlbergs ist. Die Heime hätten dem Land ihre Einschätzungen zurückgemeldet; für eine endgültige Aussage sei es aber noch zu früh. “Die Zahlen sind noch nicht belastbar.” Positiv sei, dass die Heime weniger Förderanträge stellen müssten. “Wir kommen schneller zu Liquidität, die Planbarkeit hat sich verbessert.”

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Finanziell werde es dennoch herausfordernder. “Der Sozialfonds ist eingefroren. Bei drei Prozent Inflation kann uns das brutal betreffen.” Das müssten auch die Arbeitnehmer akzeptieren – denn die Lohnverhandlungen stehen wieder bevor. Sie starten kommenden Montag.

Die Landesregierung fühlt sich für die Zukunft gerüstet. “Zwei bis drei Heime werden wir noch brauchen, dann sind wir recht stabil aufgestellt”, sagt Rüscher. “Unser Fokus liegt mittlerweile darauf, alternative Wohnformen und betreutes Wohnen auszubauen.” Denn eines ist klar: Der Bedarf wird weiter steigen.

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