29 Prozent ohne Ausbildung oder Job

Politik / 18.10.2026 • 15:05 Uhr
29 Prozent ohne Ausbildung oder Job
Bei 15- bis 24-jährigen Frauen, die im Ausland geboren sind, stieß das IHS in Vorarlberg gar auf über 30 Prozent, die weder in in Beschäftigung, Ausbildung oder Trainings waren. APA

„NEETs“-Anteil ist bei neu zugewanderten jungen Leuten besonders groß. Was getan wird.

SCHWARZACH Ein Rundruf bei AMS, KOST, der Koordinationsstelle zur Umsetzung der Ausbildungspflicht bis 18, dem BIFO und etwa „Okay.zusammen leben“, der Projektstelle für Zuwanderung und Integration, lässt keinen Zweifel: In Vorarlberg wird viel getan, damit Jugendliche nicht auf der Straße stehen. Was auch notwendig ist: Der Anteil der 15- bis 24-Jährigen, die als sogenannte „NEETs“ bezeichnet werden und sich weder in Beschäftigung, Ausbildung oder Trainings befinden, ist im bundesweiten Vergleich überdurchschnittlich groß. Und zwar sowohl nach Migrationshintergrund als auch nach Geschlecht, wie das Institut für Höhere Studien (IHS) im Rahmen eines Forschungsprojektes auf Basis von Zahlen aus dem Jahr 2022 festgestellt hat.

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Bei Jugendlichen ohne Migrationshintergrund belief er sich hierzulande auf 10,5 Prozent, bei ebensolchen, die im Ausland geboren sind, hingegen auf 29,1 Prozent, wobei er bei Frauen mit 31,6 Prozent größer war als bei Männern (27,3 Prozent). Bei all jenen, die in zweiter Generation im Land sind, ist er mit 15,2 Prozent dann jedoch wesentlich kleiner.

In der Studie wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass etwa geflüchtete Jugendliche häufig über eine hohe Integrationsmotivation verfügen würden. Umso bemerkenswerter wirken die Zahlen, die in Vorarlberg um rund zwei Prozentpunkte über dem bundesweiten Niveau liegen. Eine Erklärung dafür ist, dass es hier um sehr viele geht, die außerdem keine homogene Gruppe bilden würden, wie Birgit Fiel von der Koordinationsstelle KOST betont: „Individuelle Voraussetzungen, Bildungsbiografien, sprachliche Kompetenzen, familiäre Rahmenbedingungen und berufliche Ziele unterscheiden sich erheblich.“

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Zum Teil muss man da erst draufkommen, was es braucht. Eva Grabherr hat mit ihrem Team von „Okay.zusammen leben“ vor einigen Jahren beispielsweise festgestellt, dass Angebote zum Erlernen von Deutsch als Bildungssprache fehlen, die sich speziell an Junge richten. Also habe man für ebensolche gesorgt – und durch konsequentes Dranbleiben schon über 2000 Jugendliche trainieren können.

Angelika Atzinger, Geschäftsführerin des Vereins Amazone, weiß aus dessen Beratungstätigkeit, wie sehr sich Lebensrealitäten unterscheiden. In Familien mit Migrationserfahrung werde von jungen Frauen mehr als von ebensolchen Männern erwartet, dass sie sich um jüngere Geschwister und den Haushalt kümmern: „Sie sind damit Mehrfachbelastungen ausgesetzt, die es ihnen erschweren, an herkömmlichen Ausbildungs- oder Qualifizierungsprogrammen teilzunehmen. Das führt oft dazu, dass sie sich zurückziehen.“

29 Prozent ohne Ausbildung oder Job
Zum Teil muss man erst draufkommen, was es braucht: Zum Beispiel Angebote zum Erlernen von Deutsch als Bildungssprache, wie Eva Grabherr vor Jahren festgestellt hat.Alexandra Serra

Bei praktisch allen Betroffenen, mit denen man zu tun habe, sei die Bildungsmotivation hoch, sagt Andreas Pichler vom BIFO, das sich um Bildung und Beruf für Jugendliche bemüht. Wie? Indem es auf jeden Einzelnen, der in die Beratung kommt, eingeht, schaut, welche Fähigkeiten vorliegen und welche Möglichkeiten bestehen: „Im Idealfall finden sie dann in eine Ausbildung hinein.“

Auch das AMS kümmert sich um „NEETs“. Ziel: Sie nicht bei der erstbesten Stelle, als Hilfsarbeiter etwa, unterzubringen, sondern fit für eine Lehre zu machen, wie Geschäftsführer Bernhard Bereuter betont: „Das kann schon einmal zwei Jahre dauern.“ Man wolle jedoch, dass sie sich nachhaltig gut entwickeln und nicht früher oder später wieder ohne Job dastehen.

29 Prozent ohne Ausbildung oder Job
Bei praktisch allen Betroffenen, mit denen man zu tun habe, sei die Bildungsmotivation hoch, sagt Andreas Pichler vom BIFO.Roland Paulitsch

Wobei auch die Wirtschaftslage mitspielen muss. Am Lehrstellenmarkt zeige sich das zunehmend, erklärt Birgit Fiel. So habe es zuletzt zum Teil mehr Lehrstellensuchende als offene Stellen gegeben. Darüber hinaus würden Angebot und Nachfrage nicht immer zusammenpassen. Sogar im Land der Lehre, wie Vorarlberg gerne genannt werde, zeige sich das: „Jugendliche haben es daher in wirtschaftlich schwierigeren Zeiten oftmals schwerer, einen geeigneten Ausbildungsplatz zu finden und dauerhaft in Ausbildung zu verbleiben.“