Vollzeit schützt Frauen in Vorarlberg nicht vor der Lohnlücke

Besonders groß ist der Unterschied bezüglich der Bezahlung bei Müttern. Vorarlberg liegt im Bundesländervergleich am Ende.
Schwarzach Gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit? Nicht in Österreich. Die Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern bleiben auch dann bestehen, wenn beide Vollzeit arbeiten. Das zeigt eine neue Analyse des Momentum Instituts anlässlich des Equal Pay Days am Donnerstag. Besonders groß ist die Lohnlücke in Vorarlberg: Vollzeitbeschäftigte Mütter verdienen hier 29 Prozent weniger als Väter. Damit weist Vorarlberg den höchsten Wert aller Bundesländer auf.
Der Equal Pay Day markiert jenen Tag, an dem Männer rechnerisch bereits so viel verdient haben, wie Frauen erst bis zum Jahresende verdienen. Heuer fällt er auf den 5. November, in Vorarlberg wurde er bereits am 13. Oktober erreicht. Damit ist das Land Schlusslicht im Bundesländervergleich.
“Der Gender Pay Gap wird seit Jahren mit Teilzeit und Familienphasen erklärt. Doch auch Frauen in Vollzeit bekommen in jeder Altersgruppe weniger als Männer in Vollzeit bezahlt”, sagt Sophie Achleitner, Gleichstellungsexpertin am Momentum Institut. Doch auch Frauen ohne Kinder verdienen in Vorarlberg deutlich weniger als Männer ohne Kinder. Bei ihnen beträgt die Lohnlücke 15 Prozent. Das ist ebenfalls der höchste Wert aller Bundesländer. Zum Vergleich: In Wien liegt die Lohnlücke bei kinderlosen Frauen bei vier Prozent, bei Müttern bei neun Prozent.
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Die Lücke wächst mit dem Alter
Unter 30-jährige Frauen in Vollzeit verdienen sieben Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. Bei den 30- bis 39-Jährigen sind es acht Prozent, bei den 40- bis 49-Jährigen bereits 16 Prozent. In der Gruppe der 50- bis 59-Jährigen steigt der Unterschied auf 18 Prozent.
Gleichzeitig arbeiten Frauen ab 30 deutlich seltener Vollzeit. Während bei den unter 30-Jährigen noch 65 Prozent der Frauen Vollzeit beschäftigt sind, sinkt dieser Anteil bei den 30- bis 39-Jährigen auf 44 Prozent. Bei den 40- bis 49-Jährigen sind es 41 Prozent.
Besonders stark wirkt sich die Elternschaft auf das Einkommen aus. Vollzeitbeschäftigte Mütter verdienen österreichweit im Schnitt 18,6 Prozent weniger als Väter in Vollzeit. Bei Frauen ohne Kinder beträgt der Abstand zu kinderlosen Männern immerhin noch 10,1 Prozent. Im jüngsten Alterssegment ist die Lücke bei Müttern sogar um 22 Prozentpunkte größer als bei Frauen ohne Kinder.
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Auch in Führungspositionen benachteiligt
Beruflicher Aufstieg garantiert keine faire Bezahlung. Denn die Unterschiede ziehen sich durch sämtliche Berufsgruppen und am größten ist die Lohnlücke bei Führungskräften. Frauen verdienen dort 23 Prozent weniger als Männer. Bei Technikerinnen und technischen Fachkräften sowie in der Land- und Forstwirtschaft beträgt der Unterschied jeweils 22 Prozent. Selbst bei Bürokräften liegt er noch bei zehn Prozent.
Besonders auffällig ist die Situation an der Spitze von Unternehmen und Verwaltung. Geschäftsführerinnen, Vorständinnen und Frauen in vergleichbaren Spitzenfunktionen verdienen um 33 Prozent weniger als Männer in denselben Positionen. Bei Müttern in diesen Funktionen beträgt der Unterschied sogar 38 Prozent.
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Lohntransparenz als Streitpunkt
Das Momentum Institut fordert deshalb verpflichtende Gehaltstransparenz, bessere Bezahlung in klassischen Frauenberufen, mehr Kinderbetreuung und eine verpflichtende Väterkarenz. Die EU-Lohntransparenzrichtlinie soll Einkommensunterschiede sichtbar machen und Betroffenen helfen, gleiche Bezahlung einzufordern. Auch SPÖ und Grüne sprechen sich für die Umsetzung der Richtlinie aus. Die ÖVP-Frauen gaben an, eine Umsetzung der Lohntransparenzrichtlinie zu unterstützen, wenn diese schrittweise und praxistauglich passiert. Die politische Abstimmung sei in Arbeit, der Ball liege beim Sozialministerium. Innerhalb der Bundesregierung fehlt allerdings weiterhin eine Einigung. Die Neos setzen vor allem auf den Ausbau der Kinderbetreuung. Die FPÖ fordert höhere Einkommen in klassischen Frauenberufen, wie beispielsweise in Pflege und Handel.