Eindrucksvolles Mühlviertel – Vierkanthöfe, Romantikhotel und Hopfen

05.05.2019 • 09:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
BEATE RHOMBERG

Das Granithochland im Norden von Oberösterreich ist voller Geschichten, Handwerk und Innovation.

Mühlviertel Die Region zwischen der Donau im Süden und dem Böhmerwald im Norden gehört zu den schönsten Österreichs. Einst direkt am Eisernen Vorhang gelegen, war das Mühlviertel Randgebiet des damaligen Westeuropas und touristisch kaum erschlossen. Heute erkunden immer mehr Besucher das Granithochland mit dem satten Grün und den sanften Hügeln, die an die Toskana erinnern und die Reste eines Gebirges bilden, das um viele Millionen Jahre älter ist als die Alpen. Wie kleine Burgen thronen auf den meisten Hügeln die wunderschönen Vierkanter oder typische Steinbloßhöfe aus Granitmauern, mit weißen, verputzen Fugen.

Ganz im Nordwesten des Mühlviertels, nur einen Steinwurf von der tschechischen Grenze entfernt, in Afiesl, hatten Anna und Franz Pürmayer schon viele Jahre vor dem Fall des Eisernen Vorhangs die Idee, Touristen anzulocken. Wo sich heute das bis über die Grenzen hinaus bekannte Romantikhotel Bergergut befindet, war früher eine Landwirtschaft und eine Weberei. „Mein Papa hatte Mitte der 60er-Jahre die Vision, Fremdenzimmer für die Sommerfrische zu vermieten und fuhr mit seinem blauen VW-Käfer einfach durch Deutschland und bis nach Berlin, um bei den Reisebüros für Urlaub in Afiesl zu werben“, erzählt die heutige Geschäftsführerin Eva-Maria Pürmayer, die den Betrieb im Jahr 2016 von ihren Eltern übernommen hat. Mit Erfolg, denn tatsächlich trudelten nach und nach immer mehr Gäste ein und so entstand aus der Landwirtschaft Ende der 80er-Jahre ein Kinder- und Familienhotel. Dass ihre Eltern ein Gespür für Trends haben, bewiesen sie Mitte der 90er-Jahre noch einmal, indem sie das Familienhotel in ein Romantikhotel für Paare umwandelten. „Damals war das ein Skandal. Vor allem eines unserer beliebtesten Zimmer, die Teufelsgrotte, sorgte bei den Leuten im Ort für Empörung“, erinnert sich die junge Chefin des heutigen Genießerhotels mit einem Schmunzeln an ihre Kindheit zurück. Neben einem weiteren Hotel, diesmal speziell für Singles, eröffnete Franz Pürmayer auch eine eigene Brauerei, denn kaum eine Region Österreichs hat eine so ausgeprägte Braukultur wie das Mühlviertel, das mit 135 Hektar Österreichs größtes Anbaugebiet für Hopfen ist.

Mit den kühlen Nächten eignet sich das Mühlviertel gut für Hopfenanbau. Shutterstock
Mit den kühlen Nächten eignet sich das Mühlviertel gut für Hopfenanbau. Shutterstock

„Dass sich gerade die Mühlviertler so stark auf das Thema Bier spezialisiert haben, ist wohl kein Zufall. Durch den Granitboden ist das Wasser besonders rein und weich und damit ideal zum Bierbrauen. Dazu kommt der hochwertige Hopfen aus der Region, der unserem Bier eine ganz besondere Note verleiht“, weiß Braumeister Reinhard Bayer von der Stiftsbrauerei Schlägl, wo seit über 400 Jahren Bier gebraut wird. Schon fast doppelt so lange stellt das Stift das geistliche Zentrum im Oberen Mühlviertel dar. Heute ist es zudem mit 200 Mitarbeitern in der Forstwirtschaft, der Werkstatt und der Brauerei einer der großen Arbeitgeber der Region. „Für unser Bier verwenden wir ausschließlich österreichischen Hopfen, denn der ist sehr würzig und eignet sich optimal für unsere unterschiedlichen Biersorten“, so Bayer. Neben den klassischen Bieren wird im Stift auch immer wieder experimentiert. So entstand beispielsweise ein Bio-Roggenbier oder in Zusammenarbeit mit zwei weiteren Brauereien und dem Biersommelier-Weltmeister Karl Schiffner, der vor einigen Jahren mit dem Bio-Leinsamenbier eine neue Bierspezialität kreierte, ein Biercuvée aus vier Sorten. Ein klares Zeichen der langjährigen und intensiven Zusammenarbeit der innovativen Mühlviertler Bier-Vordenker.

Gelebtes Handwerk

Auch abseits der Bierproduktion wird das Handwerk im Mühlviertel bis heute gelebt. So zum Beispiel in der traditionellen Leinenweberei, als deren Nebenprodukt zahlreiche Ölmühlen entstanden, in denen noch heute das aromatische Leinöl erzeugt wird, wie etwa in der Mühlviertler Ölmühle in Haslach, wo Besucher auf Nachfrage auch eine Führung bekommen. Auch der Blaudruck, eine alte Tradition, die ursprünglich aus Asien kommt, wird im Mühlviertel von der Blaudruckerei Wagner in Bad Leonfelden heute noch praktiziert.

Und dann ist da natürlich noch die großartige Mühlviertler Hausmannskost mit ihren vielen verschiedenen Knödeln, dem Schweinsbraten, dem Speck und dem ausgezeichneten Most. Eine Reise in den Norden Österreichs lohnt sich also in jedem Fall.

Mühlviertel

Bundesland Oberösterreich

Lage Von der Tschechischen Grenze bis zum Linzer Stadtteil Urfahr

Bevölkerung 208.083 Einwohner

Gemeinden 120

Übernachten Hotel Bergergut, www.romantik.at

Granitpilgern Alle Infos und Route auf www.granitpilgern.at