Erholung im Spreewald

Reise / 09.08.2019 • 11:18 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Von adligen Erben, traditionsbewussten Kahnfahrmännern mit Nachwuchssorgen und findigen Gurkenkönigen.

Heiß ist es in Deutschland. Und rund um Berlin ist es am heißesten. Da flüchten die Menschen gerne in den Spreewald. Dahin, wo es grün ist und wo vom Wasser her ein frisches Lüftchen weht. Dahin, wo im TV seit 2006 der Kommissar Krüger ermittelt. Jetzt im Sommer herrscht im 1575 km² großen Spreewalder Wasserreich Hochbetrieb – fast wie in den besten Zeiten auf dem Nil. Die Fährmänner und –frauen haben Mühe, ihre Kähne aneinander vorbei zu staken, und vor dem liebevoll möblierten Freilichtmuseum Lehde legen sie auch in zweiter Reihe an.

Volker Buchan (54) ist Kahnfährmann wie sein Vater, seine drei Brüder und die Schwägerin. „Das ist kein Beruf, sondern eine Tätigkeit“, erklärt der Mann mit dem langen Stab bedächtig. „Wenn man hier aufgewachsen ist, rutscht man da ganz automatisch rein.“ Schon lange kann er sich keine andere „Tätigkeit“ vorstellen, auch wenn die Arbeit nicht immer einfach ist. „Man muss sich auf die Gäste einstellen, die Kahnfahrt zum Erlebnis machen“, sagt der Familienvater. Dass seine ältere Tochter (31) kein Interesse hat, schmerzt ihn. Noch hofft er auf die Jüngere (23), aber: „Jeder lebt halt in seiner Zeit.“ Schade fände er es trotzdem, wenn er der letzte Kahnfährmann in seiner Familie wäre. Im Spreewald hält man schließlich auf Tradition. Selbst das Sorbische, unter Bismarck verboten, feiert fröhliche Auferstehung. Die Straßenschilder sind zweisprachig und schon im Kindergarten wird sorbisch gelernt.

Rochus Graf zu Lynar spricht zwar noch nicht sorbisch, aber er fühlt sich der Tradition verpflichtet. Der Herr auf Schloss Lübbenau, blond mit randloser Brille, ist in Portugal aufgewachsen. Seine Familie hat den Besitz nach der Wende übernommen. „Historische Besitztümer sind sehr unflexibel“, sagt der adlige Betriebswirt, aber „wir sind preußisch-traditionell und stehen zu unserem Erbe.“ Dass es heute noch steht, ist den Lübbenauer Bürgern zu verdanken. In der DDR war das 1820 erbaute Haus Lazarett, später Kinderheim. In den 1970-iger-Jahren sollte das baufällige Gebäude gesprengt werden. Das