Auf leisen Sohlen in Osttirol

Reise / 27.12.2019 • 09:48 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

In den Stuben im Tal schimmert bereits das Licht, wenn die Schneeschuhwanderer die abendliche Natur entdecken.

So kalt kann es gar nicht sein, als dass die aufkommende Stille nicht bis ins Innerste wärmt. Wenn das Tageslicht vor den länger werdenden Schatten weicht, die Tannen und Fichten dunkler und größer werden. Wenn’s stad wird ringsum. Wenn nichts mehr zu hören ist als der Atem und der knirschende Schnee unter den Sohlen. Während einer Schneeschuhtour zur blauen Stunde zeigt sich die Bergwelt Osttirols von einer ganz besonderen Seite. Mit der letzten Gondel des Tages fahren die Wanderer am Zettersfeld nach oben, montieren ihre Schneeschuhe und los geht’s. In den Sonnenuntergang hinein. Vom Hochschober bis zum Seichenkopf wandert der Blick über die verschneiten Gipfel der Schobergruppe, die untergehende Sonne taucht die markanten Spitzen der Lienzer Dolomiten und der Drei Zinnen auf der Südtiroler Seite in letztes glühendes Licht. Hier und da sind Spuren im Schnee zu entdecken. Der begleitende Ranger weiß genau, welches Tier sie hinterlassen hat. Geduldig beantwortet er alle Fragen. Dann geht’s weiter, ganz gemächlich. Denn nur dann ist vielleicht noch ein Blick auf eine Gämse oder zwei zu erhaschen.

Jede Tour ist einzigartig

Ranger Andreas Angermann begleitet solche Schneeschuhtouren seit 17 Jahren. Welche war die schönste? Er überlegt – und kann es nicht sagen: „Jede Tour ist anders“, sagt er. „Jede ist für sich ein Highlight.“ Nur im vergangenen Jahr, da kreiste in Prägraten erst ein Bartgeier über ihnen, dann waren es zwei, dann drei. In ganz Österreich werden nur 25 gezählt. „Das war ein besonderer Moment.“ Und dann gab es noch diese eine Tour, drinnen in Defereggen. Da zog die Gruppe morgens bei minus 26 Grad los. Aber weil der Wind nicht geweht hat, ging es gut. Ein Kind war dabei, es gab keine Klagen, im Gegenteil. Der kleine Marsch durch die gefrorene Natur war für alle ein zauberhaftes Erlebnis.

Teuer ist der Spaß nicht: Für die Nationalparktouren ist die Leihgebühr für die Schneeschuhe im Preis inbegriffen. Fürs Gleichgewicht ist es sinnvoll, noch ein Paar Stöcke