Der Herbst im Kaiserwinkl

Reise / 08.10.2021 • 12:19 Uhr
Der Herbst im Kaiserwinkl

Die Klobensteinschlucht lässt sich beim Wandern oder beim Raften auf der Tiroler Ache erkunden.

Vor dem Biergarten an der Wallfahrtskapelle Maria Klobenstein weist ein Schild darauf hin, dass kein Platz mehr frei ist. Kein Wunder an diesem goldenen Herbsttag, der für viele nasse Tage im Sommer entschädigt. Auch auf dem Weg zur Kapelle und den Aussichtspunkten drängen sich die Wanderer. Und jetzt muss man anstehen, wenn man sich durch den Spalt zwischen den beiden riesigen Felsbrocken zwängen will, denen die Kapelle aus dem 18. Jahrhundert wohl ihre Existenz verdankt. Naturführer Andreas Schwendtner kennt eine Legende dazu: Im Angesicht eines Felssturzes habe sich eine Kräuter sammelnde Bäuerin auf die Knie geworfen und die Muttergottes um Hilfe angefleht. Daraufhin habe sich der Felsen gespalten und sei links und rechts der frommen Frau hinunter zur Tiroler Ache gekracht. Bis heute hat dieser gigantische gespaltene (geklobte) Felsblock etwas Magisches. Wer den Spalt durchquert, ohne die Felsen zu berühren, so heißt es, der habe einen Wunsch frei. Von diesem Versprechen fühlen sich an diesem Tag viele Besucher angesprochen, mehr jedenfalls als von der schönen Kapelle mit ihrem Marienbild und von dem „heilsamen Wasser“, das aus einem Brunnen unterhalb der Lourdes-Kapelle sprudelt und das bei Augenleiden helfen soll. Die meisten Wanderer sind auch nicht auf Wallfahrt, sie sind über den Schmugglerweg zu der Wallfahrtskapelle gekommen, die an der Grenze zwischen Bayern und Tirol steht, was des öfteren für Grenzstreitigkeiten sorgte. Dass der Schmugglerweg seinen Namen zu Recht trägt, bestätigt der rotbärtige Andi. Vor allem Vieh, Schnaps und später Kaffee seien über die tirolerisch-bayerische Grenze geschmuggelt worden. Als Kind habe er selbst Butter und Käse im Rucksack geschmuggelt, erzählt er, und deshalb kenne er jede Biegung auf dem Weg. Damals freilich gab es die Hängebrücke noch nicht, unter der in der Tiefe die Tiroler Ache schäumt. Auch die beiden weit über den Fluss ragenden Aussichtsplattformen auf dem Weg sind neu. Neu ist auch die Schmugglerkarte, die zu einer spielerischen Erkundung des sagenhaften Wegs einlädt.