
im Art Déco Stil. Edith Rhomberg (6)
ein kleiner Mann in dunkelbrauner Montur neben mir. Seine Schritte absorbiert der überall verlegte Teppich mit dickem Flor. „Ich bin Rommel, Ihr Kabinen-Stewart“, stellt er sich vor. Meinen Vornamen kennt er schon, und im Laufe der Tage erfahre ich mehr über ihn und seine Familie auf den Philippinen. Seit elf Jahren mache er den Job, jeweils neun Monate am Stück, ohne einen freien Tag. Er beklagt sich nicht, wenn die Arbeit, seine 14 Kabinen täglich zu reinigen, auch hart sei. Die Verdienstmöglichkeit auf dem Schiff sei gut. Das Opfer, fern von Frau und Kindern zu sein, bringe der 43-Jährige, damit die Tochter Zahnmedizin und der Sohn Architektur studieren könne. „Wir sind zufrieden“, sagt er, und seine lächelnden Augen bestätigen es.
Rommels Gäste kommen aus aller Welt, sind Briten, US-Amerikaner, Australier, Südamerikaner, Inder oder Japaner. Österreicher, Deutsche und Schweizer sind ebenfalls gern gesehen. Englisch ist die an Bord hauptsächlich gesprochene Sprache, auch in den diversen Restaurants und Bars. Drei Damen aus Peru bestehen darauf, das Bier im Restaurant Lido, ihr Cerveza eben, auf Spanisch zu bestellen. Es funktioniert.
Kreuzfahrt für Tanzbegeisterte
Und dann ist da der Ballroom. „Was nützt mir ein viel größeres Schiff, wenn es keinen Ballroom hat“, stellt Wendy Olsen ihre Priorität klar. Die 62-Jährige ist erfolgreiche Unternehmerin. Unter dem Label „Dancers at Sea“ bietet ihr Reisebüro in Atlanta, Georgia, jährlich bis zu neun Kreuzfahrten speziell für Tanzbegeisterte an. „Meine Kunden finden mich über Google oder buchen bei uns auf Empfehlung“, erklärt sie das Geschäftsmodell. Wendy Olsen und ihr Team aus professionellen Trainern bringen zwischen 30 und 70 Gäste an Bord. Im Tanzsaal lernen oder perfektionieren sie ihren Stil. „Es gab schon zwei Hochzeiten unter unseren Tanzpaaren“, freut sich Wendy. Über die Zukunft mache sie sich keine Sorgen, sagt sie. Ihre Tochter und ihren Enkel habe sie bereits als Nachfolger auserkoren. Nicht nur das Abschalten, auch das Tanzen auf hoher See geht also weiter.