
Die Schildkröteninsel Poilão ist eine dieser heiligen Inseln der Bijagos. Deshalb darf das Inselinnere nur von Menschen betreten werden, die den Fanado mitgemacht haben. Wer als Fremder kommt, muss am Strand bleiben. Das macht den Aufenthalt schwierig, aber nicht unmöglich. Das ökologisch betriebene Orango Parque Hotel bietet einen Ausflug nach Poilão an. Das Hotel liegt auf der Insel Orango im gleichnamigen-Nationalpark, der wiederum zum 1996 ausgerufenen Unesco-Biosphärenreservat gehört, das den artenreichen Bijagos-Archipel mit 88 Inseln vor der Küste Guinea-Bissaus umfasst. Betrieben wird die Unterkunft von der Schweizer MAVA-Stiftung und der spanischen Umweltschutzorganisation CBD-Habitat Foundation. Zusammen mit IBAP, dem staatlichen Umweltschutzamt Guinea-Bissaus, betreuen sie den Orango Nationalpark, unterstützen die lokale Bevölkerung und wollen mit dem Hotel den Öko-Tourismus fördern.
Beeindruckendes Naturschauspiel
Wer eine Tour nach Poilão bucht, muss auf Komfort verzichten, doch die Belohnung ist garantiert – wenn auch zeitlich unberechenbar. Die Schildkröten kommen meist nachts an Land. Doch auch Ebbe und Flut beeinflussen die Tiere. Und so rufen die Guides mal mitten in der Nacht oder wenn gerade das Abendessen auf dem Campingtisch dampft. Sofort stürzen alle los, um zu sehen, wie Hunderte von geschlüpften Baby-Schildkröten Richtung Meer robben oder wie eine gewichtige Mama sich den Strand hochschleppt, ein Loch buddelt und später ihre tischtennisballgroßen Eier ablegt. In der Nacht gelten besondere Regeln. Schildkröten orientieren sich auf ihrem Weg am Licht. Ein normaler Taschenlampenschein würde sie in die Irre führen, so dass nur rotes Licht erlaubt ist. Das Trüppchen Naturbeobachter ist nachts also mit roten Stirnlampen ausgerüstet und zieht wie eine Schar Aliens im Gänsemarsch durch den Sand, bis eines der eierlegenden Panzertiere gefunden ist. Eile ist nicht geboten, denn die Prozedur kann sich über mehrere Stunden hinziehen. Viel Schlaf finden die Gäste auf Poilão nicht, doch das Schauspiel entschädigt alle.