„Ich bin kein Papst mehr, ich bin nur noch ein Pilger“

Spezial / 28.02.2013 • 22:15 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Als Papst ein letztes Mal vor Pilgern und Touristen: Benedikt XVI. in der Sommerresidenz Castel Gandolfo, wo er die nächsten zwei Monate verbringen wird. Foto: DAPD
Als Papst ein letztes Mal vor Pilgern und Touristen: Benedikt XVI. in der Sommerresidenz Castel Gandolfo, wo er die nächsten zwei Monate verbringen wird. Foto: DAPD

Benedikt verabschiedete sich in Castel Gandolfo als Pontifex: „Gute Nacht“.

Vatikanstadt. Historische Zäsur für die katholische Kirche und ein bewegender Abschied aus Rom: Wenige Stunden vor dem Ende seiner Amtszeit verließ Papst Benedikt XVI. gestern den Vatikan und versprach seinem Nachfolger „bedingungslose Hochachtung und Gehorsam“. Der 85-Jährige flog mit seinem Privatsekretär Georg Gänswein im Hubschrauber in die Sommerresidenz Castel Gandolfo, wo er die kommenden zwei Monate leben will. Sein knapp achtjähriges Pontifikat endete am Abend um 20 Uhr.

Tränen nicht nur bei Gänswein

Begleitet von Applaus stieg Benedikt im Innenhof hinter dem apostolischen Palast in einen Wagen und fuhr zum Helikopter-Startplatz im Vatikan. Er hob die Arme zum Gruß und stieg dann in die Maschine. Zuvor bereiteten ihm Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone, Mitarbeiter der Kurie und die Schweizer Garde einen emotionalen Abschied. Nicht nur Gänswein bekam feuchte Augen.

Nachdem die Gruppe um 17.07 Uhr gestartet war, verabschiedete Rom Benedikt mit Glockenschlägen. Um 17.23 Uhr landete der Helikop­ter in Castel Gandolfo südlich von Rom. In dem kleinen Städtchen wurde er von Hunderten Menschen begeistert empfangen. Als letzte öffentliche Handlung seiner Amtszeit trat Benedikt um 17.38 Uhr auf die Loggia des Palastes und grüßte die Gläubigen: „Ich bin kein Papst mehr, ich bin nur noch Pilger“, sagte er. Und dann: „Gute Nacht.“

Nun beginnt die Zeit der Sedisvakanz („leerer Stuhl Petri“), bis ein neuer Papst gewählt wird. Im Laufe des heutigen Tages sollen die Kardinäle aufgefordert werden, sich in Rom zu versammeln. Der Vatikan geht davon aus, dass sich das Kollegium dann Anfang nächster Woche trifft, um die Wahl eines neuen Papstes vorzubereiten.

Die letzten Stunden im Vatikan nutzte Benedikt für ein persönliches Treffen mit den Kardinälen, von denen er sich voller Demut verabschiedete. Seinem Nachfolger versprach er „bedingungslose Hochachtung und Gehorsam“. Der 85-Jährige, der seinen Rücktritt am 11. Februar angekündigt und mit schwindenden Kräften begründet hatte, betrachtete seine letzten Stunden im Amt als normalen Arbeitstag.

Auch seinen letzten Tweet als Oberhaupt der katholischen Kirche verschickte Benedikt um 17.00 Uhr. „Danke für eure Liebe und Unterstützung. Ich wünsche, dass ihr immer Freude dabei erfahrt, Christus in die Mitte eures Lebens zu stellen“, schrieb er. Der Account soll zunächst stillgelegt werden, bis Benedikts Nachfolger entscheidet, ob er unter dem Namen „@Pontifex“ weiter twittern will.

Ich verspreche bedingungslosen Gehorsam.

Benedikt XVI.