FPÖ in Kärnten zertrümmert

Minus 27,8 Prozentpunkte bei Landtagswahl: Machtwechsel zugunsten der SPÖ.
Wien, Klagenfurt. (VN) Nach 24 Jahren können die Sozialdemokraten in Kärnten in Zukunft wieder den Landeshauptmann stellen. Die Partei mit Spitzenkandidat Peter Kaiser landete gestern bei der Landtagswahl mit 37,1 Prozent auf Platz eins. Die Freiheitlichen mussten die Führung, die sie unter Jörg Haider errungen und dann nach seinem Tod noch ausgebaut hatten, dagegen abgeben. Sie erlitten gestern den größten Verlust, den es in der Geschichte der Zweiten Republik bei einer Nationalrats- oder Landtagswahl je gegeben hat: Mit einem Minus von 27,8 Prozentpunkten stürzten sie auf 17,1 Prozent ab. „Mit so einer Niederlage habe ich nicht gerechnet“, gestand der scheidende Landeshauptmann Gerhard Dörfer (FPK). „Gerhard Dörfler ist durchgerasselt, ich bin Landeshauptmann außer Dienst.“
Die Kärntner Freiheitlichen waren zuletzt als Teil der FPÖ, aber mit eigener Bezeichnung (FPK) aufgetreten. Damit soll Schluss sein, wie FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache andeutete: Die Partnerschaft bestehe „in besseren und schlechten Zeiten“, aber es sei ein „logischer, konsequenter und richtiger Schritt“, künftig unter gemeinsamer Bezeichnung aufzutreten. Das Wahlergebnis bezeichnete Strache als „persönlich sehr enttäuschend“.
SPÖ-Spitzenkandidat Kaiser erhob gestern umgehend Anspruch auf den Landeshauptmann-Posten. Dörfler, aber auch Vertreter anderer Parteien, kündigten umgehend an, ihn zu unterstützen. Die Wahl durch den Landtag ist damit wohl nur noch Formsache.
Stimmenverluste hinnehmen musste in Kärnten auch die ÖVP. Mit minus 2,6 Prozentpunkten hält sie noch 14,2 Prozent. Landesobmann Gabriel Obernosterer zeigte sich dennoch zufrieden: Nachdem seine Partei im Zentrum der Causa Birnbacher gestanden war und sein Vorgänger Josef Martinz nach einer gerichtlichen Verurteilung hatte zurücktreten müssen, hätte er Schlimmeres befürchtet.
Grüne verdoppelten sich
Von den zahlreichen Skandalen, die das Land seit Monaten erschüttern, als Aufklärer profitiert haben dagegen die Grünen: Sie verdoppelten ihren Stimmenanteil und erreichten 11,8 Prozent.
Auf Anhieb 11,3 Prozent schaffte das Team Stronach mit dem Spittaler Bürgermeister und ehemaligen Sozialdemokraten Gerhard Köfer als Spitzenkandidat. Das BZÖ war mit Bundesparteichef Josef Bucher angetreten – mit 6,5 Prozent wird es als sechste Partei im Landtag vertreten sein.

