Zypern-Pleite erst mal vom Tisch

Spezial / 25.03.2013 • 22:51 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Zypern vorerst gerettet. Als Finanzplatz ist die Insel erledigt. Kleinsparer beruhigt.

Brüssel, Nikosia. Abgekämpft präsentierten die EU-Verantwortlichen die Ergebnisse zwölfstündiger Krisenberatungen zu Zypern. Das kleine Land im Mittelmeer wird vor dem Staatsbankrott bewahrt, doch der Preis ist hoch. Die Laiki-Bank als zweitgrößtes Geldhaus der Insel macht sofort dicht und wird zerschlagen. Der überlebensfähige Teil – inklusive der gesicherten Guthaben unter 100.000 Euro – wird auf die Cyprus Bank übertragen. Der Rest wird in eine „Bad Bank“ ausgelagert, auch nicht bediente Bankkredite. Somit verlieren alle großen Gläubiger von Laiki ihre Forderungen ersatzlos, insgesamt geschätzte 4,2 Milliarden Euro.

„Wir gehen die Probleme da an, wo sie aufgetaucht sind: bei den großen Banken“, resümierte Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem am frühen Montagmorgen. „Die Laiki-Bank kann nicht gerettet werden“, lautet sein Urteil. Die beiden Geldhäuser beherrschen etwa 80 Prozent der zyprischen Branche. Gerade bei der Bank of Cyprus wurden in der Vergangenheit immer wieder Schwarzgeldguthaben russischer Oligarchen vermutet.

Mit den hohen Einbußen dürfte das Vertrauen ausländischer Anleger in die Insel-Banken vorerst zerstört sein, lautet die Vermutung in Brüssel. Die Auswirkungen auf Menschen und Wirtschaft der Insel sind kaum abzusehen. „Es wird harte Zeiten geben“, orakelt EU-Währungskommissar Olli Rehn.Der Den Haager Kassenhüter Dijsselbloem bügelte mit der Vereinbarung des Hilfspakets von zehn Milliarden Euro einen schweren Patzer von Mitte März aus. Damals beschloss die von ihm geführte Eurogruppe eine gestaffelte Zwangsabgabe auf zyprische Bankguthaben – das hätte auch Kleinanleger getroffen. Dieser Schritt löste in ganz Europa Empörung aus.

Es entstand der Eindruck, Sparkonten in der EU seien nicht mehr sicher. Dieser Angst treten die EU-Verantwortlichen nun entgegen: Zyprische Guthaben unter 100.000 Euro werden nicht angegriffen.

Hartes Urteil

Fazit: Die Euroländer haben zwar einen riesigen Rettungsschirm mit einem Stammkapital von 700 Milliarden Euro aus dem Boden gestampft, doch beim Krisenmanagement hapert es gewaltig. So könne nicht in der EU gehandelt werden, kritisiert EU-Parlamentschef Martin Schulz: „Den Verhandlungen fehlte Transparenz, demokratische Rechenschaft und sie wurden schlecht kommuniziert.“

Wir gehen die Probleme da an, wo sie aufgetaucht sind: bei den großen Banken.

Jeroen Dijsselbloem

Das Rettungspaket

» Zypern hat sich mit den übrigen Euro-Staaten auf ein Rettungspaket über 10 Milliarden Euro geeinigt.

» Die zweitgrößte Bank der Insel wird abgewickelt, ihre Überreste werden mit dem größten Institut fusioniert.

» Vermögen von mehr als 100.000 Euro werden zur Sanierung des Finanzsektors herangezogen, den Besitzer drohen hohe Verluste.