Alltag im Schatten des Coronavirus

Spezial / 02.02.2020 • 22:27 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Auf vielen Flughäfen müssen sich China-Heimkehrer derzeit auf eine desinfizierende Dusche gefasst machen. Alex Hefel (r.) indes ist froh, dass er zwei virusfreie Wochen in Vorarlberg genießen kann. afP
Auf vielen Flughäfen müssen sich China-Heimkehrer derzeit auf eine desinfizierende Dusche gefasst machen. Alex Hefel (r.) indes ist froh, dass er zwei virusfreie Wochen in Vorarlberg genießen kann. afP

Auch Alex Hefel aus Schwarzach hat China inzwischen verlassen.

schwarzach, wien Das neu aufgetauchte Coronavirus ist drauf und dran, Angst und Schrecken zu verbreiten. Die wachsende Zahl an Infektionen und Todesfällen in China veranlasst immer mehr Länder, ihre Staatsbürger zurückzuholen. Am Wochenende wurden auch sieben Österreicher, unter ihnen der Konsul, aus dem chinesischen Epidemiegebiet ausgeflogen. Sie landeten am Sonntagabend in Wien-Schwechat. Eine Transportmaschine des Bundesheers hatte sie von einer französischen Luftwaffenbasis abgeholt. Die Österreicher gelten als gesund, sie werden trotzdem in Quarantäne geschickt, heißt es von Seiten des Außenministeriums. Während des Transports trugen alle Passagiere einschließlich der Crew sowie der begleitenden Experten als Vorsichtsmaßnahme einen Atemschutz.

Empfehlung befolgt

Ebenfalls wieder zu Hause ist Alex Hefel (29) aus Schwarzach. Er arbeitet seit vier Jahren in Schanghai als Marketing-Manager einer Agentur, die Wachstumsstrategien für international tätige Unternehmen entwickelt. „So gut wie jeder aus meinem Bekanntenkreis hat sich entweder in seiner Wohnung verbarrikadiert oder ist bereits ausgereist“, berichtete Hefel vergangene Woche im VN-Gespräch. Jetzt hat auch er seine Koffer gepackt und Shanghai vorerst den Rücken gekehrt. Zum einen hätte Alex Hefel diese Woche ohnehin Urlaub gehabt, zum anderen verlängerte die Regierung aufgrund der schwierigen Situation die Feiertage. „Deshalb bleibt auch die Agentur eine Woche länger geschlossen“, erklärt Hefel. Der Rückflug in die Heimat erfolgte auf dringende Empfehlung seines Dienstgebers. Als eine der wenigen Fluglinien hat Emirates seine Flüge von und nach China noch nicht eingestellt. „Diese Möglichkeit nützte ich zur Ausreise“, erzählt Hefel und ergänzt: „Es sind so ziemlich alle meine Bekannten inzwischen ausgeflogen.“ Zuletzt habe auch ihn die Verunsicherung gepackt, räumt er ein.

Dreimal Fieber messen

Bis er allerdings im Flieger saß, der ihn nach Dubai und von dort nach Zürich bringen sollte, dauerte es. „Dreimal wurde auf dem Weg dorthin bei den Passagieren das Fieber gemessen“, beschreibt Alex Hefel eine der Vorsichtsmaßnahmen, die auf chinesischen Flughäfen seit Ausbruch des Coronavirus zum Standard gehören. Obwohl Schanghai gut 2000 Kilometer von der Krisenregion Hubai entfernt liegt, hat das Virus mittlerweile die 24-Millionen-Einwohner-Metropole erreicht. „Es gibt auch hier Infizierte“, bestätigt Hefel. Als Folge davon ist vieles geschlossen. Geschäfte, Kinos, Bars, Restaurants: „Schanghai mutet wie eine Geisterstadt an“, sagt der Schwarzacher. Probleme mit der Lebensmittelversorgung habe es trotzdem nie gegeben. „In einigen Premium-Supermärkten fanden sich zwar ein paar leere Regale, aber man kriegt noch alles.“

Woran es tatsächlich mangelt sind offenbar Schutzmasken. „Jeden morgen bilden sich lange Schlangen vor den Apotheken, und die Schutzmasken sind dann meistens schon in den frühen Morgenstunden ausverkauft“, beschreibt Hefel den Alltag im Schatten des Coronavirus. Der drückt auch auf die Stimmung der Bevölkerung. Die sei immer noch getrübt, vor allem wegen der Ungewissheit, von Panik könne momentan jedoch keine Rede sein. Alex Hefel selbst will aller Virenprobleme zum Trotz ebenfalls wieder nach China reisen. Der Rückflug ist für den 15. Februar 2020 gebucht. Fürs erste wird er in Schanghai aber ein paar Wochen von zu Hause aus arbeiten. VN-MM

„Die Schutzmasken sind meistens in den frühen Morgenstunden schon ausverkauft.“