Marc Girardelli

Kommentar

Marc Girardelli

Hirscher allein auf weiter Flur

Sport / 23.12.2013 • 21:50 Uhr

Was Marcel Hirscher in den letzten zehn Tagen gelungen ist, ist vor ihm nur wenigen geglückt. In Beaver Creek noch weit abgeschlagen und an sich selbst zweifelnd, konnte er nun dem Strahlemann Ted Ligety die Schneid abkaufen und zwei Mal hintereinander überlegen gewinnen. Leider war er aber der Einzige im ÖSV, außer den beiden Oldies Mario Matt und Benni Raich, die hier mit Hirscher mitziehen konnten. Völlig von der Rolle war ein Georg Streitberger, der wohl das Rennen mit der Besichtigung verwechselt hat. Das wirklich Erfreuliche ist, dass ein Matt nach 14 Jahren Weltklasse immer noch Rennen gewinnen kann, und dass ein Raich schon wieder knapp an Lauf-Bestzeiten herankommt. Es scheint sich zu bewähren, dass Raich sich im Sommer rein auf technische Disziplinen konzentriert hat. Wenn die beiden bis zum Alter von 40 Jahren so weitermachen, muss sich der Skiverband nicht um die Zukunft sorgen. Denn beim Nachwuchs schaut es düster aus.

Bei den Damen müssen auch die älteren Semester die Kohlen aus dem Feuer holen. Eine unglaubliche Marlies Schild, wie ein Phönix aus der Asche auferstanden, siegt wie in ihren besten Tagen. Es scheint zwar für den Rest der Mannschaft eher ein Schock gewesen zu sein, denn viel Aufwind haben sie durch diesen Sieg in Courchevel nicht erfahren. Vielleicht war aber auch die Ablenkung durch die Anwesenheit von Tiger Woods zu groß. Kurzfristig mit seiner Gulfstream aus Florida eingeflogen, wollte er seine Lebensabschnittsgefährtin Lindsey Vonn unterstützen. Die verletzte sich aber unglücklich am Kreuzband und macht ein paar Wochen Pause. Aber einer Vonn ist es durchaus zuzutrauen, dass sie trotz diesem Pech bei den Olympischen Spielen um Gold mitfährt. Ansonsten hat sie wenigstens einen, der sie standesgemäß tröstet.