Marc Girardelli

Kommentar

Marc Girardelli

Der Höhepunkt der Spiele

Sport / 09.02.2014 • 22:01 Uhr

Auch wenn viele Menschen sehr zweifelhaft über die Anlagen in Sotschi sprechen, sieht man hier bisher tolle Sportstätten und begeisterte Athleten. So auch bei der Abfahrt, dem Höhepunkt in Sotschi. Eigentlich fast zu schade, dass die Königsdisziplin schon ganz am Anfang der Olympiade stattfand. Und die Königsdisziplin hatte es in sich. Mit 1075 Höhenmetern und „nur“ 3500m Länge, hat sie 50 Höhenmeter mehr, als zum Beispiel das Lauberhornrennen, ist aber um fast 1000m kürzer als dieses! Daran kann man ermessen, wie schwer die Strecke sein musste.

Nach so vielen Jahren ohne Gold hat es nun endlich wieder geklappt. Als Einziger der vom Training her favorisierten Läufer konnte Matthias Mayer seine Leistung ins Ziel bringen. Es kam mir vor, als ob der kleine Fehler gleich nach dem Start bei ihm einen Adrenalinschub verursachte, der ihm die Kraft gab, bis ins Ziel auf Druck zu bleiben. Ein Miller hingegen war nach der Hälfte schon so blau in den Beinen, dass er kaum noch in die Hocke gehen konnte. Im Alter scheint man sich einfach nicht mehr so schnell zu erholen, nach seinen drei aggressiven Trainingsfahrten. Dasselbe bei Svindal, der bis kurz vor dem Ziel mit Mayer gleichauf war, dann aber seine Hoffnungen begraben musste. Auch er war im Ziel völlig ausgebrannt, so wie man ihn sonst nie sieht.

Ins Schwitzen brachte dann noch Christoph Innerhofer alle Medaillenanwärter im Ziel. Überraschend schrammte er mit sechs Hundertstel am Sieg vorbei und feierte aber seine Silbermedaille im Zielraum mit Befreiungsausbrüchen, die man sonst nur bei Olympiasiegern zu sehen bekommt.

Alles in allem war es eine der schwersten Abfahrten, die ich je gesehen habe. Die Sprünge gingen teilweise auf 80m runter. Und am Schluss dürfte die Taktik der Einteilung seiner Kräfte eine große Rolle gespielt haben. Auf alle Fälle war das ein standesgemäßer Start der Olympiade in Sotschi, Gratulation!