Sind Sportler bessere Schüler?
Mit dem Skigymnasium Stams und seinen AbsolventInnen verbindet man die kalte Jahreszeit und gelegentlich eine rot-weiß-rote Fahne. Kürzlich wehte aber eine andere Fahne über dem modernen und architektonisch ansprechenden Gebäude neben dem Kloster. Als Zeichen eines durchgehend erfolgreichen Maturaabschlusses konnte die weiße Fahne aufgezogen werden.
Was ist daran, dass alle 26 SchülerInnen des heurigen Abschlussjahrgangs die Reifeprüfung bestehen, so beeindruckend? Es ist weder in Stams das erste Mal, noch ist das Skigymnasium die einzige Schule, die allen Angetretenen zur bestandenen Matura gratulieren darf. Das Sportgymnasium steuert auf sein 50-jähriges Jubiläum zu und seine Abgänger haben über hundert Medaillen, vornehmlich für den österreichischen, aber auch für andere Skiverbände gewonnen.
Aber Hand aufs Herz, der Autor dürfte nicht der einzige sein, der immer wieder mit der skeptischen Frage konfrontiert wurde, ob denn das schon eine „ordentliche“ Matura sei, die Sportlern seit Jahrzehnten in Stams verliehen wird? Es wird spekuliert oder gelästert, dass der Abschluss dort wesentlich leichter zu machen wäre.
In Österreich wurde an vielen anderen Schulen die weiße Fahne aufgezogen, darunter auch an einigen, die wie die Stamser erstmals zur Zentralmatura anzutreten hatten. Das „Oberstufenrealgymnasium für Skisportler“ konnte bei diesem transparenten Vergleich einen erstaunlichen Akzent setzen: Als einzige Tiroler Schule hat das Skigymnasium die schriftliche Prüfung ohne eine einzige Beurteilung mit „Nicht genügend“ gemeistert. Das lässt nicht nur die erleichterten Eltern aufhorchen! Trotz dieser Tatsachen wäre es vermessen, Sportler als die besseren Schüler sehen zu wollen, aber es ist vor diesem Hintergrund anzuerkennen, dass sie nichts geschenkt bekommen. Im Gegenteil, sie lieferten die Resultate nach einer strapaziösen Rennsaison zu einem für sie viel zu frühen Maturatermin.
Das Skigymnasium hat die Chance genutzt und bewiesen, dass SchülerInnen und LehrerInnen auch im schulischen Bereich vollwertige Arbeit leisten.
Die Mehrfachbelastungen aus Training, Wettkampf und Schule fordern die SportlerInnen hochgradig und steigern Realitätssinn und Belastungsverträglichkeit. Das liefert neben dem schulischen Anspruchsniveau eine mögliche Erklärung für das gute Abschneiden bei der Zentralmatura.
Im sportlichen Alltag eingeübte Fähigkeiten wie Konzentration, Emotionskontrolle und Durchhaltevermögen können bei der Vorbereitung und Bewältigung von Prüfungssituationen, vielleicht sogar für das spätere Berufsleben hilfreich sein.
Das Skigymnasium hat bewiesen, dass Schüler und Lehrer auch im schulischen Bereich vollwertige Arbeit leisten.
sport@vorarlbergernachrichten.at
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