Wo die Tradition Bestand hat

07.10.2015 • 18:24 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Das Steckenpferd von Präsident Herbert Oberscheider: In den Lustenauer Nachwuchs wird kräftig investiert.  EHC
Das Steckenpferd von Präsident Herbert Oberscheider: In den Lustenauer Nachwuchs wird kräftig investiert. EHC

Der EHC Lustenau blickt mit Stolz auf eine 45-jährige Vereinsgeschichte zurück.

Lustenau. 45 Jahre jung ist der EHC Alge Elastic Lusten­au. Die sportliche Party stieg mit dem Gewinn des Eishockey-Meistertitels in der Inter National League gegen Lokalrivalen Feldkirch schon in der Saison davor. Präsident Herbert Oberscheider kündigte gleich nach dem 45-Jahr-Jubiläum eine große Feier zum runden 50er-Fest 2020 an. Der zwölfte Präsident in der Ära des Klubs hat damit durch die Blume verraten, dem Verein wohl länger zur Verfügung zu stehen.

Amateure mit Ambitionen

Tradition und Leidenschaft stellt der ehemalige Stürmer als Werte für den Klub voran: „Wir haben uns nie groß aus dem Fenster gelehnt. Bei uns hat Tradition Qualität und Bestand“, blickt Oberscheider stolz in der Vereinsgeschichte zurück. „In Österreich gibt es nur drei Eishockeyklubs, die seit ihrer Gründung Bestand haben: Der KAC, Villach und der EHC. Alle anderen haben sich im Lauf ihrer Geschichte immer wieder reorganisiert.“ Man werde auch in der Zukunft die Bäume nicht in den Himmel wachsen lassen. „Wir sind ein Amateurverein, der seine Ambitionen aber nicht versteckt.“ Und der pro Saison 135.000 Euro für die Nachwuchsarbeit ausgibt. Langfristige Zusammenarbeit, ob mit Gemeinde oder Sponsoren, sind dem 50-jährigen Geschäftsmann wichtig. „Die größte Herausforderung ist und bleibt das Akquirieren von freiwilligen Helfern: „Von ihnen hängt der Fortbestand des Vereins ab“, ist Oberscheider über jeden Mitstreiter froh. „Wenn wir diese Dienste bezahlen müssten, könnte der Verein zusperren.“

Auf dem Bodensee gelernt

Dem Eishockeysport gefrönt haben die Lustenauer bereits vor der Gründung des EHC. 1965 nahm der Fußballklub Austria die Sektion Eishockey in Betrieb, beteiligte sich an der Landesliga. Die Grundkenntnisse des Sports hatten sich die Pioniere bereits früher auf dem zugefrorenen Bodensee und beim Publikumslauf in Feldkirch angeeignet. Zusätzlich absolvierte man eine Trainingseinheit pro Woche und bezahlte bei den Freundschaftsspielen mit hohen Niederlagen Lehrgeld. 1965 gab es auf dem Tavernplatz die erste Heimstätte, innerhalb einer in Eigenregie konstruierten Bande konnte bei kalten Temperaturen trainiert und gespielt werden. 1970 wurde der EHC gegründet, am 8. Jänner 1972 die Rheinhalle eröffnet.

Es folgten neben einer Vereinssanierung 1990 viele sportliche Höhepunkte, darunter neun Meistertitel in der Nationalliga und der grenzüberschreitenden Inter National League. Fast alle sind mit dem Namen Werner Alfare verbunden. Nach 34-jähriger Tätigkeit trat der Langzeit-Funktionär 2011 zurück, konnte nun von Oberscheider neuerlich für administrative Funktionen gewonnen werden.

Kulttrainer und Spielergrößen

Unter Kulttrainer Gerhard Kießling gelang dem EHC in der Saison 1984/1985 im Grunddurchgang der Bundesliga Platz eins, im Play-off musste sich die Mannschaft um Spielergrößen wie Rick Cunningham, Jim Bissett, Steven Stockman, Mike Shea oder Franz Kotnauer dem späteren Meister KAC geschlagen geben, belegte den dritten Endrang. Von der Trainerriege, die beim EHC arbeitete, stechen Namen wie Bart Crashley, Gunnar Leidborg, Walter Znenahlik sen. oder Sigi Haberl sen. heraus. Sohn Sigi Junior wird die Ehre zuteil, in der Rheinhalle verewigt zu sein: das Trikot mit der Nummer 29 hängt unter dem Hallendach.

Ohne die vielen freiwilligen Helfer würde es den EHC nicht geben.

Herbert Oberscheider

Eishockey

Die Präsidenten des EHC Lustenau

1970/71 Josef Schweninger

1971/72 Heinz Mayer

1972 – 78 Josef Schweninger

1978 – 80 Jean Robert Grellet

1980 – 87 Hans Dieter Grabher

1987 – 90 Walter Streitler/Harald Hagen

1990 – 93 Kurt Riedmann

1993 – 98 Erich Hollenstein

1998 – 01 Dieter Hofer

2001 – 11 Werner Alfare

2011 – 13 Michael Fink

2014 – Herbert Oberscheider