Die Sprungdisziplinen waren ihre große Stärke

Sport / 19.07.2016 • 22:56 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Reinelde Knapp gelang von 1956 bis 1958 sowohl in Hoch- als auch im Weitsprung der Titel-Hattrick bei ÖLV-Meisterschaften. Fotos: Prvat
Reinelde Knapp gelang von 1956 bis 1958 sowohl in Hoch- als auch im Weitsprung der Titel-Hattrick bei ÖLV-Meisterschaften. Fotos: Prvat

Reinelde Knapp gelang im Hoch- und im Weitsprung der Vorstoß an die Weltspitze.

Schwarzach. Die Qualifikation für die Olympischen Spielen 1956 in Australien verdankte Reinelde Knapp den Topleistungen auf europäischer Ebene sowohl im Hoch- als auch im Weitsprung. Die 23-Jährige galt seit Jahren als Ausnahmetalent und war eine exzellente Allrounderin gewesen, was sie schon 1955 mit dem Fünfkampf-Titel bei den nationalen Meisterschaften gezeigt hatte. Die Sprungdisziplinen aber waren die große Stärke der Athletin von der TS Bludenz, und in diesen hatte sie bereits 1954 an der EM in Bern teilgenommen.

Für bessere Trainingsbedingungen übersiedelte Knapp 1956 nach Wien und trat fortan für UKJ Wien an. Das führte schließlich zu einer deutlichen Leistungssteigerung, was sich im Vorfeld der Olympischen Spiele nicht nur in drei Meistertiteln (neben Hoch- und Weitsprung auch über 80 m Hürden) niederschlug, sondern auch in den nackten Zahlen. Die Bestmarke im Hochsprung verbesserte sie innerhalb von knapp drei Wochen auf großartige 1,65 m, und auch im Weitsprung war sie mit 5,85 m in der europäischen Spitze angekommen.

Von Verletzung gebremst

In Melbourne erlebte Knapp dann den Höhepunkt ihrer Laufbahn. Obwohl sie beim Wettkampf ohne Betreuer auskommen musste, überstand sie die Qualifikation von 1,58 m mühelos – nur drei weitere Springerinnen schafften diese Höhe. Am Nachmittag eröffnete sie die Entscheidung souverän: Die Olympia-Debütantin schaffte die ersten drei Höhen jeweils im ersten Versuch und lag zwischenzeitlich auf Rang sechs. Dann machte sich aber wieder ihre Sehnenentzündung bemerkbar, und sie konnte die Höhe von 1,64 m nicht mehr meistern. Mit übersprungenen 1,60 m blieb sie fünf Zentimeter unter ihrer persönlichen Bestleistung, was letztlich zum zwölften Platz reichte.

Dass Knapp vom Verband für den Weitsprung nicht gemeldet worden war, schmerzte sie lange, da sie sich selbst in dieser Disziplin fast stärker eingeschätzt hätte. Mit ihrem 5,85-m-Satz von Graz war sie nämlich im Olympiajahr an dritter Stelle der europäischen Rangliste gelegen, ihr ÖLV-Rekord hätte ihr immerhin Rang sechs eingebracht.

Im Jahr 1959 beendete die Nüzigerin dann ihre mit zahlreichen Höhepunkten bestückte Laufbahn und zog sich ins Privatleben zurück.

Knapp stellte acht ÖLV- und 24 Landesrekorde auf.
Knapp stellte acht ÖLV- und 24 Landesrekorde auf.

Zur Person

Reinelde Knapp (verh. Bartenbach)

Die Nüzigerin galt als Sprungphänomen der heimischen Frauen-Leichtathletik.

Geboren: 8. Februar 1933 in Nüziders

Erfolge: Olympische Spiele 1956 Zwölfte Hochsprung; Europameisterschaften 1954: Elfte Hochsprung, 20. Weitsprung; 1958: Siebte Hochsprung, Qualifikation Weitsprung; Österreichische Meisterin: Hochsprung 1956, 1957, 1958; Weitsprung: 1956, 1957, 1958; Fünfkampf: 1955, 1957, 1958

Österreichische Rekorde: Hochsprung: 1,63 m/20. 8. 1956 in Budapest, 1,64 m/2. 9. 1956 in Paris, 1,65 m/9. 9. 1956 in Ludwigsburg, 1,66 m/14. 6. 1958 in Budpaest; Weitsprung: 5,85 m/14. 7. 1956 in Graz, 5,88 m/14. 9. 1958 in Bukarest; Fünfkampf: 4230 Punkte/7./8. 8. 1957 in Eisenstadt, 4303 Punkte/9./10. 8. 1958 in Reutte