Gold brachte späte Aussöhnung mit Olympia

22.07.2016 • 20:13 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Hubert Hammerer mit Gattin Olga bei der Rückkehr. Fotos: Privat
Hubert Hammerer mit Gattin Olga bei der Rückkehr. Fotos: Privat

Der Egger Sportschütze ist Vorarlbergs einziger Olympiasieger bei Sommerspielen.

Schwarzach. Hubert Hammerer war in der Vorkriegszeit bereits einer der besten Sportschützen Österreichs. Dank der Unterstützung seines Vaters konnte der Egger nach Kriegsende seine vielversprechend begonnene Laufbahn fortsetzen und übernahm schnell auf nationaler Ebene die Spitze. 1948 qualifizierte sich Hammerer für die Sommerspiele in London, verzichtete aber in Ermangelung einer konkurrenzfähigen Ausrüstung und damit verbundenden fehlenden Erfolgsaussichten auf den Olympiastart. Vier Jahre später verhinderte ein Arbeitsunfall, bei dem Hammerer einen Finger verlor, den Start in Helsinki. Seine nicht enden wollende Pechserie im Zeichen der fünf Ringe setzte sich 1956 fort. Trotz exzellenter Form wurde er aus Kostengründen nicht nach Melbourne entsandt, was er noch Jahre später als eine seiner größten Enttäuschungen bezeichnete.

So konnte der Bregenzerwälder erst bei der WM 1958 in Moskau erstmals an einem Großereignis teilnehmen und verpasste dabei mit Rang fünf im Dreistellungsmatch (Freies Gewehr) knapp eine Medaille.

Nach großen Erfolgen mit der Armbrust – Hammerer gewann von 1958 bis 1966 in dieser Disziplin 14 EM-Medaille (3/5/6) – feierte der Egger im vierten Anlauf 1960 in Rom dann sein Olympiadebüt und qualifizierte sich problemlos für das Finale.

Im Sandsturm Ruhe bewahrt

Obwohl der Schweizer Hansrüedi Spillmann seine Konkurrenten im Bewerb Freies Gewehr Dreistellung über 300 Meter mit einem neuen Weltrekord (397 Ringe) schockte, zeigte sich Hammerer unbeeindruckt, ließ sich nicht aus der Ruhe bringen und war mit sieben Punkten erster Verfolger von Spillmann.

Am zweiten Tag schoss der 35-jährige Egger trotz widrigster Verhältnisse und einer mehrstündigen Unterbrechung weiterhin exzellent, verzeichnete 379 Punkte und verringerte den Rückstand auf den Schweizer auf fünf Zähler. Auch ein Sandsturm konnte Hammerer auf dem Weg zu Gold nicht mehr bremsen. Nach 360 Punkten im Stehendbewerb, bei dem er am dritten Tag mit der Lage seines Schießstandes nach eigener Einschätzung viel Glück gehabt hatte, standen 1129 Punkte zu Buche – um zwei mehr als Spillmann und der Sowjetrusse Wassili Borisow. Damit kürte sich Hammerer am 5. September 1960 zum ersten und bis heute einzigen Vorarlberger Goldmedaillengewinner bei Sommerspielen. Beinahe hätte der Egger auch vier Jahre später in Tokio, wo er Fahnenträger des ÖOC-Teams war, wieder Edelmetall gewonnen. Nach zwei Bewerben in Führung liegend, rutschte er im Stehendbewerb aber noch auf Rang neun zurück.

Hammerer schrieb am 5. September 1960 ein großes Kapitel Vorarlberger Sportgeschichte.
Hammerer schrieb am 5. September 1960 ein großes Kapitel Vorarlberger Sportgeschichte.

Zur Person

Hubert Hammerer

Der 77-fache Staatsmeister ist Vorarlbergs höchstdekorierter Sportschütze.

Geboren: 10. September 1925 in Egg

Erfolge: Olympische Spiele: 1960: Gold Freies Gewehr 300 m Dreistellung, 11. Kleinkaliber Dreistellung; 1964: 9. Freies Gewehr 300 m Dreistellung, 28. Kleinkaliber liegend, 31. Kleinkaliber Dreistellung. WM: 1958: 5. Freies Gewehr 300 m Dreistellung, 1966: 33. Freies Gewehr 300 m Dreistellung; EM: 1959: 22. Kleinkaliber Dreistellung. Armbrust: EM 1958: Gold Stehend Einzel und Team, Silber Kombi Team, Bronze Kombi Einzel; 1959: Gold Kombi Team, Silber Kombi Einzel und Kniend Team; 1965: Silber Kniend Einzel, Bronze Kniend Einzel bzw. Kombi und Stehend Team; 1966: Silber Kniend Team, Bronze Kniend Einzel bzw. Kombi und Stehend Team; 77-facher Staatsmeistertitel (43 Einzel, 34 Team) von 1952 bis 1968