Marc Girardelli

Kommentar

Marc Girardelli

Eine Ski-WM mit guten Aussichten

Sport / 05.02.2017 • 22:41 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Im wunderschönen Engadin, wo sich normalerweise nur die Reichen und die in Nerz gekleideten Damen aufhalten, versuchen unsere Athleten die österreichischen Fahnen hochzuhalten. Bei der letzten WM in Vail haben unsere Stars Marcel Hirscher, Hannes Reichelt und Anna Veith, grandios abgeräumt. Ob das in St. Moritz ab kommender Woche auch wieder so toll läuft, ist eher zweifelhaft.

So viele Verletzte, vor allem bei den Damen, haben das gesamte Team stark ausgedünnt. Eingesprungen sind ganz junge Talente, die im Weltcup noch gar nicht richtig Fuß fassen konnten. Trotzdem darf man hier nicht allzu schwarz sehen, denn es gab kürzlich tolle Lichtblicke bei unseren jungen Damen, vor allem durch die Vorarlbergerin Christine Scheyer. Und alle sind motiviert bis in die Haarspitzen.

Auch eine Marlies Schild konnte als Neuling vor 14 Jahren an genau derselben Stätte eine Silbermedaille gewinnen.

Zu den reellen Medaillenanwärterinnen bei den Damen zählen erfreulicherweise Christine Scheyer und Stephanie Venier, die beide im Jänner am Podium standen. Genauso wie Anna Veith, die langsam ihren Rhythmus zu finden scheint. Eine so arrivierte Läuferin kann auch sehr schnell auf ihr ehemaliges Topniveau kommen, wenn die Umstände günstig sind. Man denke an Hermann Maier, der bei seinem siebten Rennen nach seinem schweren Unfall in St. Moritz 2003 eine grandiose Silbermedaille einfuhr.

Bei den Herren ist das Team wesentlich breiter aufgestellt als bei den Damen. Es gab in allen Bewerben Siege und Plätze von verschiedenen Athleten, das war in den vergangenen Jahren selten der Fall. Aber außer bei Hirscher läuft es generell noch nicht so rund, wie es sein sollte. Mit Müh und Not konnten sich die Speedfahrer wieder in der Weltspitze etablieren, mit Siegen in Gröden, Kitz und Garmisch. Und in der zweiten Reihe sind auch ein paar junge, risikofreudige Jungs, die nur darauf warten, aus dem Schatten der Stars zu treten. So lege ich große Hoffnungen in Vincent Kriechmayer, Manuel Feller und auch Christian Hirschbühl. Alle haben schon abschnittsweise super Leistungen geboten, aber halt noch keine Konstanz an den Tag gelegt. Da ist eine WM gerade der richtige Platz dafür, damit anzufangen.

Ob die Medaillenerwartungen des Präsidenten Schröcksnadel, mit sechs bis acht Stück, tatsächlich realistisch sind, wage ich zu bezweifeln. Aber wenn der Präsident seinen unbändigen Optimismus auf die Läufer übertragen kann, wäre das sicherlich hilfreich.

Eine arrivierte Läuferin wie Anna Veith kann schnell auf ihr ehemaliges Topniveau kommen, wenn die Umstände günstig sind.

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