Marc Girardelli

Kommentar

Marc Girardelli

Es ist vollbracht

Sport / 05.03.2017 • 19:19 Uhr

Mit anderen Worten kann man die Leistung von Marcel Hirscher nicht mehr bezeichnen.

Bei widerlichen Verhältnissen in Kranjska Gora, mehrmaligen Verschiebungen durch Nebel direkt vor seinem Start im Riesentorlauf, konnte er wieder einmal, als Einziger, den diesmal entfesselt fahrenden Leif Kristian Haugen noch abfangen und den sechsten Gesamtwelcupsieg realisieren.

Meinen Glückwunsch erstmals, lieber Marcel, zu dieser unglaublichen Leistung!

Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich es nicht mehr erleben werde, dass dieser Rekord gebrochen wird.

Viele Leute fragen mich immer wieder: „Wie ist es möglich, dass Hirscher über sechs Jahre hindurch solch eine hohe Konstanz erreichen kann?“

Da fällt mir als Antwort immer nur ein, dass ich sowas nur von Ingemar Stenmark her kenne, gegen den ich selber zehn Jahre lang gefahren bin.

Hirscher war bisher noch nie verletzt, genau wie Stenmark. Und beide sind keine Abfahrten gefahren. Na gut, Stenmark probierte 1981 einmal die Streif, allerdings war das – mit 13 Sekunden Rückstand – eher eine Besichtigungsfahrt. Aber die Abfahrt ist von der Belastung auf den Körper wesentlich anspruchsvoller als die technischen Disziplinen. Trotzdem fällt auf, dass Hirscher körperlich besser ist, als der ganze Rest des Weltcup-Trosses. Das erkennt man schon allein bei seinem Aufwärmtraining vor dem Start. Es bewegt sich auf einem absoluten Top-
niveau, einige andere Athleten hätten danach eine zwei­tägige Ruhepause nötig.

Neben dem körperlichen Vorsprung ist seine Kopfstärke herausragend. Immer dann, wenn er unter besonders großem Druck steht, bringt er die besten Leistungen. Wie z.B. heuer in Kitzbühel oder an der WM in St Moritz. Kein anderer Läufer im Starterfeld hat auch nur annähernd diese Stärke. Auch das erinnert mich an Stenmark, der genauso ein erbarmungsloses „Tier“ war und keinem anderen auch nur einen Millimeter geschenkt hat.

Ich muss ehrlich gestehen, dass ich froh bin, nicht gegen Hirscher fahren zu müssen. Stenmark hat mir damals völlig gereicht.

Meinen Glückwunsch, lieber Marcel, zu dieser unglaublichen Leistung.

sport@vn.at