Teuflischer Meisterjubel und ein Feiermarathon ohne Ende

29.05.2017 • 19:08 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Trainer Petr Hrachovec, der Baumeister des sechsten HLA-Titelgewinnes der Roten Teufel vom Bodensee, bei der obligaten Flugeinlage durch seine Spieler.
Trainer Petr Hrachovec, der Baumeister des sechsten HLA-Titelgewinnes der Roten Teufel vom Bodensee, bei der obligaten Flugeinlage durch seine Spieler.

Harder Handballer machten nach dem sechsten Titelgewinn die Nacht zum Tag.

Hard. Als nach 80 hochdramatischen Spielminuten im zweiten Finalduell gegen Titelverteidiger Fivers Margareten die Schlusssirene ertönte, brachen alle Dämme bei den Spielern und Fans des Alpla HC Hard. Mit dem 32:30-Auswärtserfolg fixierten die Roten Teufel vom Bodensee nach 2003 bzw. den Serienerfolgen von 2012 bis 2015 den sechsten Triumph in der Handball-Liga Austria in der Vereinsgeschichte. Während Dauerbrenner Michael Knauth bereits über die elfte HLA-Krone seiner Laufbahn jubelte, durften sich einige Teufel über den ersten Titelgewinn freuen. So auch Petr Hrachovec, seit Beginn der Saison auf der Kommandobrücke der Harder. „Ich kenne diese Gefühle schon aus meiner Zeit als Spieler und Trainer. Doch am Ende ist es immer der letzte Titel, der am frischesten in Erinnerung bleibt. Für solche Momente arbeitet man die gesamte Saison über hart. Ich denke, wir haben uns mehr als verdient den Titel geholt. Wenn eine Mannschaft den Grunddurchgang und die Play-off-Runde als Erster abschließt, kann man nicht von einem Zufallsmeister reden“, betonte der 44-jährige Tscheche.

Ein wesentlicher Faktor für den Erfolg war für den EHF-Mastercoach einerseits die Ausgeglichenheit im Kader. Daneben war es aber auch die Erfahrung der Schlüsselspieler, die in der entscheidenden Phase der Meisterschaft Verantwortung übernommen haben. „Aber auch die weiteren Kaderspieler waren mit Herz und Seele dabei und haben wesentlich zum Gesamterfolg beigetragen. Die hervorragende Kameradschaft und die Bereitschaft des gesamten Teams waren ein zusätzlicher Pluspunkt, weshalb wir am Ende unser zu Saisonbeginn gestecktes Ziel auch erreicht haben.“

Die Basis für die erfolgreichste Spielperiode der Geschichte in der höchsten Spielklasse war sicher auch die Dominanz bei den Auftritten vor den eigenen Fans. In den ligaübergreifend mit Europa- und ÖHB-Cup 17 Heimspielen gab es 16 Siege, einziger Punktverlust war das 31:31-Remis Anfang Dezember im Grunddurchgang gegen Krems. In der zweiterfolgreichsten HLA-Saison in der Geschichte wurden in 33 Ligaspielen 54 Punkte geholt. Lediglich in der Rekordsaison 2014/15 wurde ein Punkt mehr geholt.

Während Dauerbrenner Michael Knauth bereits über seine elfte HLA-Krone jubelte und damit nun der an Titelgewinnen alleinige Leader in der ewigen HLA-Bestenliste ist, genoss besonders Roland Schlinger den Triumph in seiner Heimatstadt. Der 34-jährige Wiener beendet mit seinem persönlich achten HLA-Titel seine aktive Karriere: „Es war einfach ein unglaubliches Gefühl für mich, mich mit einem Titelgewinn in meiner Geburtsstadt von der Handballbühne zu verabschieden.“

Historischen Charakter hat das 266. und letzte Tor im Harder Trikot am Ende der ersten Verlängerung zum 29:29-Ausgleich: „Als ich mir den Ball zum Siebenmeter geholt habe, hatte ich nur einen Gedanken: ,Der Ball muss rein.‘ Ich habe voll durchgezogen – und wenn der Torhüter den Kopf nicht weggezogen hätte, wäre er mit dem Ball im Tor gelandet“, betont der langjährige Bomber der Nation mit sichtlich angegriffener Stimme nach einer in allen Belangen unvergesslichen Heimreise. „Wir haben sprichwörtlich die Nacht zum Tag gemacht, und die Busfahrt war mindestens so intensiv wie das vorangegangene Spiel.“

15. HLA-Krone für Vorarlberg

Der 15. HLA-Titelgewinn in den letzten 17 Jahren für Vorarlberg (Anm.: Neun Mal wurde Bregenz Meister) bzw. der fünfte in den letzten sechs Saisonen für die Harder brachte ein zusätzliches Novum. Abgesehen vom Triumph 2015 in Bregenz fixierten die Roten Teufel erstmals ihren Titelgewinn nicht in der eigenen Halle. Doch der Meisterpokal im Gepäck und die kühlen Getränke sorgten dafür, dass die Reise zurück ins Ländle zu einer gebührenden Triumphfahrt wurde, die alle Strapazen vergessen ließ.

Die große Meisterfeier steigt am kommenden Sonntag ab 10 Uhr in der Sporthalle am See.

Neo-Handballpensionist Roli Schlinger beendet mit seinem achten HLA-Titel seine Karriere.
Neo-Handballpensionist Roli Schlinger beendet mit seinem achten HLA-Titel seine Karriere.
Regisseur und Toptorschütze Gerald Zeiner auf den Schultern von Abwehrchef Frederic Wüstner.
Regisseur und Toptorschütze Gerald Zeiner auf den Schultern von Abwehrchef Frederic Wüstner.
Kapitän Dominik Schmid vor der Pokalübergabe mit ÖHB-Präsident Gerhard Hofbauer.
Kapitän Dominik Schmid vor der Pokalübergabe mit ÖHB-Präsident Gerhard Hofbauer.
Chefrainer Petr Hrachovec präsentiert den Meisterpokal.
Chefrainer Petr Hrachovec präsentiert den Meisterpokal.
Der Dauerbrenner und die Debütanten: Der elffache HLA-Champion Michael Knauth (l.) mit Thomas Hurich und Domagoj Surac, die erstmals Meister wurden.
Der Dauerbrenner und die Debütanten: Der elffache HLA-Champion Michael Knauth (l.) mit Thomas Hurich und Domagoj Surac, die erstmals Meister wurden.
Dominik Schmid und Boris Zivkovic präsentieren die „druckfrischen“ Meister-T-Shirts. Fotos: gepa
Dominik Schmid und Boris Zivkovic präsentieren die „druckfrischen“ Meister-T-Shirts. Fotos: gepa

Handball

Die Torschützenliste des Alpla HC Hard in der Saison 2016/17

Name A B C Ges.

Gerald Zeiner 86 32 38 156

Marko Tanaskovic 104 20 19 143

Dominik Schmid 66 40 21 127

Michael Knauth 55 21 19 95

Lukas Herburger 40 27 15 82

Luca Raschle 45 7 28 80

Domagoj Surac 39 15 23 77

Roland Schlinger 17 28 17 62

Thomas Weber 29 23 4 56

Daniel Dicker 30 9 8 47

Boris Zivkovic – 25 15 40

Konrad Wurst 22 1 – 23

Frederic Wüstner 9 2 4 15

Golub Doknic 1 2 – 3

Mathias Maier 1 2 – 3

Niklas Schiller 3 – – 3

Marcel Zech 2 – 1 3

Manuel Maier – – 2 2

Gesamt 549 254 214 1017

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