„Jeder im Verein lebt den Rapid-Geist“

Sport / 09.06.2017 • 18:55 Uhr
Der Feldkircher Martin Bernhard hat als Assistenz-Trainer bei Rapid Wien in den letzten Monaten alles erlebt, was den Fußball ausmachen kann – positiv wie negativ. Foto: gepa
Der Feldkircher Martin Bernhard hat als Assistenz-Trainer bei Rapid Wien in den letzten Monaten alles erlebt, was den Fußball ausmachen kann – positiv wie negativ. Foto: gepa

Der Feldkircher ist
der erste Vorarlberger im Trainerstab des Rekordmeisters.

Schwarzach. Im Ländle ist Martin „Butre“ Bernhard allseits bekannt: In jungen Jahren kickte der mittlerweile 45-Jährige bei Klubs wie SW Bregenz, FC Lustenau, FC Dornbirn und auch beim SCR Altach. Während dem gebürtigen Feldkircher als Spieler der Durchbruch ins Profigeschäft verwehrt blieb, schaffte er als Trainer den Sprung dorthin. Vom Jugendcoach in Wien über Altach als Kotrainer landete der gelernte Großhandelskaufmann als Assistent von Damir Canadi beim österreichischen Rekordmeister Rapid Wien.

Herr Bernhard, innerhalb kürzester Zeit haben sie bei Rapid Wien enorm viel miterlebt. Alle Eindrücke schon verarbeitet?

Martin Bernhard: Mittlerweile bin ich seit ein paar Tagen im Ländle zu Besuch, da konnte ich etwas runterschalten und einiges Revue passieren lassen. Und diese Zeit brauche ich auch. Denn es war bis zum Ende der Meisterschaft eine sehr intensive Zeit für mich.

Was ist richtig tief hängen-geblieben?

Bernhard: Ehrlich, dass ich mal bei Rapid Wien arbeiten würde, habe ich auch nicht auf der Rechnung gehabt. Die letzten Monate waren in allen Bereichen sehr lehrreich. Sowohl als Trainer, aber auch als Mensch habe ich enorm viel Neues erfahren können und dürfen. Die vielen Emotionen bei diesem Kult-Klub, vor allem durch die vielen Turbulenzen, hallen lange nach. Diese Erfahrungen werden mich in meinem Leben noch lange begleiten.

Wie war Ihr Umgang mit Damir Canadi in der schweren Zeit rund um dessen Beurlaubung?

Bernhard:Damir und ich hatten immer, auch schon in Altach-Zeiten, einen sehr professionellen Umgang miteinander. Ich kann von meiner Seite nur sagen: Ich war bis zur letzten Sekunde ihm als Cheftrainer gegenüber loyal.

Haben Sie überlegt, Rapid Wien mit Canadi zu verlassen?

Bernhard:Wenn die Verantwortlichen bei Rapid der Meinung gewesen wären, ich soll auch gehen, hätte ich das natürlich akzeptiert. Aber nach dem Auswärtsspiel bei der SV Ried (0:3) ist Sportchef Freddy Bickel auf Goran Djuricin (ebenfalls Kotrainer bei Rapid) und mich zugekommen und hat uns gefragt, ob wir es uns zutrauen die Mannschaft bis zum Ende der Saison wieder aufzubauen. Dazu darf man nicht vergessen: Ich bin in erster Linie Angestellter von Rapid Wien. Und daher ist es meine Pflicht, alles für den Klub zu geben. Und glauben Sie mir, für einen Klub wie den Rekordmeister gibt man liebend gern alles.

Wie schwer war es dann, den Karren wieder aus dem Dreck zu ziehen?

Bernhard: Es war richtig harte Arbeit. Aber Goran und ich haben die Rückendeckung vom Vorstand, den Fans und auch innerhalb der Mannschaft gespürt. Und wir selbst waren voll davon überzeugt, dass die Mannschaft den Charakter hat, aus dem Abstiegskampf rauszukommen. Das gesamte Team, vom Tormanntrainer, Athletik-Trainer, dem Masseur über den Physiotherapeuten, den Video-Analysten bis hin zum Zeugwart – alle haben an der Schubumkehr grandios mitgearbeitet.

Unvorstellbar, der Rekordmeister im Abstiegskampf. Haben der Klub und das Team dies überhaupt richtig einordnen können?

Bernhard: Absolut. Wir alle wussten, um was es ging. Und deswegen ziehe ich meinen Hut vor der Mannschaft, wie sie trotz schwerer Rückschläge jeden Montag wieder am Platz gestanden ist und richtig hart gearbeitet hat. Nur das hat uns durch diese schwere Zeit gebracht.

Was konnten Sie in dieser Situation beisteuern, der Druck muss ja enorm gewesen sein?

Bernhard: Mir kam meine Erfahrung, die ich mit dem SCR Altach im zweiten Jahr in der Bundesliga gemacht hatte, zugute. Da habe ich gesehen, dass die Mechanismen im Abstiegskampf – egal ob bei einem kleineren Klub oder großem Traditionsklub – genau gleich sind. Mit Altach haben wir uns durch viel Fleiß rausgearbeitet, und so haben wir das bei Rapid auch geschafft.

Was am Ende mit einer Bestätigung als Trainerteam belohnt wurde. Waren Sie überrascht von Rapids Entscheidung?

Bernhard: Goran und ich wussten immer, dass wir liefern mussten. Sei es punktemäßig als auch spieltechnisch. Der Aufwärtstrend im Team und rund um den Klub hat uns sicher geholfen, Trainer zu bleiben. Ich habe mich sehr gefreut über diese Entscheidung.

Das Ganze hätte ja fast noch im Cup-Sieg gegipfelt. Wie groß war die Enttäuschung nach der 1:2-Niederlage gegen Salzburg?

Bernhard: Die hat richtig weh getan. Jedem Einzelnen bei uns im Verein. Aber ich glaube, am meisten unseren Fans. Die haben mir leid getan. 15.000 Rapid-Fans waren in Klagenfurt. Ein Wahnsinn, welche Atmosphäre die erzeugt haben – wenn ich jetzt daran denke, bekomme ich eine Gänsehaut. Bei der Fahrt mit dem Bus zum Stadion in Klagenfurt strömten Menschenmassen auf den Bus zu und haben uns angefeuert. Das war dann aber erst der Vorgeschmack auf das, was sich im Stadion abspielte. Die „grüne“ Fan-Wand hinter dem Tor hat uns wirklich beeindruckend im schweren Spiel gegen Salzburg unterstützt. Mehr geht fast nicht.

Dass aber die Rapid-Fans anders können, haben Sie auch miterlebt.

Bernhard: Die Fans geben immer alles, unterstützen Rapid in jeder Phase vor, während und nach dem Spiel. Auch auswärts reisen immer viele Anhänger mit, scheuen keine Kosten. Und das schon seit vielen Jahrzehnten. Deshalb ist es auch zu akzeptieren, wenn die Fans nach schlechten Leistungen auch ihren Unmut äußern. Das muss man als Profi auch so hinnehmen.

Hat sich bei Ihnen der Mythos Rapid Wien schon bemerkbar gemacht?

Bernhard: Das ist ganz schnell gegangen. Schon beim erstmaligen Betreten der Räumlichkeiten in der und rund um die Allianz-Arena spürt man diese einzigartige Atmosphäre. Man fühlt sprichwörtlich in jeder Sekunde, dass es sich um einen Traditionsklub handelt. Und jeder, der nur annähernd etwas mit dem Verein zu tun hat, lebt den Rapid-Geist. Dadurch liegt vor allem bei den Heimspielen immer ein Prickeln in der Luft. Und das macht immer extrem Lust auf seine Arbeit.

Was wird Ihre Zukunft bringen?

Bernhard: Auf jeden Fall viel Arbeit, von der Mannschaft und von mir als Teil des Trainerteams. Ich freue mich darauf. So kann ich dem Verein hoffentlich einiges zurückgeben für das entgegengebrachte Vertrauen. Dafür werden vor allem wir als Trainerteam und auch die Mannschaft ab dem Trainingsstart (19. Juni) mit großem Elan an die bevorstehenden Aufgaben rangehen. Es gilt, die Mannschaft körperlich und taktisch weiterzuentwickeln. Wir wollen wieder an die erfolgreichen Zeiten anschließen, den Fans in der Allianz-Arena guten Fußball bieten. Und ich möchte noch länger Teil der grün-weißen Rapid-Familie bleiben. Denn die Arbeit in Wien macht mir unheimlich viel Spaß.

Zur Person

Martin Bernhard

Der 45-Jährige arbeitet aktuell seit November 2016 als Kotrainer beim österreichischen Rekordmeister Rapid Wien.

Geboren: 3. Oktober 1971

Geburtsort: Feldkirch

Familienstand: ledig

Ausbildung: Großhandelskaufmann, Fitness-Coach, Fußball-A-Lizenz-Trainer

Laufbahn als Spieler: SW Bregenz, SCR Altach, FC Dornbirn, Viktoria Bregenz, FC Lustenau, RW Rankweil, Götzis

Laufbahn als Trainer: SK Rapid Wien (Kotrainer), SCR Altach (Kotrainer), AKA Austria Wien (Jugendtrainer)