Mit neuem Herz zu neuer Ausdauer

Sport / 03.10.2017 • 18:31 Uhr
Über die Alpen lief Elmar Sprink von Garmisch nach Brixen.photopositive
Über die Alpen lief Elmar Sprink von Garmisch nach Brixen.photopositive

Nach Herztransplantation Start beim Halbmarathon in Bregenz.

Bregenz Er kennt den schmalen Grat zwischen Leben und Tod. Elmar Sprink (45) ist ihn seit einem Herzstillstand vor sieben Jahren mehr als einmal gegangen. Der Kölner war erst 39, als sich seine Welt radikal veränderte. Am Ende zahlloser Krankenhausaufenthalte stand 2012 eine Herztransplantation. Danach musste er zwar vieles neu lernen, doch eines wollte er unbedingt: zurück zum Sport. Und Elmar Sprink ist wieder da. Um Ruhm und Ehre geht es ihm aber nicht mehr. Mit seinen Auftritten möchte er vor allem auf die Wichtigkeit von Organspenden aufmerksam machen. Morgen, Donnerstag, tut er das vor geladenen Gästen seines Ausrüsters Skinfit und am Samstagnachmittag beim Gesundheitssymposium im Bregenzer Festspielhaus (Beginn 17 Uhr). Als Draufgabe startet Sprink dann noch am Sonntag beim Sparkasse-3-Ländermarathon. Er hat für den Halbmarathon genannt. Es ist sein erstes Antreten hier. „Ich freue mich schon darauf“, sagt er.

Sieben Monate gewartet

Elmar Sprink liebt den Ausdauersport. Triathlon, Mountainbikerennen, Marathons, Bergbesteigungen: Es konnte ihm nicht weit, nicht hoch und nicht lang genug sein. „Auf Herzprobleme hat eigentlich nie etwas hingedeutet“, erzählt er. Dann wurde die Luft bei körperlichen Anstrengungen plötzlich immer wieder ziemlich dünn. Ein Belastungstest legte das Übel schließlich offen. Trotzdem versuchte Elmar Sprink kurz danach, den Ironman in Klagenfurt über die Distanz zu bringen. Nach der Hälfte des Laufes musste er jedoch abbrechen. Zwei Wochen später schlug das Schicksal zu. Herzstillstand auf dem Sofa. Für Sprink begann ein zweijähriger Leidensweg. Die letzte Station war ein Transplantationszentrum. Sieben Monate wartete er dort auf ein Spenderherz. Vier davon hing er an einer Herz-Lungen-Maschine. „Ich wollte nur überleben“, schildert Elmar Sprink seine damaligen Empfindungen.

Das erste halbe Jahr nach der Transplantation erwies sich als schwierig. Aber der Kölner ließ nicht locker im Bemühen, auf die Beine zu kommen. Schritt für Schritt kämpfte er sich vorwärts. Dabei geholfen hat ihm, jene Dinge aufzuschreiben, die er unbedingt noch machen möchte. „Es waren eigentlich ganz banale Sachen. Doch sie gaben mir Zuversicht“, erzählt er weiter. Das Abarbeiten der Liste begann mit einem Winterurlaub, dann folgten ein fünf- und Zehn-Kilometer-Lauf und ein Radrennen.

Schritt für Schritt zurück

Nach einem Jahr absolvierte Elmar Sprink einen kleinen Triathlon, nach 13 Monaten bestieg er in Begleitung den Großglockner. So kam eins zum anderen. Er wurde zum Ironman nach Hawaii eingeladen, er lief im vergangenen Jahr von Garmisch über die Alpen nach Brixen, und heuer sackte Sprink nicht nur den Doppelmarathon über die Zugspitze (84 km), sondern auch den Ötztaler Radmarathon ein. Seit 2013 war er bei über 50 Ausdauer-Events am Start. Dazwischen blieb noch Zeit für ein Buch. Es trägt den Titel „Herzrasen 2.0“ und erzählt seine Geschichte. Damit möchte er Menschen ermutigen, nicht aufzugeben. Ihm selbst hilft der Sport, auch Ängste zu bewältigen. Sein Ziel: „Weiter gesund bleiben und mehr Leute von einer Organspende überzeugen. „Sie sollen sich das überlegen und früh genug regeln“, wünscht er sich.

„Es waren ganz banale Sachen, aber sie gaben mir sehr viel Zuversicht.“