Innovative Lösungen
Seit Jahren ist der Super-G in Kitzbühel ein Stiefkind des größten Skiwochenendes im Weltcup. Doch heuer war sogar ich überrascht, dass die Jury und die Organisatoren so flexibel waren und das gesamte Rennen kurzfristig in den oberen Bereich verlegten. Und ich muss zugeben, es war trotzdem interessant, weil man ja auch sonst den größten Teil des Rennens vom Ziel aus auf den Leinwänden verfolgt. Die Zuschauerkulisse war kaum geringer als im letzten Jahr und die Stimmung, auch dank des Stadionsprechers, hervorragend. Trotzdem konnten unsere Cracks den Norwegern nicht das Wasser reichen. Die Eleganz von Aksel Lund Svindal scheint seine Knieprobleme locker auszugleichen und auch Kjetil Jansrud ist im Super-G eine Macht. Ein Super-G auf der Streif ist aber noch lange keine Abfahrt auf der Streif. Der Zielhang, der beim Super-G wohlweislich für die Abfahrt geschont wurde, wird allen das Adrenalin zum Kochen bringen. Ein Wechsel von perfekten Kurven, ganz flachen Gleitstücken, sehr weiten Sprüngen und Überwindung bis zum Exzess wechseln einander vom Start bis ins Ziel ab. Schon lange vor dem Hausberg will man eigentlich abschwingen, weil die fürchterlich eisige Piste mit den Schlägen alle Kraftreserven aufgebraucht hat. Aber die Hausbergkante ändert alles, schlagartig. Kein Gedanke mehr an Müdigkeit. Nur noch der Kampf ums Überleben! Kompressionsprung in die Schrägfahrt, Zielhang, Zielsprung. Nur 30 Sekunden, aber es waren und werden immer die fürchterlichsten Emotionen eines Rennläufers sein, ab der Hausbergkante bis ins Ziel.
Wir können nur hoffen, dass die knappe Niederlage von gestern unseren Jungs den nötigen Adrenalinschub geben wird, um die Wikinger heute in der Abfahrt zu distanzieren.
„Die Eleganz von Aksel Lund Svindal scheint seine Knieprobleme locker auszugleichen.“
Marc Girardelli
sport@vn.at
Marc Girardelli zählt mit fünf Gesamt-Weltcupsiegen zu den erfolgreichsten alpinen Rennläufern im Skizirkus.
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