Das schreibt Toni Innauer in seinem Gast-Kommentar: „Neben dem Dopingorkan“

Sport / 04.03.2019 • 21:30 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

So sehr ich Mario Stecher als Athlet schätzte und unterstützte, als ÖSV-Sportleiter wäre er für mich zu „grün“ und nicht die erste Wahl gewesen. Wie bei Christoph Bieler, dem Sprungtrainer der Kombinierer fehlte mir seine Erfahrung als Coach. Vom Athletendasein direkt in eine exponierte Führungsfunktion zu springen, schien mir übereilt. Franz Josef Rehrl, Mario Seidl und der rechtzeitig wiedererstarkte Berni Gruber sprechen erfreulicherweise auf der Schanze eine andere Sprache. Das war Skispringen, wie man es bestenfalls noch von Jarl Magnus Riiber oder von Spezialspringern gezeigt bekommt, dahinter steckt offensichtlich doch der „Bieles“. Und Neo-Chef Mario steht nach der Heim WM mit sensationellen neun Medaillen da! Es wäre viel bequemer jetzt zu behaupten „ich habe es immer schon gewusst…“, nachträglich die Vorab-Einschätzung den frisch gebackenen Erfolgen anzupassen. Ich gebe lieber zu, die beiden in ihrer Wirksamkeit im System unterschätzt zu haben.

Eva Pinkelnig z.B. wurde vor dieser Saison von vielen, zugegeben auch von mir schon abgeschrieben. Dann hat die Vorarlbergerin ein Skisprungwunder vollbracht. Mit ihrem Comeback, nach drei traumatisierenden Stürzen, hat die spätberufene Skispringerin alle Sachverständigen verblüfft. Von Harry Rodlauer gecoacht, überlistete Eva alle ehernen und ungeschriebenen Gesetze unseres Sports und brachte etwas Unmögliches zustande. Mit ihren zwei Silbermedaillen und dem tollen 5. Platz im Einzelspringen ist sie meine persönliche Heldin dieser WM.
Dass Mario Stecher mit Andi Felder seinen ehemaligen Sprungtrainer nach Heinz Kuttin auf die Kommandobrücke der Spezialspringer stellte, hielt ich zumindest für sehr gewagt. Meistens abseits der Kameraschwenkbereiche agierend, brachten der sympathische Oldschool-Haudegen und seine jungen Assistenten das schräg stehende Schiff bis zur Heim-WM wieder so flott, dass drei Medaillen eingefahren wurden. Chapeau!

„Dass ein Leichtgewicht wie Stefan Kraft im Anlauf fast Höchstgeschwindigkeit fährt, lässt staunen.“

Die österreichischen Springer-Innen und Kombinierer konnten sich neben dem wild tobenden Dopingorkan einmal mehr als stabiler kleiner Flugzeugträger etablieren. Dazu braucht es aber auch „Bodenpersonal“, das mit auffällig gutem Material auf Schanzen und Loipen für Ruhe und Zuversicht sorgen kann. Dass ein Leichtgewicht wie Stefan Kraft im Anlauf fast Höchstgeschwindigkeit fährt, lässt staunen und hilft enorm. Weils passt (und mir auch nicht so leicht zu schreiben fällt): ein „Alpiner“, Toni Giger ist der Mastermind hinter dieser, lange nicht gekannten, Stabilität im Materialbereich .