Trotz Sturz zum Etappensieg

Sport / 11.07.2019 • 21:45 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Jannik Steimle jubelt bei der Zieleinfahrt in Kitzbühel.gepa
Jannik Steimle jubelt bei der Zieleinfahrt in Kitzbühel.gepa

Jannik Steimle vom Team Vorarlberg gewinnt die fünfte Etappe der Österreich-Radrundfahrt nach turbulentem Verlauf

Markus Krautberger

Kitzbühel Von schweren Stürzen ist die fünfte Etappe der Österreich-Rundfahrt überschattet worden. Den Sieg holte sich nach 162 km von Bruck an der Glocknerstraße nach Kitzbühel der Deutsche Jannik Steimle vom Team Vorarlberg Santic, der Tiroler Patrick Gamper wurde Dritter. Die Anwärter auf den Gesamtsieg kamen unbeschadet durch, Ben Hermans ist vor dem Finale auf dem Kitzbüheler Horn der Favorit.

Hubschrauber im Einsatz

In Kitzbühel ist man vom Hahnenkammrennen böse Stürze gewohnt, doch gestern waren die Rettungskräfte auf den letzten 20 Kilometern vielfach gefordert. Am schwersten erwischte es den heurigen Etappensieger Giovanni Visconti, der nach einer Tunnelausfahrt und einer folgenden scharfen Rechtskurve mit anderen Fahrern 1500 m vor dem Ziel schwer zu Sturz kam, und den rund 20 km vor dem Ziel in einer Abfahrt verunfallten Kasachen Stepan Astafjew. Bei Visconti bestand Verdacht auf eine Wirbelsäulenverletzung, Astafjew erlitt ein Schädel-Hirn-Trauma. Beide wurden mit dem Helikopter in das UKH Salzburg geflogen. Steimles Jubel über den zweiten Sieg nach dem Prolog in Wels währte nur kurz. „Das ist eine unglaubliche Woche für mich, was wir hier abliefern, ist grandios“, sagte der Team-Vorarlberg-Legionär, wünschte aber gleichzeitig den Sturzopfern gute Besserung. „Ich freue mich über den Sieg, aber wenn man gesehen hat, mit wie viel km/h die anderen geflogen sind …“ Für Gamper kam der dritte Rang überraschend. „Es war das erste Mal in meiner Karriere, dass ich einen guten Sprint gefahren bin“, sagte der Fahrer des Teams Tirol KTM. „Ich wollte unbedingt unter den ersten fünf in die letzte Kurve, es war wirklich gefährlich und sehr hektisch.“

Das ist eine unglaubliche Woche für mich, was wir hier abliefern, ist grandios.

Jannik Steimle, Rad-Profi Team Vorarlberg

Bevor Steimle seinen Sieg feiern konnte, kam der Deutsche bei der Einfahrt Richtung Kitzbühel zu Sturz. Dabei hatte der 23-Jährige Glück, lediglich ein Materialschaden entstand und er „nur“ das Fahrrad wechseln musste. Danach half ihm Team-Kollege Daniel Geismayr, wieder Anschluss an die Spitze zu finden. 250 Meter vor der Zieleinfahrt zog Steimle den finalen Sprint an und schaffte es, diesen auch vor großartiger Zuschauerkulisse durchzuziehen.

Kritik an der Strecke

Kurz vor dem Ziel kam es bei der Ausfahrt aus einem Tunnel und einer scharfen Rechtskurve zu einem Massensturz. Betroffen war u.a. der Oberösterreicher Sebastian Schönberger, der noch ins Ziel fuhr, sich danach aber mit Verdacht auf Gehirnerschütterung auf die Fahrbahn legte. Riccardo Zoidl kam im Gegensatz zu Schönberger gut durch. „Ich habe schon geahnt, dass da etwas passieren wird und habe mich ganz hinten ins Feld zurückfallen lassen. Das war ein abartiger Crash. Ich bin froh, dass ich heil durchgekommen bin.“
Tourdirektor Franz Steinberger stellte in einer Stellungnahme fest, alle gefährlichen Stellen seien im Roadbook (Streckenbeschreibung für die Teams, Anm.) angezeichnet. „Das waren heute zwei gefährliche. Die Sicherheit war gewährleistet durch die Absicherungsmaßnahmen, das hat die Rennleitung auch bestätigt“, erklärte Steinberger. Nach dem ersten Unfall, dessen Ausmaß nicht absehbar gewesen sei, wären dort beide Rettungsautos und das Ärzteteam eingesetzt gewesen, um die Fahrer zu versorgen. „Nach Bekanntwerden des zweiten Unfalls hat es natürlich auch wegen der Verkehrssituation gedauert, bis sie beim Unfallort waren. Zusätzlich wurden weitere Rettungswagen angefordert“, betonte der Tour-Chef.